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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 4. Februar 2012
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich:
Ganz
einfach kreisfrei
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Viermal
im Jahr tagt der Kreistag. Es ist für Journalisten
mühsam, darüber spannend zu berichten. Weil:
Eigentlich passiert dort nichts. Jedenfalls nichts,
was sowieso anderswo (Verwaltungsdinge meist per EU-Gesetz)
schon entschieden ist oder entschieden werden könnte.
Auch die Kreisverwaltung, ein schmucker Bau am ruinösen
Stadtrand von Forst, scheint entbehrlich. Jedenfalls
finden das einige Leute, die über sinnhaftes
Sparen nachdenken. Die Lausitz-Liberalen wollen daraus
nun ein Thema ihres Kreisparteitages machen: Ganz
einfach kreisfrei sollte unser Land sein. Geht das?
Vielleicht stellt sich mal jemand an den Eingang des
Kreishauses und fragt die wenigen Besucher, was sie
da hinführt. Für einen ersten Eindruck wäre
das ganz aufschlussreich. Und in so einem Landratskalender
- was steht da drin? Landesväterliches vor allem:
Menschen ermuntern, Grundsteine legen, Richtfeste
feiern, Vereine unterstützen, manchmal das letzte
Wort haben, wenn sich Ortsräte zanken.
Macht all das Kreisgrenzen unentbehrlich? Muss eine
Autoanmeldung im Zeitalter moderner Medien noch regional
stattfinden? Ist es wichtig, wem eine Straße
- mit oder ohne Schlagloch - gehört? Die total
kreisfreien Denker sind der Ansicht, hier habe sich
vieles im Selbstzweck zu Gewohnheit manifestiert.
Und man stelle sich vor, das Land gründe in den
nächsten zehn Jahren andere, größere
Kreise, die dann wieder neue Verwaltungspaläste
errichten und ihr Personal in unbarmherzige Kompetenzschlachten
jagen...
Haben die Lausitz-Liberalen, die dem Vernehmen nach
doch nicht in einer Peitzer Telefonzelle tagen, womöglich
DIE hilfreiche Idee?
Sie erreichen den Autor unter
j.heinrich@cga-verlag.de
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 4. Februar 2012
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in dieser Woche:
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M. Klinkmüller:
(K)ein
hoch auf die Erhebung
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Ein
Podest ist eine Plattform, die dazu dient, eine Person
gegenüber seiner Umgebung zu erheben. Dieser
Satz steht im Internet-Lexikon Wikipedia, wenn dort
das Stichwort Podest eingegeben wird. Und das Wort
Podest wiederum ist derzeit aus aller Munde in Spremberg
zu hören. Hier soll eine Person zwar hochleben,
weil sie 100. Geburtstag hat, aber erhoben werden
soll sie nicht - zumindest nicht auf ein Podest. Das
ist das, worüber sich alle Fraktionen in der
Stadt einig sind. Oder doch nicht? So streifenfrei
klar, dass auch dem Außenstehenden Betrachter
ein Durchblick gelingt, ist die Podestdiskussion nicht.
Da gibt es etwa die eine Seite, die Strittmatter,
so heißt die Podest-Person, vom Podest stoßen
will und es gibt eine andere Seite, die ihn erst gar
nicht auf diesen heben will. Offen bleibt also, ob
sich Strittmatter bereits auf einem Podest befindet.
Diese Frage stellt sich für die dritte Seite
erst gar nicht. Sie spricht sich dafür aus, Strittmatter
im Sommer podestlos zu erheben. Diese Seite verweigert
sich einer Podest-Debatte indem sie sagt, dass es
bei der Geburtstagsfeier gar nicht um Podeste gehe.
Doch zurück zu Seite eins und zwei, also jene
die Strittmatter vom Podest schubsen oder erst gar
nicht hinauf lassen wollen. Diese Seiten machen das,
was Politiker machen müssen: Kompromisse finden.
So schlagen sie vor, sich an den Kosten für das
Aufstellen eines Podestes zu beteiligen. Bedingung:
Andere müssen den Schriftsteller hinaufheben.
Übrigens: In der Architektur heißt das
Podest Podium. Und auf diesem stehend, sollen in Zukunft
Wissenschaftler und andere Experten diskutierend für
Durchblick sorgen. So wird auf jeden Fall jemand erhoben.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 28. Januar 2012
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich:
Hoklapnica
ohne Weh
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Im
wendischen Umland nordwestlich von Cottbus und auch
in einigen eingemeindeten Stadtteilen ist das alte
Jahr abgeklopft worden. Ein bemerkenswerter
Brauch, der schon 100 Jahre oder länger gepflegt
wird. Während sich in den Städten zu kommunalen
Themen nur mühsam Auditorien finden, füllen
sich die Dorfsäle zur Hoklapnica stets bis auf
den letzten Stuhl.
Allerdings: Zum Ärger der immer seltener werdenden
muttersprachlichen Wenden steht auf Anschlagzetteln
und auch danach in den lokalen Nachrichten meist Woklapnica.
Das W vorn dran tut den Wenden weh, denn,
so lehrt es der reine Sprachgebrauch zum Beispiel
in Schmogrow: Der Begriff heißt Hoklapnica und
wird Oklapnica gesprochen. Das stumme H
an der Spitze schweigt. Das W, von den
amtlichen Oberlausitzer Sachwaltern ins Schulsorbisch
gefügt, tut es nicht. Und so schmerzen den richtig
Einheimischen die Ohren, wenn alle Welt von Woklapnica
mit stimmhaften W spricht.
H oder W - was solls? So denken viele. Aber
ist es nicht ein dramatischer Widerspruch, einerseits
das traditionelle Ereignis zu preisen und zum deutsch
regierten Vorteil zu nutzen, andererseits aber das
wendische Wort dafür gering zu schätzen?
Nur als Frage sei das formuliert, nicht als Vorwurf.
Wer als Fremder solche abendlichen Dorfdebatten und
ihr lebhaftes Rahmenprogramm erspürt, der bekommt
die Ahnung, dass hier wirklich ein Kleinod des gutnachbarlichen
Miteinanders über die Zeiten gerettet wurde.
Bis hin zur Schnapsrunde, die am Ende die Zugezogenen
auszugeben haben. Auf die wieder mal gelungene Hoklapnica.
Prost!
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j.heinrich@cga-verlag.de
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 28. Januar 2012
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in dieser Woche:
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M. Klinkmüller:
Es
geht ums Brötchen verdienen
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Unheimlich
wirkt es, als die Geschäftsführerin des
Spremberger Krankenhauses einer Büttenrednerin
gleich am Rednerpult steht. Die genaue Aufzählung
der Brote, Brötchen und Bananen, die im Krankenhaus
im Jahr 2011 verbraucht wurden, sorgt bei den Zuhörern
des Neujahrsempfangs zwar nicht für Karnevalsstimmung
- aber für eine kurze Lachsalve allemal. Dabei
ist die Geschäftsführerin alles andere als
eine Närrin. Wie es ein Büttenredner auch
tut, hat sie sich ihre Worte gut überlegt. Dass
in ihrer Krankenhausrede 3?120 Kilogramm Gurken eine
Rolle spielen, ist etwas, das die Zuhörer nicht
erwarten. Die Heiterkeit zeigt vor allem eines: das
Bild wirkt. Aber es ist keines zum Lachen. Dieses
sorgt lediglich für Aufmerksamkeit - und um die
geht es der Geschäftsführerin. Die Patienten
im Spremberger Krankenhaus sind auch Verbraucher.
Die Betriebe in der Stadt zehren davon, wenn hier
etwas verzehrt wird. Zudem ist das Krankenhaus ein
großer Arbeitgeber. Mit Broten, Brötchen
und Bananen will die Rednerin den Zuhörern nur
eines servieren: Den Gedanken, dass das Krankenhaus
für die Stadt und die Menschen in der Region
wichtig ist. Wie der Kampf um die Gesundheit haben
die Krankenhäuser Jahr für Jahr den Kampf
um das eigene Überleben aufzunehmen. Eine ungesunde
Entwicklung! Ist es nicht wichtiger, die Anzahl der
Menschen zu nennen, die im Spremberger Krankenhaus
gesund geworden sind, als die Grammzahl der verspeisten
Nahrungsmittel zu präsentieren? Ja, das ist es
und das weiß auch die Rednerin. Doch sie scheint
noch eines zu wissen: dass die Gesundung allein kein
starkes Argument für die Standortwichtigkeit
ist.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 21. Januar 2012
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich:
Beim
Namen nennen
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In
Spremberg hat ein Bürger es als eine Zumutung
bezeichnet, dass in seinem Lebenslauf stehe, er habe
sein Abitur im Erwin-Strittmatter-Gymnasium erworben.
Ihm könnten, fürchtet er, mit solcherart
belasteten Bewerbungsunterlagen Nachteile
entstehen. Er mag sich beruhigen: Die Schule trug
früher den Namen Karl Marx, und aus
den meisten Absolventen sind selbst im kapitalistischen
Deutschland erfolgreiche und anständige Menschen
geworden. Was aber die Geschichte bemerkenswert macht,
ist eine gesellschaftliche Krankheit dahinter. Immer
mehr Menschen in Ostdeutschland irren verunsichert
durch ihre eigene Biografie. Ist es noch seriös,
in einer Karl-Liebknecht-, Ernst-Thälmann- oder
gar Juri-Gagarin-Straße zu wohnen? Kommunistisch
vorbelastet?
Unsinn, meinen Sie? Frau Dr. Saskia Ludwig, die Landeschefin
der CDU, ist anderer Meinung. Sie hat jetzt die Landesregierung
mit einer 23 Punkte umfassenden Anfrage beschäftigt,
in deren Kern sie alles löschen möchte,
was in öffentlicher Beschilderung noch irgendwie
an rote Zeiten erinnert. Und einmal dabei, fragt sie
gleich noch nach den Kosten, die die Pflege russischer
Kriegsgräber verursacht. Letzteres kann im Unterton
nicht einmal christlich genannt werden. Kanzler Kohl,
der Ludwigs Partei zugehört, hat seinerzeit unmissverständlich
deutlich gemacht, dass den Gefallenen jegliche Würde
bewahrt wird.
Und die anderen Namen? Wo sie stören, dürfte
das örtlich lösbar sein. Womöglich
per Gesetz anzuweisen, wer auf Straßenschilder
und Schultüren geprägt werden darf, klingt
sehr DDR-lastig. Obwohl das auch da nicht so verbissen
gehalten wurde.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 21. Januar 2012
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in dieser Woche:
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M. Klinkmüller:
Geschichtsstunde
verpasst
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Left!,
Right!, Left!, Right!, Left! brüllt ein
britischer Soldat am Montagnachmittag. Im Takt seiner
Worte marschieren etwa 30 junge Männer in Uniform
am Spremberger Güterbahnhof vorbei. Die Soldaten
der britischen Royal Air Force gedenken so ihrer Großvätergeneration,
die im Winter 1944/45 beim Kriegsgefangenenmarsch
von Sagan nach Spremberg kamen. Sicher, es mag für
uns als junge Generation zunächst befremdlich
erscheinen, wenn britische Soldaten nach Spremberg
kommen, um hier die britische und die Flagge der Royal
Air Force am Güterbahnhof zu hissen. Doch dieser
Marsch der jungen britischen Soldaten ist keine Militärparade
- er ist eine Geschichtsstunde. Jedoch leider eine,
bei der die Schüler gefehlt haben. Etwa zwei
Dutzend Menschen schauen dem Marsch zu. Unter ihnen
keine jungen. Dabei hätten sie mit den britischen
Soldaten ins Gespräch kommen können. Sie
hätten vielleicht erfahren, wie die britische
Nachfolgegeneration über den Krieg heute denkt,
ob Groll oder Vergebung in den Köpfen herrscht.
Sie hätten aber auch viele der älteren Zuschauer
ansprechen können. So hätten sie vielleicht
die Geschichte eines Welzowers erfahren, der im Jahr
1945 im Alter von 17 Jahren noch die Blutgruppentätowierung
auf seinem linken Arm verewigt bekam, um dann in der
Schlacht um die Seelower Höhen die Hauptstadt
Berlin zu verteidigen. Vielleicht hätten sie
auch erfahren, wie er dem Tod entkam und welche Gedanken
er heute hat, wenn er junge britische Soldaten in
Spremberg marschieren sieht. Vielleicht hätte
dieser Montag die spannendste Geschichtsstunde der
Schulzeit sein können. Doch wer nicht fragt...
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 14. Januar 2012
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich:
Alle
in der Halle
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König
Fußball regiert in der Halle. Die schnellen
Turniere faszinieren Aktive und viel Publikum. Auch
andere Sportarten ziehen in diesen Wochen unters Dach.
Aber die Schatzmeister der Vereine stöhnen unter
der Last der Kosten. Die werden in diesem Jahr - nicht
nur in Cottbus - stärker als bisher aus den Kommunen
auf die Vereine umgelegt. Bedeutet das Wegfall von
Trainingszeiten und gar den Ruin mancher beliebten
Sportveranstaltung? Hinter den Bollerbanden in der
Lausitz Arena und andernorts wird jetzt heftig darüber
diskutiert.
Klar wird allen, dass Vereinssport immer seltener
für lau zu haben ist. Die Mitgliedsbeiträge
in Sportvereinen decken die Kosten der Erhaltung der
Sportanlagen, die Betriebskosten und die Ausgaben
für Fahrten, Schiedsrichter und eben Hallen längst
nicht. Von Entschädigung für die Arbeit
der Trainer und Betreuer gar nicht zu reden. Sportarten,
die gänzlich auf Hallen angewiesen sind, haben
es besonders schwer.
So lange die Kommunen über Mittel verfügten,
gab es Zuschüsse. Aber die Lage verschlechtert
sich. Begrenzt bleiben auch die Möglichkeiten
der Sponsoren, die nur helfen können, wenn ihre
Wirtschaftstätigkeit zu Gewinnen führt.
Da sich aber öffentliche Investitionen reduzieren,
engt sich dieser Spielraum ein.
Die Lösung hat, wie so oft im Leben, mit Intelligenz
zu tun. Es gilt, die wirtschaftlichen Netzwerke enger
zu flechten. Aufträge müssen in der Region
bleiben. Jeder einzelne soll Leistungen nicht mit
geilem Geiz, sondern fair am Ort beziehen.
Leben und leben lassen ist ein Grundsatz, der auch
Hallen öffnet. Und über Beiträge in
Vereinen, die keinen ausschließen, muss geredet
werden.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 07. Januar 2012
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in dieser Woche:
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M. Klinkmüller:
Kostbares
kostet auch
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Schlechtere
Umfragezahlen gibt es derzeit wohl nur für unseren
Bundespräsidenten. Nur sechs Prozent der Betriebe
im Spree-Neiße-Kreis bewerten die Sicherheitslage
mit gut. Eine Verschlechterung ihrer Sicherheitslage
bemängeln sogar 44 Prozent der Betriebe bei einer
aktuellen Umfrage der Cottbuser Handwerkskammer. Da
stellt sich eine Frage. Wo ist die Polizei? Nicht
da! Zu dieser Einschätzung kommen 65 Prozent
der befragten Betriebe im Spree-Neiße-Kreis.
