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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 4. Februar 2012 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Ganz einfach kreisfrei

Jürgen HeinrichViermal im Jahr tagt der Kreistag. Es ist für Journalisten mühsam, darüber spannend zu berichten. Weil: Eigentlich passiert dort nichts. Jedenfalls nichts, was sowieso anderswo (Verwaltungsdinge meist per EU-Gesetz) schon entschieden ist oder entschieden werden könnte. Auch die Kreisverwaltung, ein schmucker Bau am ruinösen Stadtrand von Forst, scheint entbehrlich. Jedenfalls finden das einige Leute, die über sinnhaftes Sparen nachdenken. Die Lausitz-Liberalen wollen daraus nun ein Thema ihres Kreisparteitages machen: Ganz einfach kreisfrei sollte unser Land sein. Geht das?
Vielleicht stellt sich mal jemand an den Eingang des Kreishauses und fragt die wenigen Besucher, was sie da hinführt. Für einen ersten Eindruck wäre das ganz aufschlussreich. Und in so einem Landratskalender - was steht da drin? Landesväterliches vor allem: Menschen ermuntern, Grundsteine legen, Richtfeste feiern, Vereine unterstützen, manchmal das letzte Wort haben, wenn sich Ortsräte zanken.
Macht all das Kreisgrenzen unentbehrlich? Muss eine Autoanmeldung im Zeitalter moderner Medien noch regional stattfinden? Ist es wichtig, wem eine Straße - mit oder ohne Schlagloch - gehört? Die total kreisfreien Denker sind der Ansicht, hier habe sich vieles im Selbstzweck zu Gewohnheit manifestiert. Und man stelle sich vor, das Land gründe in den nächsten zehn Jahren andere, größere Kreise, die dann wieder neue Verwaltungspaläste errichten und ihr Personal in unbarmherzige Kompetenzschlachten jagen...
Haben die Lausitz-Liberalen, die dem Vernehmen nach doch nicht in einer Peitzer Telefonzelle tagen, womöglich DIE hilfreiche Idee?

Sie erreichen den Autor unter j.heinrich@cga-verlag.de

  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 4. Februar 2012 - in dieser Woche:

  M. Klinkmüller: (K)ein hoch auf die Erhebung

Mathias KlinkmüllerEin Podest ist eine Plattform, die dazu dient, eine Person gegenüber seiner Umgebung zu erheben. Dieser Satz steht im Internet-Lexikon Wikipedia, wenn dort das Stichwort Podest eingegeben wird. Und das Wort Podest wiederum ist derzeit aus aller Munde in Spremberg zu hören. Hier soll eine Person zwar hochleben, weil sie 100. Geburtstag hat, aber erhoben werden soll sie nicht - zumindest nicht auf ein Podest. Das ist das, worüber sich alle Fraktionen in der Stadt einig sind. Oder doch nicht? So streifenfrei klar, dass auch dem Außenstehenden Betrachter ein Durchblick gelingt, ist die Podestdiskussion nicht. Da gibt es etwa die eine Seite, die Strittmatter, so heißt die Podest-Person, vom Podest stoßen will und es gibt eine andere Seite, die ihn erst gar nicht auf diesen heben will. Offen bleibt also, ob sich Strittmatter bereits auf einem Podest befindet. Diese Frage stellt sich für die dritte Seite erst gar nicht. Sie spricht sich dafür aus, Strittmatter im Sommer podestlos zu erheben. Diese Seite verweigert sich einer Podest-Debatte indem sie sagt, dass es bei der Geburtstagsfeier gar nicht um Podeste gehe. Doch zurück zu Seite eins und zwei, also jene die Strittmatter vom Podest schubsen oder erst gar nicht hinauf lassen wollen. Diese Seiten machen das, was Politiker machen müssen: Kompromisse finden. So schlagen sie vor, sich an den Kosten für das Aufstellen eines Podestes zu beteiligen. Bedingung: Andere müssen den Schriftsteller hinaufheben. Übrigens: In der Architektur heißt das Podest Podium. Und auf diesem stehend, sollen in Zukunft Wissenschaftler und andere Experten diskutierend für Durchblick sorgen. So wird auf jeden Fall jemand erhoben.

