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Kommentar der Ausgabe von Sonnabend, dem 6. März
2010
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| Guter
Rat ist weiblich |
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Er hatte die Lacher(innen) auf seiner Seite, als
der Cottbuser Oberbürgermeister seinen Grußworten
an die Eröffnungsrunde der Brandenburger
Frauenwoche die private Bemerkung anfügte:
Ratschläge und Kritik von Frauen haben
mir geholfen, auch mal richtige Entscheidungen zu
treffen.
Und da war es dann auch gleich wieder präsent
- das Problem, mit dem sich nun schon im 20. Jahr
die Frauen (und zunehmend Männer) um den 8. März
herum befassen. Frauen verstehen sich oft als die
Ratgeber, die Helfer im Hintergrund. Nicht selten
sind sie die Mandarine der Langnasen, wie Chinesen
die Europäer nennen. Dort gibt es berühmte
Herrscher, aber die Mandarine, die hohen Beamten,
sind die wahren Führer.
Mag das so sein oder nicht. Sicher ist, dass unsere
Gesellschaft diese Mandarine, diese klugen
Köpfe an Entscheiderstellen, braucht. Drastisch
hat es die Frauenpolitische Landessprecherin Ulrike
Häfner gesagt: Männer haben die Finanzkrise
verursacht, Frauen müssen sie ausbaden. Und CTK-Chefin
Heidrun Grünewald rechnete nach, dass bei den
600 börsennotierten Unternehmen von 1127 Führungskräften
nur 42 weiblich sind. Haben wir hier die Ursache dafür,
dass es so dramatisch knistert auf allen Baustellen
dieser Welt?
Darüber bleibt zu reden in der kommenden, der
20. Frauenwoche. In allen Orten hier im Süden
Brandenburgs gibt es spannende Themen-Nachmittage
und -Abende hierfür. Sicher wird dadurch die
globale Geldwirtschaft nicht gesäubert. Aber
es reicht schon, überall aufzuzeigen, dass Ausbildung,
Mutterschaft, Familie und Karriere zusammen sein können.
Sie müssen es sogar. Denn das Glück finden
Frauen wie Männer zuerst in der Familie, den
Erfolg auf Arbeit. Beides gehört zusammen J.H.
Sie erreichen den Autor unter j.heinrich@cga-verlag.de
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Kommentar der Ausgabe von Sonnabend, dem 27. Februar
2010
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| Zurück
in die Fugen |
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Was hat Frau Käßmann mit der Wendischen
Fastnacht zu tun?
Eigentlich nichts. Nein, dies soll auch nicht flapsig
aufzufassen sein, etwa den hier wie da etwas zu unmäßig
vorkommenden Alkohol betreffend.
Pfarrerin Käßmann, eine großartige
Persönlichkeit der evangelischen Kirche, hat
im Amt Aufmerksamkeit gefunden und verdient für
ihre Anmerkungen zu bewegenden Themen der Zeit. Und
sie hat sich locker hinweggesetzt über landläufig
Übliches. Mutig oder leichtfertig? Die Fälle
wechselten. Fragen brachen auf: Haben ungeschriebene
Normen überhaupt Sinn oder sind das Gerüste
von mürrischen Tugend- und Moralwächtern?
Soll ein Pfarrer oder eine Pfarrerin nicht auch einmal
den Frohsinnsbecher schwenken und ein kleinwenig fehltreten
dürfen?
Und unsere fromme wendische Jugend: Warum soll sie
Passionszeiten einhalten mit ihrem Fastnachtsfrohsinn?
Gewiss: Die Eltern waren da streng und hätten
niemals nach dem Aschermittwoch den Rutenbesen und
die Röcke geschwenkt. 40 Tage vor Ostern bleibt
das passé.
Aber muss das überhaupt noch eine Rolle spielen?
Ist es nicht kleinlich und überholt, hier der
Bischhöfin und da den Trachtenpaaren förmliche
Enthaltsamkeit aufzubürden?