Nur ein mickriges Prozent der Befragten schätzt
die Polizeipräsenz als hoch ein. Ein Prozent!
Da erreicht die FDP mit zwei Prozent (aktueller Umfragewert)
sogar ein doppelt so hohes Ergebnis. Aber das Thema
taugt nicht zum Witze machen. Die Diebstähle
in der Grenzregion führen bereits einige betroffene
Betriebe an den Rand der Existenz. Daher ist es gut,
wenn nun mit drei Hundertschaften der Bereitschaftspolizei
versucht wird, aus dem einen Prozent Polizeipräsenzgefühl
so etwas wie 100 Prozent Abschreckungspotenzial gegen
die Diebe zu machen. Ob diese sich von dem dreimonatigen
Grenzgang der Beamten beirren lassen, ist fraglich.
Wie viele Raser fahren in einen Blitzer, den zuvor
ein Radiosender angekündigt hat? Wohl nur die
Vergesslichsten oder Dreistesten. Daher wird nach
den drei Monaten wohl auch ein Rückgang der Diebstähle
präsentiert werden können. Was bleiben wird,
ist zumindest ein politisches Zeichen. Eines, das
anzeigt, dass die Landesregierung die Menschen in
der Grenzregion nicht alleine lassen will. Sicherheit
ist kostbar und Sicherheit kostet. Wer an den Beamten
vor Ort spart, überlässt den Dieben das
Feld. Das kann sich auf Dauer niemand leisten.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 31. Dezember 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich:
Des
Jahres letzte Stunde
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Unser
Nachbar ist ein Schornsteinfeger. Ja, der Beruf heißt
noch immer so. Ganz selten, wenn der Zug zu einem
Kamin zu kehren ist, steht sein Geselle tatsächlich
noch schwarz auf Dächern.
In dieser Woche begegnete mir unser Nachbar in eigentümlich
schwarzer Kleidung. Schornsteinfeger-Kleidung. Sie
kam mir anders vor, als jene, die ich in Erinnerung
hatte. Sowieso saß kein Zylinder auf dem Kopf.
Aber bitteschön. Sie war stumpf, schwarz, aus
grobem Gewebe und natürlich makellos sauber,
die Arbeitskleidung. Während ich dem schwarzen
Mann mit der linken Hand über die Schulter strich,
er dies selbstverständlich ertrug und ich Worte
der Freude formulierte, blickten mich zwei Praktikanten
aus der anderen Straßenseite etwas sonderbar
an. Der Kollege vom Schornsteinfeger erklärte
das Ritual: Es bringe Glück, den Kaminkehrer
anzufassen, zumal jetzt vor des Jahres letzter Stunde,
meinte er.
Aha. Die Praktikanten wandten sich ab und strebten
ihrer Kantine zu. Glück. Was soll von schwarzen
Jacken für Glück ausgehen? Sie hatten
letztens Fünf-Euro-Scheine gesammelt und gehofft,
mit der Nummer eines richtigen Scheines eine Million
zu verdienen. Das wäre Glück gewesen. Es
hätte fast geklappt. Drei Stellen daneben und
der falsche Serien-Buchstabe. X statt U vor den elf
Ziffern. Schade.
Das ist bedauerlich. Nein, nicht der Millionenflop
mit den Fünf-Euro-Scheinen. Der Umstand, dass
kaum noch jemand das strahlende Lachen eines Schornsteinfegers
kennt, der seinen Nachbarn Glück verheißt.
Aber wir kennen auch keine krümelnden Briketts
mehr und Presssteine schon gar nicht. Zum Glück.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 24. Dezember 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich:
Ehre,
wem Ehre gebührt
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Im
Schein der Kerzen fassen die Menschen Mut. Vielleicht,
so hoffen sie, ist alles doch gar nicht so schlimm.
Immer weniger Leute, auch hier in der Lausitz, gehen
in die Kirchen. Aber heute am Abend sind sie alle
da. Es kommen viele, und es sind weit mehr wirklich
Ratsuchende darunter, als wir uns eingestehen möchten.
Dem wortreichen Geschwätz von di Lorenzo und
Co. stellt sich heute die sparsame Wortgewalt des
Lukas entgegen. Er erzählt die Geschichte dieser
Geburt: Es begab sich aber zu der Zeit, dass
ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging....
Und dann liegt das Kind in Windeln so ärmlich
im Stroh, und es wird ihm gesungen: Ehre sei
Gott in der Höhe und Friede auf Erden.
Welch eine Geschichte! Welch ein Kontrast zu dem,
was heute mit Reichtum protzt, mit fremdem Geld gar
sich schmückt und dabei noch Ehre einfordert.
Oder ist ein Bundespräsident nicht jemand, dem
wir, zumindest zeitweilig, irdische Ehre schulden
sollten? Ihm und manch anderen, die unsere schöne,
mühsam genug gebaute Demokratie zu tragen und
zu gestalten versprachen?
Wer wäre in der Lage, deren Geschichte so zu
erzählen, dass sie schlüssig endet mit Lob
und Ehre und der Gewissheit, dass jene uns den Frieden
stiften.
Ja, Lukas, dieser Meister des zupackenden Wortes,
der hatte es leicht. Er konnte sich in der Geste des
Historikers zurücklehnen und Geschehenes aus
dem Abstand von 80 Jahren betrachten.
Unsere Schreiber von heute - sie stecken mittendrin.
Leider nicht nur im zeitlichen Verlauf, sondern wohl
auch sonst. Vielleicht gehen sie Rat suchen heute
im Schein der Kerzen.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 17. Dezember 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich:
Liberale
Krise
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Auch
hier in der Lausitz hat das bundesliberale Desaster
die Reizgrenze erreicht. Prof. Dr. Martin Neumann,
Bundestagsabgeordneter mit FDP-Mandat, gab ein ratloses
Statement an die Presse, als der Rücktritt von
Generalsekretär Lindner bekannt wurde. Was sollte
er auch schreiben? Wenn es überhaupt noch eine
liberale Stimme gab, auf die das ferne flache Land
gewillt war zu hören, dann die des 32-jährigen
sympathischen Mannes an Röslers Seite. Welche
Chancen der Parteichef nun nach gerade noch glimpflich
ausgegangener Mitgliederbefragung hat, vermag hier
wie in Berlin niemand zuverlässig zu sagen. Man
weiß ja nicht einmal, ob der ganze liberale
Wählerverein noch lange auf der politischen Landkarte
verweilt.
Zu einer Stimmensammelpartei hatte Westerwelle das
einst geachtete Zünglein an der Waage
verkommen lassen. Er wollte an die Macht, hat sie
nun - und kann nicht damit umgehen. Niemand kann es
in dieser FDP, die zwar noch funktionierende Kader,
aber keinerlei programmatische Köpfe hat. Bitter
fürs ganze deutsche Vaterland, denn die Rede
ist von einer Partei, die in Regierungsverantwortung
steht.
Was ist Liberalismus? Interessiert das überhaupt
jemanden im irritierten Führungszirkel? Und fragt
die Basis danach?
In Cottbus und Spree-Neiße gibt es einen vereinten
Kreisverband. Immerhin haben Guben (noch) und Forst
Bürgermeister mit FDP-Parteibuch. Das wussten
Sie nicht?
Kein Wunder. So ist Liberalismus an der Basis. Jeder
macht, was er will. Bisweilen finden da Einzelkämpfer
ganz sinnvoll Freiraum. Aber liegen darin Sinn und
Zweck einer Partei? Es kriselt weit in die Fläche...
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Ausgabe Forst von Sonnabend, den 17. Dezember 2011
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in dieser Woche:
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Mathias Klinkmüller:
Lohnende Blüten-Suche
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Positive
Nachrichten sind in Zeitungen selten. Meldungen wie
der Abriss von Wohnblöcken wegen Leerstands oder
steigende Gartenpachten und Bibliotheksgebühren
dominieren oftmals die Titelseiten. Sicher: in der
Rosenstadt ist nicht alles rosig. Doch eines ist auch
sicher: Wo viel Dornen sind, müssen auch irgendwo
Blüten sein. Eine Blüte ist die LION GmbH
im Gewerbegebiet. Der Gründer und Geschäftsführer,
der ein Forster ist, hat nicht die leicht zu findenden
Dornen gesucht, um dann zu sagen: Hier gibt
es keine Zukunft. Ein Gewerbegebiet, dass ein
paar Meter entfernt von der Autobahn und direkt an
Gleisen liegt, war für den Unternehmer eine Blüte
der Stadt, die er goss. Jetzt steht er vor seinem
Unternehmen, das blühend läuft. Eine gute
Nachricht und vielleicht auch eine die anspornt, nicht
den Weg in die Ferne zu suchen, sondern nach dem Ausschau
zu halten, was die Region einem bieten könnte.
Dass die Stadt nun darauf setzt, ein Logistikstandort
zu werden, ist dem Erfolg der LION GmbH und der Overseas
GmbH zu verdanken. Ohne sie wäre das Gleis, das
einst nach Weißwasser führte, demontiert
worden. Und dabei verdeutlicht dieses Gleis, was Unternehmergeist
bewirken kann: das aus einem Abstellgleis mit der
richtigen Idee ein Wirtschafts- und Jobmotor der Region
werden kann.
Vielleicht gibt es in der Stadt noch viele solcher
Zukunftsgleise, die nicht zwangsläufig aus Stahl
sein müssen. Sie zu suchen, kann sich lohnen.
Derzeit wird auch nach Tourismuskonzepten gesucht.
Wer Ideen hat: einfach wagen. Denn auch wir würden
gern eines wagen: mehr positive Nachrichten zu schreiben.
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Ausgabe Spremberg von Sonnabend, den 10. Dezember
2011 -
in dieser Woche:
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Mathias Klinkmüller:
Geteilte Zeit tickt doppelt
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Die
Moral von der Geschicht: Der eine will der andere
nicht! So lautete das Fazit eines Sketches bei der
Auszeichnungsveranstaltung der Spremberger Freiwilligen.
Ilse wollte in dem Sketch ihren Mann dazu bewegen,
sich vom Sessel zu erheben, um Freiwilligenarbeit
zu leisten. Am Ende war es Ilse, die den Kröten
über die Straße half, während ihr
Hermann im Sessel sitzen blieb. Die Kröte, das
einer will und der andere nicht, ist eine, die geschluckt
werden muss. Freiwilligenarbeit sollte nie auf einem
Ich - muss - das - tun - Engagement fußen. Wer
nicht will, der soll nicht sollen. Wohl kaum jemand
der Hilfe benötigt, möchte neben sich einen
Menschen wissen, der in der Freiwilligenarbeit nur
eine Verpflichtung sieht. An seiner Seite will doch
jeder einen Menschen haben, der ein Freund sein kann,
der einen zum Lachen bringen kann, der gerne zuhört
- kurz: einen der sich engagiert weil er will, einen
der seine Zeit für so wertvoll hält, dass
er sie mit anderen Menschen teilen möchte. Zeit
ist die Währung, die an Wert nie verlieren wird.
Sie ist begrenzt und kostbar. Nur wer Freiwilligenarbeit
nicht als Opfer von Zeit, sondern als gut genutzte
Zeit versteht, wird über Jahre hinweg sich liebevoll
um andere kümmern können. Dieses Verständnis
von Zeit zu ehren - so viel Zeit muss sein! Und wer
sich etwas Zeit nimmt, um sich ein paar Sekunden über
den Nutzen seiner Zeit Gedanken zu machen, wird vielleicht
auch auf den Gedanken kommen, dass vom Sofa nicht
zwangsläufig Abschied genommen werden muss. Nämlich
dann, wenn man im Altersheim oder wo auch immer sich
ein neues Sofa sucht, um dort einem Menschen die Einsamkeit
zu nehmen.
Sie erreichen den Autor unter m.klinkmueller@cga-verlag.de
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 10. Dezember 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen
Heinrich: Plebiszit
von oben
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In
Cottbus hat sich ein Verein Pro Lausitzer Braunkohle
gegründet. An die Öffentlichkeit trat er
mit Köpfen, die ohnehin täglich die Zeitungsspalten
schmücken: OB Szymanski, Landrat Altekrüger,
Sprembergs Bürgermeister Schulze, IHK-Hauptgeschäftsführer
Krüger, Handwerker-Präsident Dreißig.
Der Vorsitzende, Amtsgerichtsdirektor Rupieper, hält
sich im Hintergrund. Sie alle treten in diesem Verein
sozusagen neben sich. Nicht als Amtspersonen, sondern
privat sind sie im Verein. Sie wollen der Braunkohle
gegen alle Umweltkämpfer eine Befürworter-Stimme
geben. Ein Plebiszit von oben organisieren.
Ob das funktioniert? Sie, die Verantwortung tragen,
die mit dem Vertrauen von Wählern satt ausgestattet
sind, um die Wirtschaft und damit auch den Braunkohlenzug
im Rollen zu halten, suchen Öffentlichkeit. Verwechseln
die da nicht etwas? Wollen die Herren gegen sich selbst
rebellieren? Sie mit ihren Parteien und Verbänden
und Kammern haben doch das Ruder in der Hand. Warum
steuern sie denn nicht?
Plebiszite - Stuttgart hat das, trotz Niederlage,
mit viel öffentlicher Aufmerksamkeit vorgeführt
- sind Stimmerhebungen des Volkes nach altem römischen
Stil. Die Basis meldet sich zu Wort und findet kraft
ihrer Vielzahl Gehör. Wenn ein Verein Pro
Lausitzer Braunkohle solche Beachtung wünscht,
geht das kaum von oben her. In den Sesseln der Satten
herrscht Behäbigkeit, nicht die ungestüme
Leidenschaft der Straße. Wenn es anders wäre,
hätten die Pro Braunköhler bei der Barbarafeier
nicht emsig dem Wein und Canapés zugesprochen,
sondern sich an den Eingang gestellt, und gleich hier
tausend Aufnahmeanträge verteilt.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 03. Dezember 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen
Heinrich: Kein
Kleingeld
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Klotzen
statt kleckern. Das klingt so entschlossen, fast draufgängerisch.
Jedenfalls nicht feige und weich. Mit fremdem Geld
lässt sich das auch gut zum Lebensstil entwickeln,
und das Gefühl fürs lästige Kleingeld
geht verloren.
Zum Beispiel in Cottbus. Wer hier 300000 oder knapp
eine Million Euro anlegen will, hat wenig Chancen,
wahrgenommen zu werden. Das TIP-Gelände etwa
braucht Investoren, die hektarweise erschlossenes
Land kaufen und Beschäftigte kompanieweise einstellen,
um bei Kategorien zu bleiben, die auf dem Militärgelände
noch in den Kiefernwipfeln nachhallen.