Sie erreichen den Autor unter m.klinkmueller@cga-verlag.de

  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 28. Januar 2012 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Hoklapnica ohne Weh

Jürgen HeinrichIm wendischen Umland nordwestlich von Cottbus und auch in einigen eingemeindeten Stadtteilen ist das alte Jahr „abgeklopft“ worden. Ein bemerkenswerter Brauch, der schon 100 Jahre oder länger gepflegt wird. Während sich in den Städten zu kommunalen Themen nur mühsam Auditorien finden, füllen sich die Dorfsäle zur Hoklapnica stets bis auf den letzten Stuhl.
Allerdings: Zum Ärger der immer seltener werdenden muttersprachlichen Wenden steht auf Anschlagzetteln und auch danach in den lokalen Nachrichten meist „Woklapnica“. Das „W“ vorn dran tut den Wenden weh, denn, so lehrt es der reine Sprachgebrauch zum Beispiel in Schmogrow: Der Begriff heißt Hoklapnica und wird ‘Oklapnica gesprochen. Das stumme „H“ an der Spitze schweigt. Das „W“, von den amtlichen Oberlausitzer Sachwaltern ins Schulsorbisch gefügt, tut es nicht. Und so schmerzen den richtig Einheimischen die Ohren, wenn alle Welt von Woklapnica mit stimmhaften „W“ spricht.
H oder W - was soll’s? So denken viele. Aber ist es nicht ein dramatischer Widerspruch, einerseits das traditionelle Ereignis zu preisen und zum deutsch regierten Vorteil zu nutzen, andererseits aber das wendische Wort dafür gering zu schätzen? Nur als Frage sei das formuliert, nicht als Vorwurf.
Wer als Fremder solche abendlichen Dorfdebatten und ihr lebhaftes Rahmenprogramm erspürt, der bekommt die Ahnung, dass hier wirklich ein Kleinod des gutnachbarlichen Miteinanders über die Zeiten gerettet wurde. Bis hin zur Schnapsrunde, die am Ende die Zugezogenen auszugeben haben. Auf die wieder mal gelungene Hoklapnica. Prost!

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 28. Januar 2012 - in dieser Woche:

  M. Klinkmüller: Es geht um’s Brötchen verdienen

Mathias KlinkmüllerUnheimlich wirkt es, als die Geschäftsführerin des Spremberger Krankenhauses einer Büttenrednerin gleich am Rednerpult steht. Die genaue Aufzählung der Brote, Brötchen und Bananen, die im Krankenhaus im Jahr 2011 verbraucht wurden, sorgt bei den Zuhörern des Neujahrsempfangs zwar nicht für Karnevalsstimmung - aber für eine kurze Lachsalve allemal. Dabei ist die Geschäftsführerin alles andere als eine Närrin. Wie es ein Büttenredner auch tut, hat sie sich ihre Worte gut überlegt. Dass in ihrer Krankenhausrede 3?120 Kilogramm Gurken eine Rolle spielen, ist etwas, das die Zuhörer nicht erwarten. Die Heiterkeit zeigt vor allem eines: das Bild wirkt. Aber es ist keines zum Lachen. Dieses sorgt lediglich für Aufmerksamkeit - und um die geht es der Geschäftsführerin. Die Patienten im Spremberger Krankenhaus sind auch Verbraucher. Die Betriebe in der Stadt zehren davon, wenn hier etwas verzehrt wird. Zudem ist das Krankenhaus ein großer Arbeitgeber. Mit Broten, Brötchen und Bananen will die Rednerin den Zuhörern nur eines servieren: Den Gedanken, dass das Krankenhaus für die Stadt und die Menschen in der Region wichtig ist. Wie der Kampf um die Gesundheit haben die Krankenhäuser Jahr für Jahr den Kampf um das eigene Überleben aufzunehmen. Eine ungesunde Entwicklung! Ist es nicht wichtiger, die Anzahl der Menschen zu nennen, die im Spremberger Krankenhaus gesund geworden sind, als die Grammzahl der verspeisten Nahrungsmittel zu präsentieren? Ja, das ist es und das weiß auch die Rednerin. Doch sie scheint noch eines zu wissen: dass die Gesundung allein kein starkes Argument für die Standortwichtigkeit ist.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 21. Januar 2012 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Beim Namen nennen