Die Welt bricht aus allen Fugen. Fast nichts gilt
mehr, was gut, ehrlich, sittsam, gehörig war.
Die Spaßgesellschaft grölt ihren Anspruch
der Maßlosigkeiten durch alle Lebenslagen, unterstützt
von charakterlosen Medien. Da mutiert unversehens
Gottes Bodenpersonal, wie sich die Bischöfin
selbst gern nannte, zur Marketenderin der Landsknechte
des Konsums. Alles ist aus den Fugen!
Frau Käßmann, die wendische Jugend, wir
alle könnten viel davon profitieren, käme
sie Stück um Stück zurück in diese
alten Fugen. Sich fügen, war nie eine Schwäche.
J.H.
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Kommentar der Ausgabe von Sonnabend, dem 20. Februar
2010
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| Apostel
in den Messehallen |
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Nicht zum ersten Male haben die Messehallen am Cottbuser
Stadtring sich dem wieder Auferstandenen geöffnet.
Am Sonntag findet erneut der Kirchentag des Apostelamt
Jesu Christi statt - wegen Schneesperrung in der Stadthalle.
Diese Religionsgemeinschaft hat in unserer Region
in Spremberg, in Peitz und zweimal in Cottbus Ämter.
Die breite Öffentlichkeit weiß wenig über
diese Gemeinschaft, schon gar nicht über ihre
inneren Probleme. Zerfallen in drei Gruppierungen,
bemühen sich die Apostel aktuell, wohl auch mit
ihrem erneuten Kirchentag, die Gedanken und die Gemeinden
zusammen zu bringen. Es geht nicht nur um Lithurgie,
Kleiderordnung und Gemeinderegeln, sondern auch um
eine so bedeutende Frage, ob die Apostel wieder selbst
die Segensarbeit der Konfirmation leisten sollten.
Warum könnten Leser derartige gesellschaftliche
Marginalien interes-sieren? Geht das außerhalb
dieser bekennenden Gläubigen überhaupt jemanden
etwas an?
Cottbus und die Lausitz werden sich nicht verändert
haben, wenn Montag dieser kleine Kirchentag vorbei
ist. Aber es ist gut und wichtig zu wissen, dass ein
solches Ereignis hier ohne großes Aufsehen seinen
Platz hat. Denn zu den schönen Erfahrungen seit
1990, über die leider fast nie gesprochen wird,
gehört die größere Freiheit für
die Gedanken und für persönliche Bekenntnisse.
Cottbus hatte in vordiktatorischen Zeiten eine Vielfalt
an Religionsgemeinschaften. Das Apostelamt Jesu Christi,
1934 als marxistische Umtriebe verboten,
gründete sich 1947 wieder, litt aber unter der
deutschen Teilung. Im Grunde bis heute. Aber nun ist
kein Druck mehr von außen da. Die Brüder
und Schwestern in ihrem Glauben an die vollzogene
Auferstehung Jesu gehören zu uns.
Das macht uns zufrieden. J.H.
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Kommentar der Ausgabe von Sonnabend, dem 13. Februar
2010
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| Narren
sind die Ärgsten nicht |
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Der Mann saß gebeugt auf einer Kiste und las
die Sportseite. Drüben nagelten zwei Jungs eine
Klinkerwand aus Pappe zur Hausecke zusammen, und drei
Frauen an der Straßenbahnhaltestelle redeten
darüber. Sie ließen an denen, die da hämmerten
und offenbar Karneval vorbereiteten, kein gutes Haar.
Was Ordentliches könnten die machen, und sowieso
- der Lärm, das Gelache, das Konfetti... Der
Mann auf der Kiste sagte laut und vernehmlich: Narren
sind die Ärgsten nicht.
Er hatte seinen salomonischen Satz etwas zu laut gesprochen,
vielleicht. Die Frauen taten erst erschreckt, dann
verächtlich, dann kam ihre Straßenbahn.