Dass es solche Investoren aus England oder anderswo
nach Cottbus verschlüge, scheint wenig wahrscheinlich.
Wenn die zehn Kilometer über die Berliner Stadtgrenzen
fahren,
finden sie Flächen zu gleichen oder besseren
Konditionen, ohne sich in viel zu engen Kreisverkehren
zu verheddern und dreifach geblitzt endlich die Autobahn
zu erreichen.
Cottbus tritt, trotz nachteiliger geografischer Lage,
großmännisch auf. Schulden in dreistelliger
Millionenhöhe, trotzdem Investitionen in auch
fast dreistelliger Millionenzahl - wer soll da zurechtkommen?
Ein Wirtschaftsdezernat gibt es lange nicht mehr,
nicht einmal einen reinen Wirtschaftausschuss in der
gewählten Volksvertretung. Und in der Schule
wurde Rechnen zum Nebenfach.
Wie soll in dieser Stadt das Gefühl fürs
(eigene wie auch fürs fremde) Kleingeld wieder
erweckt werden? In zwei Jahren reduzieren sich die
Investitionen auf ein Viertel des heutigen Standes.
Vielleicht kauft das Rathaus vom Rest noch einen kleine
roten Teppich - für die eigenen, braven (Kleingeld-)Steuerzahler.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 26. November 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen
Heinrich: Lichtstrahler
fürs dunkle Museum
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In
den neuen, breiten Gehweg der Bahnhofstraße
und Ecke Breitscheidstraße werden gerade Leuchten
eingelassen, die das Gebäude des Stadtmuseums
in künftigen Nächten hell erstrahlen lassen.
Drinnen aber bleibt es dunkel. Stockdunkel.
Seit einem Jahr ist das, was Stadtmuseum hieß,
aber seit Jahren schon keins mehr war, geschlossen.
Den Zahlen nach, die in Papieren der Stadtverordneten
kursieren, soll sich das auch nicht ändern: rund
290 000 Euro Kürzung 2012, weitere Streichungen
mit Personalabbau 2013 und 2014. Rot-Rot trägt
die Geschichte der Stadt fröhlich pfeifend zu
Grabe.
In der Tat: Sorgenfalten lassen sich wegen dieser
Angelegenheit nirgends wahrnehmen. Dabei sollten die
Stirnen tief zerfurcht sein. Denn das Phänomen,
das ein großes, traditionsreiches Stadtmuseum
schließt, ohne dass ein Aufschrei durchs Volk
hallt, muss einen gesunden Demokraten in heiliger
Furcht erschauern lassen. Schreckliches dürfte
geschehen sein, wo Augen so tot sind und Herzen schweigen.
Gewiss, das Interesse am Museum ist durch Missmanagement
scheibchenweise eingeschläfert worden. Statt
Geschichte gab es neue Kunst in den Räumen; der
Heimatverein, seit über 100 Jahren gleichsam
Vater und Mutter der Sammlungen, löst sich in
individuelle Hobbyfreunde auf, die auch nicht jünger
werden.
Aber was ist mit den wirklich Verantwortlichen? Statt
politischen Willen zu entwickeln, verbarrikadieren
sich Parteien und Fraktionen hinter Zahlenschaum.
Immerhin hat ein Schelm gut 3000 Euro aufgetrieben,
um grelle Lampen am Museumssockel zu instal-lieren.
Falls dann noch Geld für Strom da ist, geht am
Ende doch jemandem ein Licht auf.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 19. November 2011
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in dieser Woche:
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Jens Haberland:
Komfort für die Tram
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Eine
Debatte um die Cottbuser Straßenbahn-Zukunft
ist wieder einmal entfacht. Die demnächst nötigen
Großinvestitionen in neue Triebwagen lassen
die FDP-Abgeordneten das Verkehrsmittel nun doch wieder
in Frage stellen. Es hagelt heftige Kritik aus den
anderen Lagern.
Aber: 50 Millionen Euro werden gebraucht für
die geliebte Tram. Geld, das der angespannte Haushalt
der Stadt gewiss nicht hergibt. Und durch Landeskassen
weht sowieso der kalte Wind. Auch von Steuer-Wundern
von Vattenfall ist bei desolater Energie-Politik in
Land und Bund nicht mehr zu träumen.
Es muss erlaubt bleiben, laut nachzudenken in diesen
Zeiten, in denen die Stadt den Gürtel enger und
enger schnallt. Doch populär ist das nicht. Die
Tram gilt für die Cottbuser als deutlich mehr,
als ein günstiges Fortbewegungsmittel, das vorweihnachtlich
auch mal quietschend historisch durch die Stadt rumpelt.
Sie ist inzwischen neben Energie das fast letzte Identifikationsobjekt.
Mit großen Erwartungen auf das neue Fahrgefühl
beobachten die im Stau stehenden Autofahrer die Gleisverlegearbeiten
in der Bahnhofstraße, sehnen sich nach der Lösung
am Bahnhof ohne gefährliche Sprints über
rotamplige Kreuzungen. Millionen investiert die Stadt
derzeit in das Gleisnetz, Ausbaupläne liegen
in der Schublade. Zu diesem Zeitpunkt über einen
Rückzug der Elektrischen nachzudenken, ist schon
gewagt. Oder doch nicht?
Wer die FDP-Bedenken abschmettert, müsste eigentlich
wissen, wo die nächsten 50 Millionen für
neue Triebwagen liegen. Oder folgen die Optimisten
der Cottbus-typischen Neuzeit-Devise: Augen zu und
durch! Mit oder ohne Gleis.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 12. November 2011
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in dieser Woche:
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Mathias Klinkmüller:
Keine Kohle ohne Kohle
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Wer
Kohle in der Stadtkasse braucht, kann nicht gegen
Kohle aus dem Bergbau sein. Das ist zwischen den Zeilen
aus der Stellungnahme der Stadt Spremberg zu lesen,
in der sich die Stadtverordneten für den Braunkohlebergbau
aussprechen. Dass die Stadt ohne diese Gewerbesteuereinnahmen
nicht mehr in die Daseinsfürsorge investieren
kann, ist ein Offenbarungseid, aber diesen so offen
auszusprechen, ist ehrlich. Gleiches Problem - andere
Stadt: Auch im Cottbuser Haushalt klafft ein Loch
durch fehlende Gewerbesteuereinnahmen. Ob die Stadt
noch Kredite für Investitionen bekommt, ist fraglich.
Daher ist es für die Politiker der Region keine
Frage, ob man für oder gegen den Braunkohletagebau
mit seinen Folgen für Landschaft und Leute ist.
Die braune und die papierne Kohle wird gebraucht.
Arbeitsplätze ebenso. Was aber auch gebraucht
wird, sind offene Ohren. Diese müssen die
Stimmen von Proschim und Grabko bis Kerkwitz und Atterwasch
hören. Das Finden einer einvernehmlichen
Lösung, nennt das der Spremberger Bürgermeister.
Doch diese Lösungssuche scheint der nach einem
Perpetuum mobile zu ähneln: gewollt und doch
unauffindbar. Leere Kassen stehen auf der einen und
die Furcht vor Enteignungen sowie dem Heimatverlust
auf der anderen Seite. Und wo bleibt das grüne
Gewissen? Im Nachbarland Polen, das Atomkraftwerke
bauen will, heißt es, dass die Menschen andere
Sorgen haben. Ein grünes Gewissen müsse
man sich leisten können.
Offensichtlich kann auch die Lausitz keine Rücksicht
auf grüne Argumente nehmen. Die Hand abzuschlagen,
die einen nährt, will in den Rathäusern
jedenfalls niemand.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 5. November 2011
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in dieser Woche:
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Jens Haberland:
Für Schulen entscheiden
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Die
Cottbuser Schullandschaft wächst. Nachdem Ende
August das Märkische Sozial- und Bildungswerk
an historischer Stelle in der Straße der Jugend
einen wunderbaren Altbau mit Grundschüler-Leben
füllte, soll nun auch die leer stehende Carl-Blechen-Grundschule
eine pädagogische Alternative bieten - diesmal
für die Abiturienten der Stadt. Viel Geld investieren
die Träger, Millionenbeträge, obwohl die
Planungen schwammig bleiben müssen. Die Landesregierung
predigt zwar die Bedeutung der Bildung, schadet diesen
Initiatoren aber mit schleichenden Entscheidungen.
Rahmenbedingungen müssen gerade für solche
langfristig angelegten Projekte berechenbar sein.
Natürlich sind die Kassen überlastet, jeder
versteht Kürzungspläne. Doch wie sollen
Lehrerstellen gesichert, Schulausstattungen angeschafft
und bauliche Maßnahmen finanziert werden, wenn
der Kurs fehlt? Wie den Atomkraftwerksbetreibern auf
Bundesebene wird auch in unserem Land den Schulträgern
eine Zitterpartie zugemutet, ein unerträgliches
Hickhack.
Für die Schüler und Eltern ist eine breite
Vielfalt der Schullandschaft ein Gewinn, für
Cottbus ist ein evangelisches Gymnasium eine Bereicherung,
ein weicher Standortvorteil, auf den auch Investoren
und Unternehmer als besorgte Mütter und Väter
achten, bevor sie hier ihre Zelte aufschlagen. Wie
weit ein guter Ruf gerade in der Gymnasiumlandschaft
reicht, zeigen die Bewerberzahlen für das Elite-Gymnasium
Max Steenbeck und die Erfolge bei Wettbewerben. Auch
bei sinkenden Schülerzahlen braucht es nicht
um leere Plätze fürchten. Es wird Zeit für
eine Entscheidung - eine für die Zukunft unserer
Schulen.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 29. Oktober 2011
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in dieser Woche:
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Frank Heinrich:
Polizei sucht die Nähe
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Die
neue Brandenburger Polizeireform nimmt in der Lausitz
Konturen an. Am Donnerstag eröffnete Innenminister
Dietmar Woidke (SPD) das neue gemeinsame Dienstgebäude
der Polizeidirektion Südbrandenburg sowie
der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße. Damit
ist Cottbus einer von vier neu geschaffenen Direktionsstandorten
im Land.
Mit neuem Dienstsitz in der Lausitzmetropole rückt
die Polizei wieder stärker zum Ort des Geschehens.
Regionale Dinge, die zuvor in Frankfurt oder Potsdam
entschieden wurden, sollen wieder vor Ort übernommen
werden. Gebündelte homogene Aufgaben im Präsidium
in Potsdam wiederum führen zu Synergien.
Allerdings sehen einige Lausitzer durch die Reform
die innere Sicherheit bedroht. Vor allem eine angestrebte
Reduzierung der Polizei um 2 000 Stellen, Standortschließungen
und eingeschränkte Öffnungszeiten stimmen
bedenklich. Zwar scheint es, als hätten die Proteste
der Spremberger, Forster und Gubener gefruchtet, ob
die Standorte jedoch langfristig gesichert sind, bleibt
offen. Degradiert als Revierstandorte, werden die
ehemaligen Wachen ab Jahresende aus Cottbus geführt
und mittelfristig nur noch stundenweise offen sein.
Darunter könnte jedoch die lokale Kompetenz der
Polizei leiden mit neuen Sicherheitslücken als
Folge.
Aktiven Schutz sollen verstärkt Streifenwagen
und Revierpolizisten leisten; an ihnen werde nicht
gespart, so der Innenminister. Spar-Plätze sollen
vor allem Verwaltung und gehobener Dienst sein.
Letztlich entscheidet das Sicherheitsempfinden der
Bürger über den Reformerfolg; Statistiken
sind nur schmückendes Beiwerk.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 22. Oktober 2011
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in dieser Woche:
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Mathias Klinkmüller:
Eine Frage der Moral
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Schalter
in den Banken schließen, Geschäfte schließen
und manchmal schließen auch ganze Gesellschaften.
Grund zur Freude sind Schließungen nie. Doch
was jetzt in Cottbus schließen soll, rüttelt
an der kulturellen Identität der Menschen. Zwei
Friedhöfe sollen ihren Frieden nicht finden und
geschlossen werden. Der Grund: 20 Friedhöfe gibt
es in Cottbus. In keiner anderen brandenburgischen
Stadt gibt es mehr. Aus dieser Erkenntnis entstand
in Cottbus der Arbeitskreis Friedhöfe, der Aktenordner
herausholte um Einsparpotenziale auszuloten. Das Ergebnis:
Auf zwei Friedhöfen werden zu wenig Menschen
beerdigt. Neun Tote jährlich in Madlow und 15
in Schmellwitz reichen nicht aus, um Trauerhallen
zu sanieren, um einen Friedhof wirtschaftlich zu betreiben.
Was für einen Finanzfachmann logisch klingen
mag, verstehen viele Angehörige nicht. Das
ist doch keine finanzielle sondern eine moralische
Frage, bringt es eine Schmellwitzerin auf den
Punkt. Und genau hier sollte die Logik des Geldes
enden - an den Türen der Friedhöfe. Die
Bestattung eines Menschen gehört zur Kultur und
sollte, wie die Menschenwürde selbst, unantastbar
auch nach dem Tode bleiben. Niemand will einen Verstorbenen
einfach irgendwie und irgendwo unter die Erde bekommen.
Die Nähe der Ruhestätte zu der Wohnung des
Angehörigen ist ebenso wichtig wie der Wunsch,
dass der Tote dort seine Ruhe findet, wo schon seine
Eltern und Großeltern ihre Ruhe gefunden haben.
Das ist etwas, das nur in der Seele des Menschen,
aber in keinem Aktenordner zu finden ist. Zur Pflege
der Friedhöfe ist bürgerschaftliches Engagement
gefragt. Hier sind beide Stadtteile quicklebendig.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 15. Oktober 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen
Heinrich: Handwerk
im Rausch
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Keine
bisherige Befindlichkeits-Umfrage im Lausitzer Handwerk
fiel so positiv aus, wie die aktuelle. Besonders das
Baugewerbe in all seinen Fachrichtungen frohlockt:
die Auftragsbücher sind bis weit in den Februar
gefüllt; jetzt müsse nur noch der Winter
mild verlaufen, dann würden die Geschäfte
richtig brummen.
Bitteschön. Das sei den fleißigen Handwerkern
auch gegönnt, denn vor allem sie sind es in unserer
strukturschwachen Region, die Arbeitsplätze schaffen
und halten, die unsere Söhne und Töchter
in spannenden Berufen ausbilden und die nicht zuletzt
auch in erstaunlicher Dichte hinter dem munteren Vereinsleben
stehen. Man schaue sich nur die Werbebanden auf den
Sportplätzen und die Trikots der Nachwuchssportler
an. Unterhalb von Fernsehquoten werden Sport, Kultur
und vielfach soziales Engagement vom Handwerk und
von kleinen und mittelständischen Unternehmen
getragen.