Der Mann auf der Kiste blieb sitzen und erzählte
vom Karneval. Eine Ganzjahresaufgabe sei das. Die
Feiern in diesen Tagen seien wie das Kinderschreien
auf der Babystation - laut und viel Freude bewirkend.
Aber neun Monate will so ein Kind, ists erst
mal gezeugt, ausgetragen werden. Neun Monate!
Wie im Karneval, sagt der Mann und grinst vor sich
hin: Das Zeugen mache auch Spaß; da wird schon
mal gut gebechert und viel palavert, bis brauchbare
Ideen fruchten.
Und die Monate dann?
Dann werde eben ausgetragen, sagt der Mann, was auszutragen
sich lohne. Sketche, Tänze, Bühnenbilder.
Allwöchentlich Training der Kindergruppen, nicht
ganz so oft die Männer, dann schon erste Probe-auftritte
und so weiter. Nein, die Narren sind die Ärgsten
nicht. Sie haben ihren Zusammenhalt, manche sind seit
20 oder gar 30 Jahren dabei, und wenn die Kinder heranwachsen,
wird ihnen auch beruflich geholfen. Zum Karneval müssen
sie sowieso ran: hämmern, kassieren am Saal,
Einlassdienst abends, Auskehrdienst spät nachts.
Dann die Abrechnung...
Das Papphaus steht, der Mann nimmt die Bahn in die
andre Richtung. J.H.
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Kommentar der Ausgabe von Sonnabend, dem 6. Februar
2010
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| Die
Kraft der Langeweile |
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In Cottbus zum Beispiel ist es etwas langweiliger
als in Potsdam, aber nicht so langweilig wie in Rostock.
Die langweiligste Großstadt überhaupt ist
Würzburg, mit Abstand. Dann kommt gleich Fürth.
Die spielen aber zur Zeit besser Fußball als
Cottbus.
Aber mit Fußball hat das Maß der Langeweile
nun wieder nichts zu tun, sonst stünde München
besser da als zum Beispiel Nürnberg, was aber
nach dieser ZEIT-Deutschlandkarte nicht der Fall ist.
Die bildet nämlich die Dichte an Videotheken
in deutschen Großstädten (Cottbus läuft
da grad noch toleriert mit) ab. Ganz wenig solche
Ausleihzentren von bildbewegter Abwechslung gibt es
zum Beispiel in Oberhausen oder Paderborn, während
Koblenz, wo Patrick Sander jetzt Fußballtrainer
ist, weitaus mehr Videotheken ver-zeichnet als Cottbus.
Volle 5,62 auf 100000 Einwohner sind es dort, nur
4,91 hier an der Spree. Von Spremberg, Guben und Forst,
die nicht mal zusammen 100000 Einwohner haben, liegen
keine Langeweile-Da-ten vor. Denn allein die Kraft
der Langeweile treibe in Diskotheken, meinen die Kartographen
der erstorbenen Leidenschaften. Wirklich signifikant
aber scheinen die Zahlen nicht zu sein - oder glaubt
jemand, dass Chemnitz eine total spannende, also videothekenarme
Stadt ist?
Jedenfalls lässt sich die videophile Neigung
auch nicht vorwiegend den Arbeitslosen zuschieben,
jedenfalls nicht mehr. Denn in Ostdeutschland, wo
die Arbeitslosigkeit am höchsten ist, findet
sich keine einzige Stadt mehr mit Video-Spitzenwerten.
Erfurt und Madeburg mit den Kenn- ziffern 3,01 und
3,05 liegen sogar im Spitzenfeld der Lebhaftigkeit.
Sind eigentlich überhaupt so viele Leute in den
Videotheken? Die sehen von außen immer so leer
aus. Irgendwie langweilig... J.H.
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Kommentar der Ausgabe von Sonnabend, dem 30. Januar
2010
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| Heimisches
Handwerk lässt bitten |
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Dem Handwerk hafte Nostalgie an. Wer werkt schon
noch per Hand? Kopf und Computer erobern Welten, höchstens
der Zeigefinger auf der Mouse muss dafür noch
wackeln...
Falsch? - Völlig falsch! Wer den Gruselspot in
der Werbung gesehen hat, in dem alles einstürzt,
weil es das Handwerk nicht mehr gibt (spaßig,
aber nicht geistreich), ahnt vielleicht, wohin die
Absicht dieses Wirtschaftszweiges geht. Handwerk hat
Vergangenheit UND Zukunft. Wer das nicht als since
fiction, sondern real erleben will, mag sich unters
Volk mischen in den Cottbuser Messehallen an diesem
Wochenende. Dort präsentieren sich Handwerker
nicht um einer Show willen, sondern sie wickeln als
Wirtschaft von ne-benan einen Teil ihres
Geschäftes ab. Zum modernen Handwerksbetrieb,
ganz gleich welcher Branche, gehören heute durchdachte
Unternehmensstrategien, Marktstudien und Messeauftritte
genau so, wie rechnergestützte Rezepturen, teilautomatisierte
Fertigungen, wissenschaftlich begründete Therapien
und vieles mehr. Ob Friseur, Fensterbauer, Fliesenleger
oder Motorendiagnostiker - im modernen Handwerk trifft
Fortschritt hand-lich im Focus zusammen.
Wer ihn greift, hat die Nase vorn und viel Spaß
dabei. Wirtschaftlichen Erfolg sowie-so. Mancherlei
Überraschendes dürfte an den Ständen
in der Messe zu finden sein, vielleicht sogar für
junge Leute etwas für die eigene Zukunft. Denn
eines braucht Hand-werk immer: Nachwuchs mit Freude
am Werken und Lust auf große Karrieren. Nicht
wenige Wissenschaftler haben ganz am Anfang ein Hand-werk
gelernt.
Und was Nostalgie betrifft: Hand-Werk altherkömmlicher
Weise hat in unserer Flimmerwelt eine ganz eigene
Ästhetik. Solcher Genuss ist Sahnehäubchen
dieser Messe. J.H.
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Kommentar der Ausgabe von Sonnabend, dem 23. Januar
2010
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| Jetzt
dürfen alle nochmal |
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Es waren nicht genug Menschen im Tiefschnee unterwegs
vor zwei Wochen. Experten haben die Wahlbeteiligung
angesichts der strapaziösen Wetterbedingungen
aber als beachtlich eingestuft und das war sie zweifellos
auch. Dass keiner der Kandidaten die alleinige Mehrheit
schaffen würde, hatten auch wir vermutet. Erfreulich
deutlich war für den amtierenden Landrat der
Stimmenvorsprung. Damit zeichnet sich das Bild eines
gut geordneten Kreises ab, in dem die Menschen nicht
unbedingt auf Experimente aus sind. Wozu auch in Zeiten,
die wenig Spielraum für nicht notwendige Neuanfänge
lassen?
Genau genommen ist ja diese Wahl selbst schon ein
Neuanfang, der, wie wir bemerken, allerhand Kraftaufwand
erfordert und Querulanten Bühnen schafft.
Vielfach wird die direkte Landratswahl als eine demokratische
Errungenschaft, als eine Chance für emanzipierten
Bürgersinn gefeiert. Die Bevölkerung benennt
selbst ihren Landrat - das durfte sie noch nie.
Wird sie dieses neue Recht tatsächlich wahrnehmen?
Darauf vor allem sind wir und wohl auch die Kandidaten
selbst gespannt. Ganz gleich wie tief die Temperaturen
fallen - demokratisch braucht der Spree-Neiße-Kreis
am Sonntag ein gehöriges Hoch. Denn die Hürde
heißt auch diesmal: der siegreiche Kandidat
muss mindestens 15 Prozent aller Wahlberechtigten
hinter sich bringen. Das bedeutet, bei einem knappen
Wahlausgang würde eine Wahlbeteiligung unter
30 Prozent nicht zum Ergebnis führen. Mindestens
16 618 Wähler müssen einen der beiden Kandidaten
wollen und dies auch gültig auf ihrem Wahlschein
darstellen. Andernfalls fällt die Entscheidung
an den Kreistag zurück. Kann das der öffentliche
Wille sein? J.H.