Allerdings gehört in den Jubel auch ein gesundes
Maß an Selbstkritik. Die Servicelust des Handwerks
hat aus Sicht der Kunden merklich nachgelassen. Es
gibt oft lange Wartezeiten, nicht immer wird Wort
gehalten und im Qualitätsmanagement gibt es große
Unterschiede von Haus zu Haus. Was der Kunde sich
wünscht, ist Vertrauen in den Begriff Handwerkerehre
- von der Friseurleistung bis zum Motor-Check, von
der Schornsteinfeger-Rechnung bis zur Mohnstollen-Zutat.
Wenn der Laden läuft, ist die beste Zeit, in
innere Sicherheit und Image nach außen zu investieren,
sagt eine Unternehmensregel. Für das Handwerk
heißt das jetzt mehr denn je, die Innungen stärken
und den Ruf der Meister festigen. Es kommen auch wieder
schwierigere Zeiten.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 8. Oktober 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen
Heinrich: Nicht
alles war schlecht
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Redewendungen
haben ihre Zeit und ihre Eigendynamik. Diese kommt
zunehmend vor, wenn Menschen von früher reden
und drucksen, wie das eine oder andere zu DDR-Zeiten
ablief. Nicht alles war schlecht, heißt es dann.
Manchmal entschuldigend, mitunter ein bisschen bockig
und immer häufiger auch gut meinend, gar aus
Mündern westlicher Redner.
Nicht alles war schlecht. Das steht als Tatsache und
braucht kein Drumherum. Viele unserer Leser haben
sich in dieser Woche an den 7. Oktober erinnert. Der
war für die älteren unter uns den größten
Teil ihres Lebens lang ein Feiertag, und viele waren
stolz auf das, was sie zusammen in diesem Land geschaffen
hatten. Das durften sie auch sein und können
sich dazu bekennen. Auch wenn das Land DDR heute in
den Regalen der Geschichte steht und das Unrecht,
das in ihm geschah, manchmal noch bitter nachwirkt.
Es war nicht alles schlecht. Das finden heute auch
Politikwissenschaftler und gesellschaftskritische
Zeitgeister. Denn der Untergang der DDR und des Ostblocks
hat Fehlstellen hinterlassen. Damals hat die Demokratie
sich hart zusammengenommen, denn es hätte doch
immerhin sein können, dass im anderen Gesellschaftsmodell
ein Wettbewerber aufsteht. Heute fehlt solch ein Korrektiv
und die Mächte treiben ihr ungehemmtes Spiel.
Die Gewinne werden privatisiert, die Verluste sozialisiert.
Die dramatischen Schuldenbeträge, die uns um
die Ohren fliegen - versucht die noch jemand zu rechtfertigen?
Nein, es gibt nur dieses System und es bleibt die
Frage am Ende der Woche des früheren und des
heutigen Feiertags, wie wir es hinkriegen, dass nicht
alles schlecht(er) wird.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 1. Oktober 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen
Heinrich: Die
smarten Millionen-Sammler
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Wir
wachsen wieder dem November und damit den Blauen
Stunden entgegen, den Filmstunden. Wenn Kinoleute
in der letzten Stadtverordnetenversammlung gesessen
hätten, wären sie sicher auf Stoff für
ein flottes Drehbuch gestoßen. So in der Stilrichtung
Olsenbande. Wer den Egon abgibt, muss
nicht näher ausgeführt werden.
Immerhin sind die Cottbuser Kämmerer nie um einen
Plan verlegen, und wenn es um die Millionen geht,
da braucht es nicht einmal Sprengsätze, um größere
Beträge in Bewegung zu bringen, als Olsen und
seine Bande in all ihren 14 Filmen zusammengenommen.
Diesmal fehlten so neun oder zehn Millionen. Mit 35
Millionen Euro Gewerbesteuern hatten die Geldplaner
gerechnet. Mindestens 9,5 werden aber fehlen, weil
Vattenfalls Gewinne durch erzwungenen Atom-ausstieg
fast ins Bodenlose stürzen.
Da hatte nun Egon seinen Plan: Keine Angst
verbreiten, niemand darf merken, was hier wirklich
läuft. In zähen Debatten in Ausschüssen
und Fraktionen war ja längst das letzte Krümelchen
aufgesaugt worden, um Sparbereitschaft nach Potsdam
zu funken und den laufenden Haushalt frei zu bekommen.
Aber nun Egon: In der Verwaltung glückte
es durch einen (legalen, versteht sich!) buchhalterischen
Trick, rund zehn Millionen aufzusammeln.
Smartes Lächeln von den Stühlen Wissender,
erleichtertes und unverfängliches Umherblicken
der Regierenden. Dann machen wir das mal. Abstimmung.
Einstimmig.
Wo - um Himmels willen - kriegen wir denn nun für
städtische Aufgaben Geld her? Ist da noch was
zu kehren? Hoffentlich hat Olsen im nächsten
Notfall wieder einen Plan!
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 24. September 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen
Heinrich: Sind
wir alle Papst?
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Jene
Schlagzeile damals hat sich eingeprägt. Ratzingers
Wahl erfuhr die deutsche Leserwelt mit den Worten:
Wir sind Papst.
Das war auch für Menschen ohne Bezug zur christlichen
Religion ein besonderes Ereignis: Ein Deutscher an
der Spitze einer Weltkirche. Und wir alle hier im
deutschen Osten hatten noch frisch abrufbar im Gefühl,
dass der Papst davor unser Leben gravierend geändert
hat. Wir hatten es gerade geschafft, eine preiswerte
Gruppenreise zum Petersdom und zu manch anderem zuvor
unerreichbaren Heiligtum zu buchen, da waren wir plötzlich
Papst.
Sind wir das nun wirklich? Ist die Popkultur, die
sich im Olympiastadion zuträgt, unser Anteil
am Papsttum? Entsprachen die Nachrichten, die vor
der Ankunft des Pontifex Maximus in Deutschland grassierten,
unsem Fühlen in der weltprägenden Angelegenheit?
Benedikt XVI. teilt mit, was keiner besser weiß:
Es gibt keine schnellen Veränderungen. Auch nicht
zum erkannten Guten hin. Es bleibt mühsam genug,
konservativ zu sein, Errungenes zu bewahren, vielleicht
gar zu entwickeln.
Der deutsche Papst im Bundestag. Ist das nicht schon
viel? Macht und Macht hören einander zu. Päpste
sind nicht für die Politik berufen und prägen
sie trotzdem. Ohne den letzten, den polnischen, wäre
die Decke aus Beton über Europa nicht aufgebrochen
worden.
Nun kommt Geschichte vor unsere Haustür. Fast
zwei Jahrtausende, angefüllt mit Fehlern, enthält
das Wort Papst. Kreuzzüge, Ablass, Segen auf
moderne Kriege. Aber auch große Frieden. Und
immer neu hoffender Glaube. Wenn wir bewahren können,
sind wir Papst.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 17. September 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen
Heinrich: In
Spremberg am Pranger
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Es
gibt Zeiten, da kann sich der Mensch in Spremberg
richtig unwohl fühlen, und die Perle
schimmert nur noch in düsterem Glanz. Räuberhauptmann
Lauermanns ungehobeltes Mittelalter wird zur Tagesmanier,
und auf dem Markt steht wie einstmals der Pranger.
Wenigstens virtuell.
Erinnerungen an das Abschlachten des einstigen Stadtwerkechefs
(der jetzt selbst im Stadtparlament sitzt)werden wach,
wenn sich in den Kaffeehäusern rund um den Markt
die Köpfe über die Schlagzeilen der lokalen
Journallie neigen. Die Lamm! Sieh mal an! Aber
die macht das doch schon so lange und war immer ganz
gut...?
Hinter völlig normale Feststellungen geraten
Fragezeichen. Eine Mitarbeiterin im Rathaus wird öffentlich
gemaßregelt. Möglich, dass sich solche
publizistischen Entgleisungen heutzutage schwer vermeiden
lassen. Aber für den Wertekanon in einer Kleinstadt
bleibt immer noch der Bürgermeister verantwortlich.
Ihm kann und sollte jeder unverblümt die Meinung
sagen dürfen, denn er ist von der Straße
gewählt und bleibt ihr Rechenschaft schuldig.
Aber eine Angestellte im Rathaus, auch wenn sie als
Amtsleiterin durch die Abgeordneten zu bestätigen
war, sollte einen Arbeitgeber haben, der sich schützend
vor sie stellt.
Denn soviel steht fest: Ob im Rathaus korrekt gerechnet
wurde oder nicht, hat am Ende sowieso der Bürgermeister
zu verantworten. Mit Presseerklärungen über
fatale Personalentscheidungen wird die Haushaltkrise
nicht zu lösen sein. Die hat bekanntlich ganz
andere Ursachen, und es wäre gut, die Mannschaft
bei unruhiger See gesund und gut motiviert an Deck
zu haben.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 10. September 2011
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in dieser Woche:
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Frank
Heinrich:
Isegrim
spaltet die Lausitzer
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Lausitzer
Nutztiere stehen immer häufiger auf dem Speiseplan
von Meister Isegrim. Galt der Wolf in unserer Region
seit 150 Jahren als ausgestorben, vergeht mittlerweile
kaum eine Woche ohne gerissene Schafe. Da Wölfe
uns Menschen eher skeptisch gegenüberstehen,
bleiben die toten Nutztiere vermutlich (vor-erst)
der gerade noch erträgliche Wolfszoll. Insgesamt
lässt die Beute jedenfalls auf eine stark gewachsene
Population schließen. Der Wolf ist wieder heimisch
in der Lausitz.
Die anhaltend emotionale Diskussion zwischen Wolfs-Befürwortern
und -Gegnern zeigt immer wieder: Auch Landwirte und
Tierhalter müssen sich erst auf den neuen Mitbewohner
und tierischen Jäger einstellen. Angepflockte
Tiere oder von Wasser und einfachen Elektrozäunen
begrenzte Weideflächen wird es künftig seltener
geben. Tierische Sicherheit bieten nur noch der heimische
Stall und Zäune, die über anderthalb Meter
hoch sind.
Was jedoch, wenn alle Nutztiere durch solche geforderten
Zäune geschützt oder wegen unwirtschaftlicher
Haltung abgeschafft wurden? Wird der Graue Geselle
dann freiwillig Hungers sterben oder sich doch an
Rotkäppchen erinnern?
Eines steht bei Befürwortern und Gegnern außer
Frage: die Art sollte geschützt werden. Trotzdem
und gerade auch deshalb gehört er ins Jagdrecht
- beides schließt sich nicht aus. Es ist nur
eine Frage der Zeit, bis verhaltensauffällige
Wölfe bejagt werden und Jäger ordnend in
die Population eingreifen müssen.
Übertriebene Wolfsliebe und Verniedlichungen
des Raubtieres sind für dessen Schutz hinderlich.
Wölfe sind keine Plüschtiere. Wilde Räuber
sind sie auch nicht.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 3. September 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen
Heinrich:
Wenns
nun kühler wird
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Da
ist er in voller Schönheit - der goldene September.
Aber wer frühmorgens schon Sinn für Landschaft
hat, sieht die Lausitzer Seen dampfen. Die Luft kühlt
empfindlich ab des nachts. Es herbstelt halt sehr.
Kühle Aussichten haben in der Politik die Energiedebatte
wieder erhitzt. Wer soll eigentlich in einem strammen
Winter, vielleicht bei stillem, trübem Frostwetter,
Wärme und Strom liefern, wenn das die Atommeiler
nicht mehr dürfen?
Kaltreserve nennen das die Fachleute.
Wind, Sonne und Bio liefern längst noch nicht
ausreichend Energie, um Atom- und Kohlekritikern gleichzeitig
Recht zu geben. Jedenfalls nicht zu bezahlbaren Preisen.
Müssen wir also Angst haben vor einem richtig
kalten Winter? Kommen die Stromsperren wieder, die
heutige Rentner noch aus ihren Kindertagen kennen?
Unmöglich ist nichts. Jedenfalls nicht vor dem
konfusen politischen Hintergrund, der auch im Land
Brandenburg eher nach April als nach September aussieht.
Platzeck hat kürzlich der CCS-Technologie eine
Absage erteilt. Er wolle nichts in die Erde verpressen,
was nicht anderswo auch da hinein gedrückt würde.
Dass diese Hochtechnologie gerade in seinem Land entwickelt
wird, schien ihm da nicht mehr wichtig zu sein. Aber
inzwischen hat sich der Landesvater mit seinem Linken
Wirtschaftsminister schon wieder ausdrücklich
für die Braunkohle ausgesprochen. Sie sei die
einzige Alternative zu Atomenergie.
Was nun? Keiner weiß, was über den Tag
hinaus gilt. Nur dass es kühler wird, das ist
sicher. Kühler zwischen Stromwirtschaft und Politik,
kühler für uns alle hier bei schon jetzt
hohen Steuerausfällen.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 27. August 2011
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in dieser Woche:
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Jens
Haberland:
Kampf um Medaille und Nachwuchs
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Am
Freitag kommen die weltbesten Feuerwehr-Sportler aus
16 Nationen nach Cottbus, um sich im Hakenleitersteigen
vor der Stadthalle, in der 4x100 Meter Stafette, im
100 Meter Hindernislauf und im Löschangriff im
Sportzentrum zu messen. Unser Team Lausitz bildet
den Kern der Deutschen Nationalmannschaft, die als
Gastgeber mit einer zweiten Mannschaft außer
Wertung starten darf. Sie anzufeuern sollte uns eine
Ehre und Verpflichtung sein. Es sind Freizeitsportler,
die sich nicht verstecken zu brauchen neben den Berufssportlern
vornehmlich aus Osteuropa. Nur Zehntelsekunden werden
sie hinter den Weltbesten zurück liegen.
Diese ehrgeizigen Sportler sind alle auch Feuerwehrkameraden,
haben selbst bei Autounfällen, Waldbränden
oder vergifteten Wohnungen Menschen gerettet. Sport
und Rettungseinsätze gehen Hand in Hand, und
so ist auch die Feuerwehrsport-WM ein Einblick in
die Leistungsfähigkeit unserer Kameraden.
Hoffentlich hilft diese beeindruckende Sportshow,
die zurecht als Familienfest gestaltet und zum Start
am Freitag ins Stadtzentrum geholt wurde, mehr Kinder
und Jugendliche für die so wichtige Rettungsbereitschaft
zu begeistern. Merzdorf geht schon einen Schritt weiter
und bringt den Gartenzwergen Grundlagen
spielerisch bei. Zurecht ist Branddirektor Bernd Brodowski
erstaunt über die prompten Antworten der Fünfjährigen
auf die Frage nach der Notrufnummer. 112 schallt es
im Chor.