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Kommentar der Ausgabe von Sonnabend, dem 16. Januar
2010
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| Überraschender
Winter |
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Wie schön, dachte mancher, es ändert sich
auch in heftigsten Zeitstürmen nichts: Wie in
beschaulichen DDR-Zeiten waren Wirtschaft und Winterdienst
überrascht vom ersten Schneefall, und wie damals
meldeten die Medien, obwohl draußen gar nichts
klappte, erst einmal Erfolge zuverlässigen
Winterdienstes.
Unsere trauliche Antenne versuchte sogar,
früher geübte Winterkampf-Reportagen in
der Kohle, was allerdings bei propagandistisch ungeübten
Vattenfallern nicht recht verstanden wurde. Helden?
Haben wir Helden im Winterkampf? Haben wir nicht.
Brauchen wir welche?
Nein, Vattenfall schürft Kohle fast personalfrei
automatisch, und wenn mal was anbäckt im Frost,
fällt den Technologen schon das Richtige ein.
Kohle macht Strom und Strom
macht Kohle; da wirbeln ein paar Schneeflocken nix
durcheinander.
Kommunal betrachtet, liegt der Fall anders. Hier wären
ein paar Helden da und dort von Nutzen. Der Schnee
kam am Wochenende und gleich zu Jahresbeginn, als
die Kühlschränke noch voll und Urlaubstage
vom vergangenen Jahr noch nicht ganz verstrichen waren.
Allmählich wurde aber doch Normalität nötig,
und die Romantik einer weißen, märchenhaft
verzögernden Beschaulichkeit begann auf die Nerven
zu gehen.
Während in Kolkwitz schon am Mittwoch wieder
die meisten Radwege befahrbar waren und von Schulkindern
wie Berufstätigen genutzt wurden, ward in Cottbus
Räumgerät nirgends gesehen. Altmarkt, Sprem
und selbst das neue Einkaufscarré verharrten
im Tiefschnee, von weniger bedeutenden Zonen gar nicht
zu reden. Das Bemerkenswerte: Es hat sich auch kaum
jemand drüber erregt. Die Verwaltung hatte eine
Feier vorzubereiten, und Überraschungen - ja,
die muss man im Winter eben ertragen können.
J.H.
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Kommentar der Ausgabe von Sonnabend, dem 9. Januar 2010
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| Der
Landkreis wählt |
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Das Ereignis ist neu; von vielen wird es für
überflüssig gehalten. Aber nun findet es
statt und hat unverrückbare Folgen: Die Einwohner
des Spree-Neiße-Kreises wählen ihren Landrat.
111500 Menschen sind wahlbe-rechtigt, doch wenn sie
grübeln, wissen sie relativ wenig darüber,
was ein Landrat genau zu tun hat. Ihre Bezugspersonen
der Demokratie sind die Bürgermeister und die
jeweils in ihrer Nähe wohnenden und gewählten
Abgeordneten von der Gemeindevertretung bis hin zum
Bundestag. Aber der Landrat - was haben sie mit dem
Landrat zu tun?
Natürlich, der Landrat hat große Bedeutung
für die Entwicklung einer Region und sollte ein
umsichtiger Chef einer beachtlichen Verwaltung sein.
Und er muss das Ohr am Volke haben, wie
es recht treffend heißt, um Prozesse zu Entscheidungsfindungen
klug führen zu können.
Relativ bedeutungslos ist die Parteizugehörigkeit
eines Landrates. Ja, es ist, da nun direkt gewählt
wird, künftig sogar denkbar, dass ein parteiloser
Mensch Landrat oder Land-rätin wird. Nur schwer
schuften muss er/sie und Beziehungsfäden nach
dorthin knüpfen können, wo die Segnungen
für einen Landkreis herkommen, die auch Fördermittel
genannt werden. Kein Wirtschaftsunternehmen baut heutzutage
eine Maschinenhalle oder eine Werkbank in eine Landschaft
ohne Fördervorrang. Ihn zu garantieren, ist Chefsache.
Landratssache.
Drei Kandidaten stehen zur Wahl im Spree-Neiße-Kreis.
Die politischen Ausschmückungen darf der Wähler
getrost vergessen. Es sind wohl drei starke Persönlichkeiten,
von denen keiner das Amt und seine Bürde unterschätzt.
Dieter Friese, der manchmal knorrige, hat es gut ausgefüllt
bis hierhin. Das sagt vor allem die Wirtschaft, die
es spürt. Was die Wähler meinen, wissen
wir Montag. J.H.
Sie erreichen den Autor unter j.heinrich@cga-verlag.de
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Kommentar der Ausgabe von Sonnabend, dem 2. Januar 2010
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| Die
guten Vorsätze |
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Es bleibt wie es immer war: Umfragen ergaben, dass
sich mehr als die Hälfte der Menschen (im Osten
Deutschlands ein paar weniger) etwas vornehmen
zum neuen Jahr. Bewusster essen, nicht mehr rauchen,
Tagebuch schreiben, mehr Zeit für die Familie
nehmen. Solche Vorsätze sind ehrliche Wünsche,
mehr meist nicht. Sie würden gern beherzigt sein,
doch der Alltag ist schneller, rücksichtslos
gegen Träumereien, ohne Raum für Sentimentalität.
Morgen noch entspannen - dann kommt Tag eins im Geschäftsjahr
10. Schon für die erste Woche sind Terminkalender
voll. Liegengebliebenes muss nachgeholt, Versproche-nes
unverzüglich begonnen werden.
Nanu! Ans Telefon geht schon wieder keiner. Haben
die denn alle Skiurlaub? Oder drücken die sich
vor ernsten Gesprächen?
Die Kaffeemaschine läuft spätestens halb
elf auf Hochtouren. Ein Glück, dass die verdammte
Kälte vorbei ist; das Rauchen auf dem Balkon
war vor Weihnachten unerträglich. Minus elf Grad.
Da kam das Aufhören in Rede, klar. Sicher. Aber
jetzt kommt eben auch gleich wieder alles zusammen,
da geht sowas gar nicht.
Eine Knacker im Stehen am Kiosk. Es wird gleich drei
und das Manus-kript muss zur Korrektur. Es wird spät
heute. - Nein, Schatz, geht nicht, nein doch!Jetzt
zum Fitness! Wer kommt bloß auf sowas.
Wenigstens die E-Mails sind abgearbeitet. Das Schönste
am Montag ist abends der SPIEGEL. Naja, gleich elf...
Verdammt! Was soll das denn!? 30 in der Karl-Liebknecht-Straße.
Sind die denn von der Leine? Ein Jahr lang nur Baustellen
und jetzt das! Wegen der Nachtruhe? Wenn die Leute
nicht schlafen können in dieser Stadt, dann sollen
sie sich am Tag mal richtig beschäftigen. Das
wäre doch mal ein richtig guter Vorsatz zum neuen
Jahr! J.H.
Sie erreichen den Autor unter j.heinrich@cga-verlag.de
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Kommentar der Ausgabe von Montag, dem 28. Dezember 2009
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| Glück
gehabt... |
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Egal, auf welchen Sender wir schalten oder in welch
überregionales Blatt wir schauen: Ganz am Ende
dieses Jahres Null-Neun springen uns nochmals alle
Schrecklichkeiten ins Gesicht. Krise! Das Wort bekam
im zeitigen Frühjahr Allmacht und lähmte
selbst hier im fernen deutschen Osten jedwede Unternehmungslust.