Die Sport-Kameraden kämpfen ab Freitag. Nicht
nur um den Sieg auf den Bahnen, sondern um Nachwuchs,
damit es nicht zum Pflicht-Feuerwehrdienst kommen
muss.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 20. August 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen
Heinrich:
Zur Demo am Montag
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Am
Montag wird es eine Demonstration ganz ungewöhnlicher
Art in Cottbus geben. Nicht um soziale Unsicherheit
benachteiligter Arbeitnehmer oder gefährdete
Jobs geht es da, erst recht nicht um freiheitliche
Grundrechte, Reisefreiheit oder den zornigen Wunsch,
Funktionäre in die Produktion zu schicken. Das
Recht ihren Willen in öffentlicher Versammlung
zu demonstrieren, nehmen sich diesmal wohl vorwiegend
begüterte Cottbuser, deren Pflicht es natürlich
ist, ihren Besitzstand gegen Unbill zu schützen.
Und vielleicht gesellen sich weitere Bürger hinzu,
die in der schon Monate währenden Diskussion
um die Altanschließer-Beiträge
zu der Erkenntnis gekommen sind, dass hier in den
Geldkreislauf recht stümperhaft und zu fast jedermanns
Nachteil eingegriffen wird. Politisch entschieden
wurde, den Eigentümern in die Taschen zu fassen,
um...- Ja, um was zu tun? Genau das ist schwammig,
unsicher, teils verwegen. Aber: Millionen Euro, die
Arbeit sichern könnten, sind erst einmal weg.
Auf irgendwelchen Konten (zu wessen Nutzen?) deponiert.
Eine wirklich ungewöhnliche Demonstration unter
Rathausfenstern.
Allerdings bleibt es, unabhängig von der Botschaft
und dem Ergebnis der Willensbekundung, instinktlos,
die Veranstaltung Montagsdemo zu nennen.
Das ist und bleibt für die, die an der historischen
Wende des deutschen Geschicks beteiligt waren, ein
belegter Begriff. Und so sollte es bleiben.
Jene Montagsdemos haben bewirkt, dass im Rechtsstaat
frei gestritten werden kann. Jedenfalls solange das
Geld reicht. Im Zweifel ist Nachdruck auch per Demo
möglich: am Montag, am Dienstag - immer.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 13. August 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen
Heinrich:
Vorsicht, Dauer-Baustelle
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Das
öffentliche Bauen gerät im Dickicht von
Landes-, Kreis-, Verbands- und Kommunalzuständigkeiten
zum Dauerchaos. Was Straßenanlieger längst
zu erstaunlicher Leidensfähigkeit gezwungen hat
- man schaue nur auf das skandalöse Schleppen
der Baustelle in Sielow - trägt sich nun auch
an Wasserwegen zu. Gravierend leidet der überschwemmte
Spreewald unter landeshoheitlicher Planlosigkeit.
Der Wasserstand und starke Strömung haben den
Kahnbetrieb vielfach zum Erliegen gebracht. Die Tourismusbranche,
die von Mai bis September boomen sollte, muss Einbrüche
hinnehmen. Grund ist nicht etwa reichlicher Regen,
sondern die verantwortungslos geführte Schönwetter-Baustelle
am Spremberger Stausee, die sich dreist über
Jahre hinzieht. Zuständige Experten brüsten
sich gar als Hochwasser-Verhinderer. Es berührt
sie nicht in ihrer öffentlich besoldeten Sicherheit,
dass Unternehmen des Feriengeschäfts am Dauerbauplatz
Stausee längst das Handtuch geworfen haben und
im Burger Raum die Verluste täglich wachsen.
Logisch wäre es, überschüssiges Wasser
durch den Nordumfluter um Burg herum zu leiten. Doch
zu gleicher Zeit (!) wie in Bräsinchen werden
zwei Wehre bei Neu Zauche gebaut. Das heißt,
über Befindlichkeiten der Zivilisation dazwischen
wurde gar nicht erst nachgedacht.
Offenbar haben Spreewaldhoteliers, Kahnvermieter und
Handwerker keine Lobby. Handwerkskammer, IHK, und
Unternehmerverbände müssten längst
Sturm laufen bei Politik und Verwaltung. Denn die
schädigen durch planloses Bauen nicht nur einzelne
kleine Geschäfte, sondern das Image der ganzen
Region. Und zwar heftig - zu Lande und zu Wasser.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 6. August 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen
Heinrich:
Weiße Zunft ohne Wettbewerb
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In
der Gesundheit können Gebete manchmal helfen;
nach Menschenermessen erreicht wird sie aber nur mit
Geld. Viel Geld, weil sich in der Wissenschaft die
Erkenntnisse jagen. Die medizinischen Wunder werden
Alltag. Glück spendender teurer Alltag. Kleine
Krankenhäuser ohne spektakuläre Technik
und hoch spezialisierte Fachärzte bleiben auf
der Strecke. Erwischt es jetzt in dieser Kausalität
Forst?
Nein, nicht zwingend. Wenn es zu einem - wie auch
immer gestalteten - Anschluss des Forster Krankenhauses
an das CTK kommen sollte, liegt das allein an Entscheidungen
des Landes. Dort wird im Krankenhausplan festgelegt,
wer welche Leistungen bringen darf, wer nicht. Die
peinliche Gängelei des Krankenhauses Spremberg,
die korrigiert werden musste, hat der Öffentlichkeit
den Mechanismus vorgeführt.
Klar ist, dass wegen der hohen Kosten der Ausstattungen
die Häuser möglichst eng zusammenarbeiten
müssen. Darüber hinaus ist intelligente
Disposition gefragt. Forst wie Spremberg können
als Grundversorger nur funktionieren, wenn sie auch
lukrative Fachgebiete besetzen dürfen. Hier eine
präzise Spezialisierung voranzutreiben und eben
Patienten in bestimmten Disziplinen auch nach Forst
oder Spremberg zu verlegen, dürfte möglich
sein. Ebenso, wie es für einen mittvierziger
Cottbuser Oberarzt interessant sein könnte, bei
passenden Rahmenbedingungen als Chefarzt nach Forst
zu gehen, statt ein Leben lang hier Zweiter zu bleiben.
Was den Patienten bei Fortbestand dreier selbständiger
Häuser zugute käme, wäre ein Rest von
Wettbewerb. Wer mal drin lag, weiß: Der schadet
der Weißen Zunft gewiss nicht.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 30. Juli 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen
Heinrich:
In Schulden verstrickt
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Die
Welt ist verrückt: Da rackern sich Leute ab,
zahlen jede kleine Rechnung pünktlich und große
erst recht, um die drei Prozent Skonto zu ziehen,
haben es in echt schwäbischem Stolz zum Häuschen
oder gar zur Selbstständigkeit gebracht, und
nun stehen sie unversehens vor einer schroffen Schuldenklippe.
150 000 Euro muss ein Cottbuser Unternehmer als Altanschließer-Beitrag
berappen! Die hatte ich nie und nirgends auf
dem Schirm, sagt er. Und er muss zugleich hinnehmen,
dass Kunden reihenweise Aufträge zurückziehen.
Einmütiger Grund: Altanschließer-Beiträge
in fünfstelliger Höhe blockieren ihr Geschäft.
Ein schlimmes Beispiel, wie dilletantische Landes-
und Kommunalpolitik auf die Kuh drischt, die sie doch
melken möchte und muss. Überdimensionierte
Wasser- und Abwasseranlagen, in die 20 Jahre lang
froh und ohne jede Bürgerbeteiligung investiert
wurde, müssen jetzt nachträglich bezahlt
werden. Die Politik hat das in ein Gesetz gefasst,
das nicht einmal ausschließt, dass zu diesem
Beitrag irgendwann noch ein Nachschlag gefordert werden
kann.
Der Staat wird immer kassieren; das ist sein Privileg.
Der freie Bürger darf sich, wenn er genügend
Geld hat, dagegen wehren - bei sehr geringer Aussicht
auf Erfolg. Er könnte aber auch rechtzeitig darauf
achten, wem er die Staatsgeschäfte anvertraut.
Die sogenannte Politikverdrossenheit bescherte uns
Wahlen bei Minimalbeteiligung. Am Ende sitzen dann
natürlich nicht die Kompetentesten an den Hebeln.
Die teure Altanschließer-Zeche könnte jetzt
manchem die Augen öffnen.Spätestens dann,
wenn in ihrer Folge die Mieten steigen und sich -
wen würdes wundern? - trotzdem die Wasserkosten
erhöhen.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 23. Juli 2011
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in dieser Woche:
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Jens
Haberland:
Kein Datenklau mit ELENA
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Nach
anderthalb Jahren haben nun auch die Datenfreunde
im Wirtschafts- und Arbeitsministerium der Bundesregierung
eingesehen, dass ihr Datenrausch zu weit ging. ELENA
wird abgeblasen. Unsere Unternehmen, insbesondere
die Buchhalter, werden jubeln. Nur die gesetzliche
Formalität für das Aus fehlt noch. Hinter
dem wohlklingenden Namen ELENA verbirgt sich ein Software-Monster,
dass alle Arbeitnehmer zu gläsernen Datenlieferanten
macht. Allein seit dem Start der Datenübermittlung
am 1. Januar 2010 dürften in der ZSS, wie Buchhalter
sagen, der Zentralen Speicherstelle, Terrabytes an
zumeist überflüssigen Angaben eingetrudelt
sein. Was geht unsere Bundesregierung an, aus welchem
Grund ich einen Job gekündigt habe? Wer will
wissen, welche Summen ich für meine Rente auf
die hohe Kante lege?
Dilettantisch wie viele vorangegangenen Ideen unserer
Regierung ist auch die ELENA-Einführung vorbereitet
worden. Bis jetzt ist der Versuch der verschlüsselten
Datenübertragung mit Signatur gescheitert. Das
heißt im Umkehrschluss, dass die bereits gesammelten
Daten für Hacker leichte Beute sein dürften.
Die anfangs vermittelte Grundidee, die digitale Welt
für weniger Bürokratie zu nutzen, wurde
schändlich missbraucht. Statt der seit 2006 funktionierenden
direkten Datenübermittlung an die Krankenkassen
zu folgen und den bisherigen Papierkrieg digital zu
vereinfachen, wurden die Buchhalter - oft in Nachtarbeit
für Unternehmer kleiner Betriebe - monatlich
an den Computer gefesselt.
Hoffentlich haben unsere Datensammler in Berlin die
Lektion gelernt und stülpen uns nun nicht HELENA
oder LENA über.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 16. Juli 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen
Heinrich:
Auf den Hund gekommen
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Cottbus
ist eine hunde-, aber nicht immer menschenfreundliche
Stadt. Das findet jedenfalls die Frau, die am 7. Juli,
einem milden Donnerstagmorgen, um den Ströbitzer
Badesee radelte. In der völlig menschenleeren
Landschaft - hier ist selbst jetzt in den Ferien morgens
am herrlich sauberen See keine Seele anzutreffen -
trottet der Hund unangeleint hinter ihr her. Das tun
Hund und Frauchen oft hier, und nur manchmal begegnen
sich entspannt Spaziergänger mit anderen Hunden.
Die Menschen schwatzen, die Tiere tollen, auf dem
Wasser ziehen still Enten ihre Kreise.
An diesem Morgen entsteigen einem städtischen
Dienstfahrzeug drei (!) Herren (Namen hier bekannt),
stürzen dem groben Verstoß gegen §
5. (3) i.V. m. § 8, Anlage Nr. 13 Stadtordnung
Cottbus vom 22.11.2007 entgegen. Keine Ahnung,
was die Abkürzungen bedeuten, aber Hunde gehören,
das kommt heraus, in dieser Stadt auch in weitester
Abgeschiedenheit an die Leine.
Nicht, dass die Herren das der Frau freundlich mitteilten
und sie ermahnten - sie stellen Personalien fest,
belehren förmlich, eröffnen ein Bußgeldverfahren
(Aktenzeichen 505.32.100149.6), schreiben den Vorgang
ausführlich nieder, verschicken mehrere Seiten
Papier, drohen die Ahndung tatmehrheitlicher
Verstöße an, natürlich nicht
ohne vorher Gelegenheit zu schriftlicher Stellungnahme
zu geben...
Im Rathaus arbeiten ganz klar zu viele Leute. Wann
wird Oberbürgermeister Szymanski diesem bürgerschädlichen
Treiben endlich ein Ende setzen und seine Mannschaft
effektiv auf Dienstleistungen einstellen? Spürt
er nicht, dass die Stadt auf den Hund zu kommen droht?
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 9. Juli 2011
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in dieser Woche:
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Frank
Heinrich: Rot-rotes
CCS-Dilemma
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Mit
dem Gesetz zur Kohlendioxid-Abscheidung und Speicherung
(CCS-Technologie) schuf der Bundestag Donnerstag Voraussetzungen
für eine Erprobung der CO2-freien
Kohleverstromung. Der Baustart des Demonstrationskraftwerkes
in Jänschwalde läge greifbar nahe. Mit einer
zeitlichen Befristung, Volumenbegrenzungen bei CO2-Speichern
und lokalem Vetorecht der Länder schafft das
Gesetz für die Erprobungszeit einen Ausgleich
zwischen CCS-Befürwortern und Gegnern.
Brandenburg hingegen steht vor einem rot-roten Dilemma.
Bis zuletzt hatte die mitregierende Linke versucht,
die Technologie zu verbieten. Was auf Bundesebene
nicht gelang, könnte sie nun im Land versuchen.
Das wäre das Aus des Jänschwalder Demo-Kraftwerkes
und damit der Erforschung der CCS-Technologie in Deutschland.
Auch der Fingerzeig auf die Bundesregierung oder andere
Länder, die CCS-Lagerstätten verbieten werden,
ist unangebracht. Es ist ein durchsichtiger Versuch,
den eigenen Rückzug aus der Erprobung der Technologie
argumentativ abzusichern. Niemand weiß heute,
wie zukunftsträchtig die CCS-Technologie ist.
Die Risiken scheinen jedoch kalkulierbar und überschaubar.
Geringere Wirkungsgrade bei der Kohleverstromung sowie
mögliche Kohlendioxid-Entweichung und geologische
Veränderungen stehen der Chance gegenüber,
die Umwelt vom CO2-Ausstoß
zu entlasten. Damit bliebe Braunkohle bezahlbarer
und sicherer Energielieferant und es wären tausende
Arbeitsplätze sicher. Ein CCS-Verbot hingegen
bedeutet keinen zwingenden Stopp künftiger Tagebaue.
Vielmehr steht der Technologie- und Forschungsstandort
auf dem Spiel.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 2. Juli 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen
Heinrich:
Frieden schaffen ohne Waffen
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In
der vom Säbelrasseln und Waffenklirren erschütterten
deutschen Geschichte war der 1. Juli 2011, also der
gestrige Freitag, ein historischer Tag. Kaum zu glauben,
dass er in seiner sonnigen Kühle so leise dahin
glitt. Gab es doch Wichtiges - Gutes und Peinliches
- zum Thema zu sagen. Aber der Landtag und die Medien
waren ausreichend damit beschäftigt, die handstreichartige
Übernahme der Ostmedien durch Westverlage gebührend
zu feiern. Galt es doch, die Brut aus dem Roten
Kloster zu vertreiben und durch den Geist der
Yellow Press zu ersetzen. Das war das Gegenteil vom
Frieden schaffen ohne Waffen. Es hat die
Gesellschaft zerbrochen, die Mauer durch Gräben
ersetzt.
Jene Vision von Frieden ohne Waffen war eine der Säulen
der friedlichen Revolution. Den Wehrpflichtigen des
Ostens ist das Bild vom Klassenfeind eingeschärft,
dem Eingezogenen der Bundeswehr der Briefwechsel mit
seinem Cottbuser Freund verboten worden. Schluss mit
allem seit gestern vor 20 Jahren. Da ist in Prag der
Warschauer Pakt zu Grabe getragen worden. Schluss
mit Zwang zum Militär ganz und gar seit gestern:
Ab 1. Juli 2011 gibt es in Deutschland keine Wehrpflicht
mehr.
Wer Frieden schaffen will ohne Waffen, ist erleichtert.
Doch wir wissen: Deutschland steht im Krieg, jeden
Tag kann es Gefallene geben.
Auch ohne Pflicht unterhält Deutschland ein teures
Heer. Die Frage sei erlaubt: Wo hat es seine Standorte?
Cottbus und Spremberg waren immer Garnisonsstädte.
Garnison heißt Wirtschaft, Konjunktur. Ist die
Bundeswehr in diesem Sinne ausgewogen im Bund verteilt?
Auch wir brauchen diese Heeresimmobilien und die gut
bezahlten Arbeitsplätze hier. Fordert das eigentlich
jemand ein?
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 25. Juni 2011
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in dieser Woche:
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Jens Haberland: Faszinierend
bedrohliche Nähe
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An
diesem Wochenende wird am Gut Geisendorf bei Neupetershain
das Sommerfest gefeiert. Kurz zuvor war der Chef der
Vattenfall Europe AG, Tuomo Hatakka, auf StipPvisite
an diesem besonderen Ort, wo der zerstörerische
Tagebau und menschliche Baukunst voller Kultur und
Leben so nah aneinander geraten, wie an keinem anderen
Platz. Bedrohlich und faszinierend nahe zugleich!
Nur eine extrem stabile Mauer verhindert ein Abrutschen
des Gutes in die staubige Tiefe der Kohlegrube.
Genau an diesem Ort erneuerte der Energie-Manager
aus Finnland das Festhalten des Konzerns an der Kohlenutzung
für mindestens zwei weitere Generationen. Es
bleibt der Solar- und Windstrom-Generation gar nichts
anderes übrig, als auf diese stabile Energieproduktion
zum Ausgleich der extremen Schwankungen zu setzen.
Auf Böen und Flauten, Wolken oder helle Sonne
ist schlecht Verlass. Betreiber der Stromnetze müssen
inzwischen so stark wie nie zuvor regulierend eingreifen
und auch immer öfter Photovoltaik- und Windanlagen
abschalten, um die Netze nicht bersten zu lassen.
Der Strom fließt immer mehr in die entgegengesetzte,
die belastende Richtung. Es ist eine der größten
technischen und logistischen Herausforderungen der
nächsten 15 Jahre, die notwendigen Investitionen
in Stromnetze zu stemmen. Alle Energieunternehmen,
egal welcher Größe, müssen das zusammen
leisten, prophezeit Tuomo Hatakka.
Anstrengungen waren diese Woche in Klein Gaglow zu
sehen, als ein 400-Tonnen-Kran eine Schaltanlage an
ihren Platz hievte. Es ist der Anfang einer faszinierend
bedrohlichen Nähe entlang der Kohlegrube in unbekanntes
Land neuer Energien.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 18. Juni 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich: Die
fünfte Fakultät?
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Vor
allem für tausende beteiligte Studenten war diese
reichhaltige Festwoche der Brandenburgischen Technischen
Universität ein tolles Ereignis. Klar: Hier ankert
zwischen den Tankern TU Berlin und Dresden
in finanziell noch flachem Fahrwasser eine kleine
und feine Universität. So jedenfalls resümierte
Hinrich Enderlein, der zuständiger Wissenschaftsminister
in Brandenburg war, als alle zum Stapellauf bereit
standen. Nein, Gründungsrektor Günter Spur
gab es zunächst noch nicht. Die hiesigen Profs
Schlüßler und Wagenbreth hatten das Konzept
erarbeitet und so weit geführt, dass bereits
am 15. Mai 1991 mit dem Brandenburgischen Hochschulgesetz
die Technische Universität Cottbus beschlossen
werden konnte. Dann erst kamen, zum Glück, Prof.
Dr.-Ing. Dr. h.c. mult. Dr. Ing. E.h. Günter
Spur und andere und setzten die Masten zur großen
Fahrt.
Schlüßler und Wagenbreth fehlten während
der Festveranstaltung in der ersten Reihe, so wie
in denen weiter hinten die Studenten und Sympathisanten
der Uni. Vielleicht hat beides kausal damit zu tun,
dass dieser rein technischen Schule eben immer noch
die fünfte Fakultät fehlt, die geisteswissenschaftliche.
Die würde dann auch in Geschichte, Politik und
Kultur tiefer schürfen und entdecken, was auch
die östliche Welt im Innersten zusammenhält.
Prof. Zimmerli, der sich noch zwei präsidiale
Jahre zubilligt, hat gelobt, diese fünfte Fakultät
zu schaffen, ehe er zurück in die Schweiz düst.
Dann sollte er zum ersten echten Protokoll-Jubiläum,
dem 25., in der ersten Reihe eines überfüllten
Audimax sitzen dürfen, neben den Wegbereitern
und den Gründern der Uni. Und hoch geehrt. Das
sei ihm dann gegönnt.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 11. Juni 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich: Wirrwarr
oder wahr?
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Präsident
Barack Obama, dessen Sympathievorschuss schon merklich
schrumpft, hat unsere Kanzlerin hoch dekoriert und
Frau Merkel in der Laudatio Bewunderung zugesäuselt.
Ihr Erfolgsweg sei umso erstaunlicher, da sie doch
in Ostdeutschland aufgewachsen sei, wo die Menschen
nicht einmal die Möglichkeit hatten, Fremdsprachen
zu lernen.
Man muss solchen Unsinn nicht vertiefen und könnte
es bei dem Bedauern schlechter Zuarbeit belassen.
Aber mit der zeitlichen Distanz zum verblichenen Land
unserer Jugend nehmen die Verwirrungen zu.
Gunther von Hagens (Dr. Tod) wettert zum
Beispiel in einem Papier an seiner Gubener Körperwelten-Schau
über (in der Tat) spießige Sehzensur.
Dass die neue Bildungsminis-terin Besuche der Ausstellung
im Unterricht verbiete, sei ein Nachklingen
ehemals diktatorisch regierter DDR-Mentalität.
Ein völlig wirrer Befund. Die Ministerin kommt
nicht aus der diktatorischen DDR, und falls der Anatom
damals eine solche Ausstellung angeboten hätte,
wären ihm rote Teppiche aufgerollt worden. Denn
die DDR war arm, aber nicht verklemmt. Das begreifen
unterdessen sogar Schulpolitiker.
Erfrischend dagegen der aktuelle studentische Umgang
mit Relikten, die tatsächlich zur schwächsten
DDR-Leistung zählen. Mauerteile stehen als Denkmal
in Cottbus. Nicht, um mit dem Schrecken zu kokettieren,
sondern um wissenschaftliche Auseinandersetzung mit
Geschichte zu dokumentieren. Das hat Pfiff und birgt
die Chance, Gesprächsstoff zu stiften. Über
Sinn und Unsinn von Mauern, über ihre Beschaffenheiten
und über ihre Ästhetik. Warum nicht? Wahr
oder Wirrwarr - da gibts irgendwo Grenzen. Ohne
Mauern.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 4. Juni 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich: Die
Bilder laufen wieder
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Damals,
1911, als Cottbus seinem schönen Theater (Baujahr
1908) auch noch ein Kino im Jugendstil hinzufügte,
lernten die Bilder gerade erst laufen. Seit der Welt-Kino-Premiere
im Berliner Wintergarten waren gerade einmal 16 Jahre
vergangen.
Kino wurde in Cottbus und auch anderenorts schon vor
1910 vor allem in umgerüsteten Gasthäusern
gespielt. Aber ein richtiges Filmtheater mit Bühne,
Parkett und Rang! Nein, das gab es vielleicht in New
York, Paris oder später in Berlin. Niemals jedoch
in der Provinz.
Es mögen Zufälle mitgespielt haben, dass
dieses Weltspiegel-Theater überdauerte,
selbst als nach 1990 die kleinen Häuser reihenweise
den Großkinos mit mehreren Sälen und Popcorn-Pipelines
geopfert wurden.
In Cottbus brach ein filmreifer Kinokrieg aus: Die
Stadt etablierte ihr inzwischen erfolgreiches Osteuropa-Filmfestival
und klagte zeitgleich gegen den Bau eines Kinos auf
grüner Wiese. Inzwischen ist das eingemeindet,
und alte Wunschträume nach einem Neubau mit 750
Plätzen in vier Sälen an der Franz-Mehring-Straße
sind geplatzt.
Es kam besser: Unternehmerischer Mut erweckte ein
Kleinod und gibt ihm wieder Visionen. Cottbus kann
damit DIE Kinostadt der Lausitz werden, zumindest
was den Spielort mitten in der Stadt betrifft. Unter
der gewölbten Decke aus kupferbraunen Kassetten
finden Illusionen Platz. Der Kinosaal lässt sich
mit wenigen Handgriffen zum Tanz- oder Konferenzparkett
verwandeln. Zum Glück gibts noch den Platz
der Tappeure, der Klavierspieler, die einst Stummfilme
beklimperten, und eine Bühne, die Talkrunden
oder Konzerte zulässt. Cottbus darf sich freuen
auf seinen alten neuen Weltspiegel...
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 28. Mai 2011
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in dieser Woche:
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Jens Haberland: Himmelfahrt
für die Familie
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Die
Vorfreude auf Donnerstag ist schon jetzt an Stammtischen
spürbar; überall werden Tourenpläne
abgesprochen, Freunde angerufen. Wir feiern Christi
Himmelfahrt! Sicher wieder mit reichlich Alkoholkonsum
während und zwischen den zu erradelnden Stationen.
Diese Stationen - die vielen gemütlichen Gasthäuser
vor allem auf dem Lande - haben sich darauf eingestellt
und laden mit vollen Fässern, Deftigem vom Grill,
Plinsen und Livemusik. Ja, wir feiern Himmelfahrt
zurecht auch ein wenig ausschweifend. Es ist kein
Ergebnis von Wendezeiten, nein, schon im vierten Jahrhundert
endeten die Bitttage mit mehr Wein als Weihwasser,
mit Gesang und Wettkämpfen. So dankten früher
die Menschen für den Eintritt Christi in die
göttliche Herrlichkeit und feierten gleichzeitig
das Ende der Bittprozession für eine gute Ernte.
Heute denkt wohl nur eine Minderheit an Jesus
Auferstehen oder beendet gar eine Bittprozession.
Dafür wandelt sich der Festtag, der nicht unbegründet
als Vatertag das Pendant zum Muttertag bildet, zum
Familien-Ausflugstag. Eine wunderbare Entwicklung,
die das Familienleben wieder mehr in den Vordergrund
rückt. Es kann gar nicht genügend Tage im
Jahr geben, an denen Eltern mit ihren Kindern ins
Grüne fahren, auf saftigen Wiesen picknicken
und gemeinsam alte und neue Spiele spielen. Das dürfte
auch ganz im Sinne Jesu sein. Zu oft bleibt vielen
Eltern zu wenig Zeit für ihre Sprösslinge.
Da kommt doch Himmelfahrt genau richtig! Und dass
dabei der Blick ins Glas gezügelt wird, ist ein
ebenso erfreulicher Nebeneffekt. Also, rauf auf die
Räder und hinein ins Grüne! Wie unsere Vorfahren,
die in die Flur ritten, wenn es auch nur die
Männer waren.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 21. Mai 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich: Offene
Türen überall
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Der
Mai ist gekommen, die Türen gehen auf... Abgewandelt
von Emanuel Geibels alter Burschenlust
lässt sich so nun schon traditionell frohlocken.
Ob die Landesinitiative der zum Schnuppern geöffneten
Unternehmen oder auch die vielen anderen lokalen Offerten
- es fällt ganz besonders an diesem Wochende
schwer, sich unter den vielen Angeboten für nur
einige zu entscheiden.
Wer sich Gäste einlädt, verknüpft meist
auch eine Absicht damit. Wenigstens die, dem Eingeladenen
näher zu kommen, ihn möglicherweise zu seinen
Freunden zu zählen oder über gemeinsam Interessierendes
ins Gespräch zu kommen. Unhöflich wäre
es, ihn zu locken, um ihm etwas aufzuschwatzen.
Genau so verhält es sich mit dem Tag der offenen
Unternehmen und den offenen Schulen, Kulturstätten
oder Vereinshäusern. Wir können davon ausgehen,
dass uns niemand Rheumadecken andrehen oder einen
Stromvertrag unterjubeln will.
Die Absicht liegt ganz nachvollziehbar darin, Verständnis
und Interesse zu wecken für unternehmerisches
Tun. Weil das dem gutnachbarschaftlichen Klima nützt
und weil dabei erklärbar wird, was sonst mit
vielen Texten, Faltblättern, Anzeigen und Spots
eben nur andeutbar bleibt: So tickt unsere Firma,
das leisten wir, das haben wir geleistet, darauf sind
wir stolz. Und, ausgesprochen oder nicht, klingt dann
immer mit: Wer zu uns passt, den nehmen wir gerne
auf in unseren Bund.
Es muss ja nicht immer gleich burschenschaftlich enden
wie bei Geibel, der sein Lied genau vor 170 Jahren
verfasste und in Strophe vier singt: Und abends im
Städtelein, Da kehr ich durstig ein...
Aber warum eigentlich auch nicht?
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 14. Mai 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich:
Saunaklatsch mit Hinz und Kunz(e)
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Saunen
eignen sich nicht nur zum Schwitzen, sondern manchmal
auch zum Schwatzen. Hinz und Kunz treffen sich und
legen mit den Klamotten manchen Dünkel ab.
Aktuelle Wetter-Abkühlung könnte dieser
Tage den Saunaklatsch wieder etwas erhitzen, speziell
jenen, der sich um die Lagune rankt, für die
sich ja Hinz und Kunz (also jedermann) interessiert
und Kunze (genauer: Dr. Torsten Kunze) auch noch zuständig
ist.
Der will, heißt es, den Job abgeben, was unter
saunierenden Insidern als gutes Zeichen gilt. Denn
Kunze ist weniger als Saunierer, umso mehr als Sanierer
bekannt geworden. Nach der GWC hat er die Stadtwerke
durch die Krisen geschleppt; beide Läden stehen
heute blendend da.