Angst machte sich deutlich breit. Doch unmerklich,
wie sie gekommen war, schwand sie alsbald. Die großen
Pleiten schienen als Welttheater ohne unsere unmittelbare
Beteiligung abzulaufen. Wir waren wieder mal davon
gekommen...
Einige Autohändler kamen vor Freude über
Abwrack-Umsätze nicht in den Schlaf, die Baufirmen
hatten schneller ihre Konjunkturaufträge als
sie Angebote rechnen konnten und so mancher Kindergarten
erstrahlte frisch wie lange nicht. Selbst schräge
Friedhofsmauern werden nun noch mitten im Frost gerichtet,
damit Merkels Mittel der globalen Konjunktur-Degression
einen ermunternd-trotzigen lokalen Aufschwung entgegensetzen
können. Immerhin: Am Jahresschluss meldet Cottbus
rückläufige Arbeitslosenzahlen. Auch Spree-Neiße
steht mit sommerlichen Rodelvergnügen, hohen
Aussichtstürmen und anderen Überflüssigkeiten
blendend da.
Wir haben eben Glück gehabt.
Aber wird dieses Glück nachhaltig sein? Wird
der abgewrackte Automarkt seine Beschäftigten
weiter nähren? Werden die Baufirmen, die kleine
Privatkunden versetzten, weil die öffentliche
Hand sie wieder einmal verwöhnte, ihre Kunden
wieder aufsammeln können? Werden die eilends
aufgerichteten Mauern jene sein, die uns nützen
in kommender Zeit der nun noch leereren kommunalen
Kassen?
Glück ist, gesund und stark zu sein für
neue Herausforderungen. Das möge uns beschieden
bleiben. J.H.
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Kommentar der Ausgabe von Sonnabend, dem 19. Dezember 2009 |
| Wundervolle
Weihnachtswichtel |
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Das sind wundervolle Leute, die sich in allen Städten,
auch in manchen Dörfern und nun schon wochenlang
in Cottbus auf Straßen und Plätze stellen
und der Weihnachtsstimmung dienen. Wir haben schöne
Weihnachtsmärkte erlebt in diesem Jahr, auch
wenn noch häufig Kritik zu hören bleibt.
Wir sind hier nicht das wohlhabende Dresden oder Nürnberg,
sondern die sehr viel bescheidenere Lausitz. Eigentlich
haben Christkindel- oder eben Weihnachtsmärkte
hier kaum eine Tradition. Aber die Freude an gemütli-cher
Stimmung und auch die drük-kende Notwendigkeit,
Handel durch geeignete Ideen zu beleben, hat die Märkte
gefördert. Man mag bedauern, dass Weihnachten
vielfach nur als Konsumrausch wahrgenommen wird -
die zunehmend wirklich weihnachtlichen Märkte
sind ein akzeptabler Kompromiss. Spätestens an
lebhaften Wochenenden, wenn vor allem den kleineren
Kindern die Bäckchen glühen vor Aufregung
im Getümmel, fällt uns ein, dass uns selbst
die viel bescheideneren Weih-nachtsmärkte der
Kindheit in den 40er, 50er, 60er und auch noch 70er
Jahren doch liebe Erinnerungen geblieben sind.
Sicher, die Welt hat sich verändert. Die Phantasie
aber hungert in alter Weise. Und wir alle können
sehr viel tun, unsere Weihnachtsmärkte zu ent-wickeln.
Ganz einfach: Wir feuern die Kataloge in die Ecke
und kaufen Nussknacker, Räuchermännchen,
hübsche Engelchen, Lebkuchen, Schokolade und
vieles andere wirklich auf dem Weihnachtsmarkt. Auf
unserem Weihnachtsmarkt. Hier ist alles ein bisschen
teurer, klar. Aber wir faseln dann nicht nur von Weih-nachtswichteln,
sondern würdigen die Arbeit der vielen Leute,
die in windigen Buden sicher nicht reich werden. Danke
diesen wunderbaren, fleißigen Menschen! J.H.
Sie erreichen den Autor unter j.heinrich@cga-verlag.de
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