Für die Lagune ist der Chefposten gerade ausgeschrieben.
Der GWC-Geschäftsführer kann die Z-Stelle
(alte Bezeichnung für Zweit- oder Nebenjob) nicht
auf Dauer halten.
Nein, Verdi-Chef Ralf Franke hat sich nicht dafür
beworben. Das ist eine überhitzte Fehldeutung
im dritten Saunagang. Er setzt sich, heißt es,
für rechtschaffene Bezahlung der Mitarbeiter
ein. Die Gehälter-Höhen, die für die
Lagune genannt werden, bringen manche Servicemaus
der Region erregt ins Schwitzen.
Die neue Idee, die Lagune kopflos zu führen und
durch das eingesparte Chef-Gehalt den betriebswirtschaftlichen
Erfolg nebst fetten Mitarbeiterlöhnen zu sichern,
ist mehr als schweißtreibend. Zum Glück
scheint aber auch in Saunen nichts so heiß inhaliert
zu werden wie es aufgegossen wird. Alles nur Schwitz-Geschwätz
von Hinz und Kunz. Die Hallenbad-Lagune steht draußen
an der Sielower Straße besser da als ihr Ruf.
Gehen Sie einfach mal rein.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 7. Mai 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich: Mitternachts-Einkauf
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Na
dann: Machen wir uns einen schönen Samstag und
schauen mal, was die Geschäfte so für den
Urlaubskoffer bieten. Schuhe sind mal wieder fällig,
eine leichte Jacke vielleicht und auf jeden Fall ein
Picknickkoffer für die Pausen auf der langen
Fahrt nach Süden.
Mitternachts-Shopping - das lässt sich in weniger
fetzigem Deutsch auch als nächtliches Einkaufen
umschreiben - macht richtig Sinn. Früher war
das große Neueinkleiden um Pfingsten üblich.
Da sind heutzutage die aktuellen Modelle der Saison
längst im Schlussverkauf - also auf Ramsch reduziert.
Und statt grad noch so samstags um die Mittagszeit
im Herrenausstatter von Hose zu Hose zu springen,
lässt sich der Einkauf zur Nacht hin durchaus
gemütlich gestalten. Daheim fällt zunächst
einmal das Abendbrot aus. Da findet sich in der Innenstadt
ganz gewiss etwas Geeignetes. Vom Grill oder aus der
Salatschüssel. Es kann, aber muss nicht der Altmarkt
sein - die Stadt ist voller schöner Lokale mit
lauschigen Plätzchen.
Ach ja: Es wird auch Kultur geboten. Und Geselligkeit
nach geglückter persönlicher Neuausstattung
sowieso. Was manchen wirklich stört, sind am
Ende des Einkaufs die prallen Plastiktüten. Wer
im Auto gekommen ist, bringt das Zeugs schnell zum
Parkhaus. Und wer klug genug war, mit Cottbusverkehr
anzureisen und sich auf zwei Viertelchen guten Chardonnay
gefreut hat?
Ja, was tun Cottbuser Mitternachts-Shopper (heißt
das Wort so?) eigentlich mit ihrem Gepäck, wo
die Bahnhofsschließfächer doch so weit
sind? Ich würde einfach die Verkäuferin
im letzten Laden fragen: Kann ich das mal bis Montag
unterstellen? Schönen Samstag also.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 30. April 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich: Als
gestohlen zählt...
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Baum
des Lebens wird er mancherorts genannt. Ich
erinnere mich gern an den ersten Maibaum, den ich
als Kind auf dem Markt meiner sächsischen Kleinstadt
erklomm. Der Kranz da oben hing voller Bockwürste,
und wer es hinauf schaffte, durfte sich eine pflücken.
Damals waren Bockwürste üblicherweise nur
auf Lebensmittelkarten zu haben und im HO-Preis fast
nicht bezahlbar. Für uns Kinder, jedenfalls für
die klettergewandten, war der Maibaum ein Ereignis
des Glücks und Vergnügens. Nicht nur wegen
der Würste; satt zu essen hatten wir schon alle.
Aber der Stolz, die schaukelnde Trophäe erreicht
zu haben, machte den
1. Mai zum Festtag.
Heute klettert niemand mehr den Stamm hinauf. Wer
weiß, obs die Bengels noch könnten.
Aber die Begeisterung rund um den Maibaum ist geblieben.
Schön, dass in den Stadtteilen und Dörfern
solche geselligen Anlässe eine starke Lobby haben.
Meist von der Jugend organisiert, unterstützen
Vereine und Unternehmen gern die Prozedur, und am
Abend treffen sich alle zum Umtrunk, zum Palawern
und mancherorts auch zum Tanz.
Aber was, wenn der Maibaum geklaut wurde? Weithin
verbreitet und erst in jüngerer Zeit auch hier
üblich ist die Geschicklichkeitsprobe, den vorbereiteten
Maibaum zu entführen. Aber Achtung: Hierfür
gibt es Regeln: Als ehrenwert gestohlen zählt
nur ein Baum, der ohne Gewalt (gegen Baum wie Menschen)
und unbemerkt über die Ortsgrenze gebracht wird.
Wo das gelingt, muss er ausgelöst werden und
wird dann mit Hallo und manchmal sogar mit Musik zurück
getragen.
Der Spaß dabei ist ähnlich wie der in unseren
einstigen Kletterzeiten.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 23. April 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich: Ist
Cottbus schon Einkaufsstadt?
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Die
Frage, ob Cottbus wirklich schon die Einkaufsstadt
ist, die sie ihrer Lage nach sein sollte, stellt sich
immer dann, wenn an manchem grauen Wochentag der Frühjahrswind
ein paar zerknäulte Servietten vom Fastfood am
Turm Richtung Altmarkt bläst. Kein Mensch fängt
sie auf. Weil gar keiner da ist.
Nein, Einkaufsstadt sieht anders aus. Bei trübem
oder auch bei freundlicherem Wetter. Die Cottbuser
Mitte hat noch längst nicht ihr wahres Potential
entfaltet. Daran wird auch ein Einkaufsführer
in einer Auflage von 20 000 Exemplaren nichts ändern.
Denn: Wem will man die 20 000 Hefte geben? Und noch
viel wichtiger: Wem nicht?
Die groß - und, bezogen auf Glanzpapier, auch
teuer - klingende Zahl ist ein lauer Hauch im stürmischen
Wettbewerb der Handelsplätze. Allein die real,-,
Marktkauf- oder EDEKA-Märkte verteilen Woche
für Woche in der Region je 100 000-fach ihre
Blätter. Nicht ihre Adressen und Telefonnummern,
sondern ihre lockenden Angebote. Fünf Millionen
Prospekte pro Markt und Jahr!
Was sollen 20 000 Einkaufsführer bewirken außer
gegenseitigem Schulterklopfen der Macher? Einkäufer
lenken sie kaum in die Geschäfte.
Obgleich sie natürlich besser sind als gar keine
Botschaft. Die Altstadt mit ihrem Verein verfertigte
mutig 350 000 Flyer, von denen einmal gut 100 000
verteilt wurden. Für mehr Werbung reicht das
Budget eines Vereins weniger Händler nicht. Den
großen Häusern war gleich ungeheuerlich,
dass die Kleinen überhaupt über die Stadtmauer
lugten, und es grummelte aus Arbeitsgruppen böse
bis ins Rathaus hinein. So bleibt halt nur der Wind
in der Sprem und die Frage: Ist Cottbus schon Einkaufsstadt?
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 16. April 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich: Kein
Risiko, nur Gemeinwohl
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Das
rote Ländchen Brandenburg bastelt wieder ein
bisschen am Rückwärtsgang. Die Ökonomie
des Sozialismus war doch nicht so schlecht. Gibts
noch Lehrbücher davon?
Diese Woche lief die Debatte zu einem Gesetzesentwurf
über die Stärkung der kommunalen Daseinsvorsorge
an. Dafür könnte in den alten Schwarten
manches Argument zu finden sein. Die Linken hausieren
lautstark damit. Sie wollen viel Wirtschaft verstaatlichen,
um den Kommunen die Möglichkeit zu lassen,
die Arbeits- und Lebensbedingungen zu gestalten.
Kommt uns das bekannt vor? Wir waren alle gleich gebrechlich
- das Ergebnis gleichmachender Daseinsfürsorge.
Starke Kommunen - das ist in Ordnung. Die kommunale
Selbstverwaltung gehört zu den zurückgewonnenen
Errungenschaften. Die aktuelle Kommunalverfassung
schützt sehr richtig die Räume der Wirtschaft.
Ist eine Leistung bei gleicher Qualität und gleichen
Kosten privat machbar, bleibt die Kommune außen
vor. Das zum Beispiel will das jetzt diskutierte Gesetz
ändern. Und es will die Gemeinden agieren lassen
ohne Genehmigungen von Kommunalaufsichten. Jegliche
Art von Nebengeschäften sollen kommunale Unternehmen
treiben dürfen. Das ist Kommunismus pur. Denn
selbstverständlich soll kein kommunal Besoldeter
dem privaten Risiko vergleichbar gestellt sein. Denn
er handelt ja stets fürs Gemeinwohl. Der Gute.
Gehts schief, erholt er sich mit höchster
Abfindung vom Stress. Das kennen wir von den Stadtwerken.
Und kommunale Ü30 Partys, wie in Cottbus, sind
Brandenburgs Zukunft. Anzeigenblätter machen
die Gemeinden auch längst selbst. Ganz brave
kleine Zentralorgane.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 9. April 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich: Auf
Rosen gebettet
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Noch
berauscht uns nicht der Duft der Königin der
Blumen, aber der Lenz streicht durch alle Gärten,
auch den der Rosen in Forst. Und mit erwachender Natur
setzt sich jetzt für die ganze Region das Thema
Rose in völlig neuer Qualität in Szene.
Mehrere weitblickende Termine trugen sich dieser Tage
schon zu, die den Ostdeutschen Rosengarten zum Lausitzer
Popularitäts-Motor werden lassen. Der Garten
an der Neiße, seit letztem Herbst im Parkverbund
mit Muskau, Cottbus-Branitz und Brody/Pförten
vernetzt, feiert in zwei Jahren sein 100-jähriges
Jubiläum. Um daraus viel mehr als einen duftenden
Festtagsstrauß zu binden, haben die Forster
sehr tief Luft geholt und Deutschlands Gartenwelt
ins Bewusstsein gerückt, dass die Wiedervereinigung
auch zu einem einigen Rosenland zurückgeführt
hat. 75 Jahre lang gab es keine deutsche Rosenschau
mehr. Forst, die endlich wieder wirklich blühende
Stadt der Rosen, wird im Jahr 2013 wieder eine ausrichten.
Auf 17 Hektar Park und Ausstellungsfläche werden
sich die Züchter mit ihren Schönheiten wie
einst dem Vergleich stellen.
Längst kam dieses erwachte Forst in Fachkreisen
in aller Munde, und selbst die Hamburger internationale
Gartenschau igs 2013 legt Wert darauf, mit Forst auf
Augenhöhe zu kommen. Geschäftsführer
Heiner Baumgart und Forsts Bürgermeister Jürgen
Goldschmidt haben am Rande der ITB im März eine
entsprechende Vereinbarung geschlossen. An der Neiße
sammelt sich unterdessen ein Sponsorenpool um die
Sparkasse Spree-Neiße. Hier geht es, das ahnt
die Lausitz längst, summa summarum um mehr als
Blüten: Forst hat eine moderne Wirtschaftsförderung
auf Rosen gebettet.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 2. April 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich: Brücken
in Zeiten der Vernunft
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Die
Nachrichten aus Japan haben die Welt erschüttert
und tun es weiterhin. Deutsche Wahlergebnisse machten
letztes Wochenende deutlich: Wir können nicht
weitermachen wie bisher. Wir könnten es technisch
wohl, aber es entspricht nicht dem Willen der Menschen,
aus deren Besorgnissen akute Ängste geworden
sind.
Von Brücken ist nun häufiger die Rede. Brücken
von unendlicher Spannweite, die aus Atomstrom ins
regenerative Energiezeitalter führen. Weite,
fast nicht überschaubare Brücken sind das.
Vielleicht auch nur verbale Alibi-Bauwerke, die am
Ende gar nicht tragfähig wären?
Wir hier in der Lausitz kennen das Ringen um unschädliche
Verstromung der Braunkohle. Die Versuchskraftwerke
in Schwarze Pumpe und Jänschwalde haben schon
viel Forschungspotential verschlungen. Doch die Akzeptanz
des Weges wird von Monat zu Monat geringer, weil der
Protest der Menschen nicht nur die Schädigung
der Atmosphäre meint, sondern auch das leichtfertige
Aufbrauchen der fossilen Ressourcen. Die die Kohle
durch den Schornstein jagen, scheinen im Gefecht der
Argumente im Rückzug begriffen. Warum?
Unterdessen tickt eine Uhr der Hoffnung. Wer sich
auf die Forster Stadtwerke-Seite googelt, findet dort
im frühlingshaften Lindgrün einen Zähler,
der die CO2-Einsparung anzeigt,
der durch den Austausch von Erdgas mit Bio-Methan
für die Rosengarten-Wärme entsteht. Nur
ein kleiner Teil der Forster Energie, aber ein erträglicher.
Die Rosenstadt will mit intelligenten Stromzählern
und anderen Aktivitäten bis 2030 klimaneutral
sein. Ist das an der Neiße die Brücke in
Zeiten der Vernunft?
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 26. März 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich: Die
komische Alte
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Das
Cottbuser Stadtgrün, wie auch das in Spremberg,
Forst und Guben, hats schwer. Wir schrieben
über das hohe Alter der Bäume, die enormen
Kosten ihrer Pflege, die schier utopischen Summen
für Neupflanzungen. 1 000 Euro pro Baum! Und
wir erwähnten, dass es viele Möglichkeiten
für unsere Mitbürger gibt, dem Stadtgrün
zu helfen.
Klarer Fall, sagen unsere Leser, machen wir. Die Ideen,
Initiativen und Aktionen sind zahlreich - vom Förderverein
Fürst Pückler in Branitz e.V.
über die fleißigen Experten aus Kleingartensparten,
die über ihre Zäune hinaus wirken, bis zu
einzelnen Helden prächtiger Vorgärten.
Einen langen Brief schrieb uns Grit Prigand aus Cottbus-Sandow.
Der Artikel über den Zustand der Cottbuser
Bäume sprach mir aus dem Herzen, schreibt
sie und schildert, wie sie erst eine Kastanie und
später eine Linde vor ihrem Haus in Obhut nahm,
die jungen Stämmchen vor Rasenparkern schützte,
Blütenzwiebeln steckte und sich über querlatschende
Zeitungszusteller ärgerte, immer wieder durch
die Kerzen der Kastanie, den Duft der Linde, den Schatten
der Kronen und die Farbenfreude der Blumen, die sich
retten konnten, belohnt wurde. Ihre Sonnenblumen schnitten
nächtliche Räuber ab, aber der Efeu, der
verletzten Stämmen Schatten gibt, blieb erhalten.
Ich dachte all die Jahre, ich würde Nachahmer
finden, schreibt die 75jährige. Aber sie
werde belächelt und gelegentlich mit Ausdrücken
bedacht. Naja, findet die Sandowerin,
es muss eben ein paar komische Alte geben.
Da hat sie wohl recht, die Frau. Wenn es auch noch
ein paar komische Junge dazu gäbe,
würden wir uns alle miteinander besser fühlen.
Vielleicht fangen wir mal an damit...
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 19. März 2011
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in dieser Woche:
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Frank Heinrich: Energie-Politik
am Scheideweg
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Stündlich
überschlagen sich die Horrormeldungen aus Japan
und sorgen auch bei den Lausitzern für Bestürzung.
Nach dem Beben und Tsunami mit tausenden Toten, folgte
ein atomares Desaster.
Ungläubig kommentieren deutsche Medien das besonnene
Verhalten der Japaner; die Bundesregierung will hektisch
Atomkraftwerke abschalten und die Opposition hat endlich
ihr Wahlkampfthema gefunden.
Dabei würde allen etwas mehr Fassung und eine
ernstgemeinte Diskussion über eine zukünftige
Energiestrategie gut tun.
Neben Wahlkampfgetöse bringt eine Haltung in
der Bevölkerung gegen Atomenergie, Kohle, Kohlendioxid-Verpressung
(CO2), Windräder, Biogasanlagen
und neue Stromleitungen für erneuerbare Energien
niemanden weiter. Sie gefährdet den Industriestandort
Deutschland und damit unseren Wohlstand.
Auch kann aktuell unser Energiehunger nicht durch
erneuerbare Energien gestillt werden. Neben ihrem
Ausbau könnte so die Lausitzer Kohle eine Renaissance
erleben; mit rund 40 Prozent trägt Braunkohle
zur Strom- und Wärme-Erzeugung bei.
Für die Kohlezukunft muss jedoch die vergleichsweise
risikoarme CO2-Verpressung gesetzlich
klar geregelt werden. Danach sieht es derzeit nicht
aus. Die Bundesregierung will die Entscheidung den
Ländern überlassen, womit die Zukunft Lausitzer
Kohle zum Rot-Roten Spielball der Landespolitik würde
und viele potentielle Lagerstätten in anderen
Bundesländern ungenutzt blieben.
Notfalls muss sich jedoch die Landesregierung auf
einen Alleingang einstellen und zumindest für
einen Übergangszeitraum zum Vorreiter für
die CCS-Technologie werden.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 12. März 2011
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in dieser Woche:
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Frank Heinrich: Operation
politisch missglückt
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In
Spremberg eskaliert ein Streit zwischen Krankenhaus
und Kassen. Ein keineswegs nur dort beklagtes Dilemma.
Einige Versicherer wollen hier solide Hüftgelenk-Operationen
aus dem Jahr 2010 nicht vergüten. Damit droht
der Klinik die finanzielle Schieflage. Mittwoch demonstrierten
über 1 000 Spremberger ihre Sympathie mit dem
Krankenhaus.
Während sich der Volkszorn gegen die Kassen richtet,
fühlen die sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.
Das ist nicht ganz unbegründet. Setzen sie doch
lediglich die Vorgaben der landesherrlichen Krankenhausplanung
um.
Nachdem die Regierung also den Ärger verursacht
hat, feuert sie nun die Streithähne noch wechselseitig
an. Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) stellte
sich in Spremberg gar auf die Seite der Demonstranten.
Gewiss: Die Idee einer Krankenhausplanung mit der
angestrebten Erhaltung eines qualitativ hochwertigen
medizinischen Angebotes in allen Regionen ist ehrenwert.
Auch wird niemand in Abrede stellen, dass es Aufgabe
einer Regierung ist, eine flächendeckende Grundversorgung,
insbesondere eine medizinische Notfallversorgung,
sicher zu stellen. Spätestens hier sollten die
politischen Eingriffe in die (Gesundheits-)Wirtschaft
jedoch enden. Auch kleinere Krankenhäuser messen
sich in Augenheilkunde, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde,
Gynäkologie oder Geburtshilfe und Orthopädie.
Nur so bleiben sie kostendeckend und ihre Mediziner
auf der Höhe des Fachs.
Darum muss es letztlich gehen: Hervorragende Ärzte,
dürfen nicht durch Landesfehlplanung aus der
Provinz getrieben werden. Das wird eine mißlungene
politische Operation.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 3. März 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich: Geprägt
vom 8. März
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Wir
haben das Ampelmännchen und den grünen Pfeil,
und wir haben auch den 8. März. Wir, die Ostdeutschen,
haben natürlich auch noch viel mehr in die wachsende
Einheit eingebracht. Aber jetzt zum Märzanfang
ist es die Rolle der Frau, über die wieder mal
geredet wird.
Männer oder Frauen - wir hier in der Lausitz
sind gleichermaßen geprägt von diesem 8.-März-Gedanken.
Gleichberechtigung ist das Schlagwort, und wir erinnern
uns nicht nur an Blumen in Staniol und lange Schlagen
an den Blumenläden, sondern auch an Frauenförderung,
Frauensonderstudium, Chefinnen in den Produktionsabteilungen.
Auch viele, viele Kinder gehören ins Erinnerungsbild
und Kindereinrichtungen, die ab 6 Uhr offen und erst
am späten Abend wieder zu waren. Die Mütter
keulten vollbeschäftigt, kaum seltener als heute
alleinerziehend und irgendwie immer auch unterwegs,
den Einkauf, der damals Besorgen hieß,
zu meistern.
Nicht alles war gut in dieser Ost-Gleichberechtigung,
und doch hat sie ein Zusammenleben geprägt, in
dem das Bild vom Heimchen am Herd nur
aus dem Westfernsehen bekannt war. Immer wieder fabulieren
an heutigen Männer-Wirtschaftsstammtischen West-Manager
mit Erstaunen über die tollen Ingeneurinnen
und kompetenten Fachfrauen aus den Ostbetrieben. Die
haben zudem alle auch Kinder großgezogen.
An klugen, gut ausgebildeten Frauen mangelts
auch in den nachgereiften Jahrgängen nicht. Allerdings
sind Kinder von Akademikerinnen oder Führungsfrauen
eine Rarität. Da ist irgendetwas ganz gründlich
schief gelaufen. Auch deshalb bleiben Frauenwochen
so wichtig. Wenns sein muss, auch um den 8.
März.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 26. Februar 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich: Die
Doktor-Bagatelle
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Um
es vorweg zu nehmen: In seriösen Lokalredaktionen
sind ein, zwei aus anderen Blättern abgeschriebene
Artikelchen ausreichender Kündigungsgrund. Ohne
wenn und aber. Das hat es - leider - auch bei uns
schon gegeben. Die Diplom- und anderen Abschlüsse
unserer Mitarbeiter sind hingegen solide Eigenleistungen.
Nicht mit summa cum laude, also höchstem Lob,
bedacht, aber doch gut bis sehr gut und inhaltlich
durchweg nützlich für die jeweiligen Berufsrichtungen.
Da wurde nicht für Titel gebüffelt und geforscht,
sondern für den Erkenntnisgewinn.
Aus welchen Gründen und mit welchen Methoden
manche Politiker heutzutage büffeln oder büffeln
lassen, kam mit Karl Theodor zu Guttenbergs peinlichem
Doktor-Plagiat in die Schlagzeilen. Große Verwunderung
gab es nicht, denn Politikern unterstellt das gaffende
Volk allzu gern Schaumschlägerei. Zu Recht, hat
der Verteidigungsminister unterstrichen und sich dafür
noch einer Bundestagsdebatte unterzogen, die noch
lächerlicher war, als seine schülerhafte
Verfehlung vor den Bayreuther Doktorvätern.
Der Deutsche Michel schöpft seinen Moralbegriff
längst aus dem Comedy-Bildungsfernsehen und hat
jede Scham verloren. Der blaublütige Star aller
Talk-Fenster jongliert sich mit seiner Doktor-Bagatelle
in Hitlisten des BILD-Publikums weit nach oben. Keine
leise Ahnung quält ihn, dass derartig eitel-kriminelle
Gier nach Reputation unter ehrwürdigen Akademikern
einem Kapitalverbrechen gleichkommt. Und, wie gesagt,
in Lokalredaktionen genügen weniger geklaute
Worte für den Rausschmiss. Bundesministern droht
solche Schmach nicht. Ihre Show geht schlüpfrig
weiter. Beifall!!!
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 19. Februar 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich: Narren
an die Macht
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In
zwei Wochen regnets wieder Konfetti auf Cottbus,
und die Schlager der Narren lassen die Fensterscheiben
klirren. Nicht jeder bricht in Jubel aus, aber die
meisten schon.
Immerhin: Es rollt schon der 20. Zug der Fröhlichen
Leute durch die Stadt. Zwischen bescheidenen Anfängen
in der Berliner Straße bis zur Oberkirche mit
Tribüne auf dem Altmarkt und dem heutigen größten
Umzug Ostdeutschlands mit Live-Übertragung im
Fernsehen liegen Welten.
Nur Welten? - Nein, mehr noch. Es kommt eine Zeit
unglaublicher Begeisterung und leidenschaftlichen
ehrenamtlichen Engagements auf das Konto der Lausitzer
Karnevalisten. Denn was da als große Show an
einem Sonntagnachmittag vor Rosenmontag abläuft,
ist nur die ausgelassene Festparade dessen, was inzwischen
ein gutes Stück hiesiger Lebenskultur genannt
werden darf.
Um die 50 Karnevalsvereine tummeln sich im Süden
Brandenburgs und im sächsischen Grenzland. Sie
alle organisieren sich außerhalb der Tollen
Tage in einem inhaltsreichen Gemeinschaftleben, das
lange Strecken des ernsthaften Mühens kennt.
Welcher Fleiß, welcher Ehrgeiz gehören
dazu, bis die Tanzmäuschen und die Tanzmarie,
bis das krachblöde Männerballett und bis
die Rede in mancher Bütt eingeübt sind!
Und welcher Eifer (vom Geld ganz zu schweigen) muss
walten, um Jahr für Jahr originellere Festwagen
auf die Piste zu schicken!
Die Karnevalisten in ihren grellbunten Gewändern
sind rechtschaffende Leute und manche treffen wir
schlipsfromm an hoher Stelle wieder. Lassen wir sie
getrost auch dort walten, wo Witz und viel Energie
ebenso hilfreich sind wie in närrischen Hofstaaten:
an der zivilen Macht.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 12. Februar 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich: Peinlich:
Geschäft mit der Trauer
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Da
sind sie wieder, diese Tage, in denen Dresden und
Cottbus sich nahe sind, nahe in Schmerz, Trauer und
Erschütterung.
Vor 66 Jahren fiel Sachsens Glanz im Feuersturm, drei
Tage später, am 15. Februar 1945, hatten die
Bomber Cottbus zum Ziel. Zweitausend Menschen, vielleicht
auch mehr, die meisten bis heute namenlos gebliebene
Flüchtlinge auf dem Durchzug, kamen ums Leben.
Und das war erst der Anfang vom Ende, das bis April
1945 im Donnerhall der Geschütze und in blutigen
Straßenschlachten Forst, Spremberg, Guben und
erneut auch Cottbus in Trümmer legte. Tausende
Menschen, Deutsche, Russen, Kirgisen, Polen und Soldaten
anderer Nationen, starben in sinnlosen Kämpfen
und tränkten den Sand der Lausitz mit Blut. Zuletzt
vor allem auf dem Weg nach Halbe, wohin die Panik
Mann und Maus in allerletzter Kopflosigkeit hetzte.
Welch eine Tragödie! Wir stehen still, empfinden
Mitgefühl und trauern.
Der 15. Februar, kommender Dienstag, ist ein Tag,
der dem Gedenken gehört. Seit Jahren hat sich
das Glockenläuten und das Totengedenken eingebürgert.
Die sie überlebten, diese Schreckenstage, sind
alt geworden. Für sie gehen die jüngeren
hin zu den Kreuzen, Gedenksteinen und unvergessenen
Trümmerplätzen und legen die Blumen nieder.
Politische Geschäfte zu machen mit solchen Tagen
gehört sich nicht.
Trampelnde Märsche passen nicht in die Szene,
weder solche von den Neubraunen noch die von den schrillen
Antifas. Wer immer seine Stimme gegen Krieg oder Terror
erheben will, mag das tun. Die Opfer der verheerenden
letzten Wochen des räuberischen deutschen Krieges
aber eignen sich nicht zur Umschuldung.
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Ausgabe Cottbus von Sonnabend, dem 5. Februar 2011
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in dieser Woche:
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Jürgen Heinrich: Berlin,
Berlin, dein Geld, auf
das
wir lauern...
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Berlin,
Berlin, dein Herz kennt keine Mauern sangen
John F. und die Gropiuslerchen auch den Cottbusern
aus der Seele. Immer hat der Puls der Lausitz ein
bisschen mit Berlin geschlagen. Spreewald-Ammen aus
Schmellwitz und Saspow stillten einst großbürgerliche
Kinder, halbstarke Nachkriegsjahrgänge fuhren
nach Kreuzberg ins Kino, und sicher kam manch Berliner
zum Wochenendausflug bis JotWeDe (janz weit draußen)
nach Cottbus.
Berlin, Berlin, dein Geld ists, worauf
wir lauern, trällert im Gedenken an solche
fast S-Bahn-Nähe jetzt das Stadtmarketing. Kein
schlechter Titel: Fünfeinhalb Millionen Berliner
auf der Suche nach mittelstädtischer Cottbus-Idylle...
Nur: Dafür müsste sich die Stadt zu eben
solchem Profil bekennen. Mit einem Welttheater und
Erstliga-Fußball anzugeben, reicht keinesfalls;
das haben die kultur- und sportverwöhnten Hauptstädter
selber.
Bevor Werbegeld an BVB-Fenster geklebt wird, sollte
klar sein, was das bewirken könnte. Mit hundert
oder zweihunderttausend ist da sowieso nichts gemacht.
Die versickern in der werbeverrückten Metropole
wie Regentröpfchen im heißen märkischen
Sommersand.
Was aber ließe Berliner zum Paletot greifen,
um hinter den Spreewald nach Cottbus zu fahren, womöglich
gar mit demnächst flotter Bahn?
Richtig: mittelstädtische Idylle, eine kuschelgute
Einkaufs-Altstadt, Szene mit Hoftheatern, Kaffeehäusern,
Kutschbetrieb, oller Straßenbahn, spreewaldoriginalem
Gemüsemarkt - alles preiswerter und schöner
als am Kudamm und unterm Brandenburger Tor.
Ja: Sparen wir all diese Vorzüge nicht gerade
weg? - Berlin, Berlin, was sind wir zu bedauern...
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