Jürgen HeinrichIn Spremberg hat ein Bürger es als eine Zumutung bezeichnet, dass in seinem Lebenslauf stehe, er habe sein Abitur im Erwin-Strittmatter-Gymnasium erworben. Ihm könnten, fürchtet er, mit solcherart „belasteten“ Bewerbungsunterlagen Nachteile entstehen. Er mag sich beruhigen: Die Schule trug früher den Namen „Karl Marx“, und aus den meisten Absolventen sind selbst im kapitalistischen Deutschland erfolgreiche und anständige Menschen geworden. Was aber die Geschichte bemerkenswert macht, ist eine gesellschaftliche Krankheit dahinter. Immer mehr Menschen in Ostdeutschland irren verunsichert durch ihre eigene Biografie. Ist es noch „seriös“, in einer Karl-Liebknecht-, Ernst-Thälmann- oder gar Juri-Gagarin-Straße zu wohnen? Kommunistisch vorbelastet?
Unsinn, meinen Sie? Frau Dr. Saskia Ludwig, die Landeschefin der CDU, ist anderer Meinung. Sie hat jetzt die Landesregierung mit einer 23 Punkte umfassenden Anfrage beschäftigt, in deren Kern sie alles löschen möchte, was in öffentlicher Beschilderung noch irgendwie an rote Zeiten erinnert. Und einmal dabei, fragt sie gleich noch nach den Kosten, die die Pflege russischer Kriegsgräber verursacht. Letzteres kann im Unterton nicht einmal christlich genannt werden. Kanzler Kohl, der Ludwigs Partei zugehört, hat seinerzeit unmissverständlich deutlich gemacht, dass den Gefallenen jegliche Würde bewahrt wird.
Und die anderen Namen? Wo sie stören, dürfte das örtlich lösbar sein. Womöglich per Gesetz anzuweisen, wer auf Straßenschilder und Schultüren geprägt werden darf, klingt sehr DDR-lastig. Obwohl das auch da nicht so verbissen gehalten wurde.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 21. Januar 2012 - in dieser Woche:

  M. Klinkmüller: Geschichtsstunde verpasst

Mathias Klinkmüller„Left!, Right!, Left!, Right!, Left!“ brüllt ein britischer Soldat am Montagnachmittag. Im Takt seiner Worte marschieren etwa 30 junge Männer in Uniform am Spremberger Güterbahnhof vorbei. Die Soldaten der britischen Royal Air Force gedenken so ihrer Großvätergeneration, die im Winter 1944/45 beim Kriegsgefangenenmarsch von Sagan nach Spremberg kamen. Sicher, es mag für uns als junge Generation zunächst befremdlich erscheinen, wenn britische Soldaten nach Spremberg kommen, um hier die britische und die Flagge der Royal Air Force am Güterbahnhof zu hissen. Doch dieser Marsch der jungen britischen Soldaten ist keine Militärparade - er ist eine Geschichtsstunde. Jedoch leider eine, bei der die Schüler gefehlt haben. Etwa zwei Dutzend Menschen schauen dem Marsch zu. Unter ihnen keine jungen. Dabei hätten sie mit den britischen Soldaten ins Gespräch kommen können. Sie hätten vielleicht erfahren, wie die britische Nachfolgegeneration über den Krieg heute denkt, ob Groll oder Vergebung in den Köpfen herrscht. Sie hätten aber auch viele der älteren Zuschauer ansprechen können. So hätten sie vielleicht die Geschichte eines Welzowers erfahren, der im Jahr 1945 im Alter von 17 Jahren noch die Blutgruppentätowierung auf seinem linken Arm verewigt bekam, um dann in der Schlacht um die Seelower Höhen die Hauptstadt Berlin zu verteidigen. Vielleicht hätten sie auch erfahren, wie er dem Tod entkam und welche Gedanken er heute hat, wenn er junge britische Soldaten in Spremberg marschieren sieht. Vielleicht hätte dieser Montag die spannendste Geschichtsstunde der Schulzeit sein können. Doch wer nicht fragt...

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 14. Januar 2012 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Alle in der Halle

Jürgen HeinrichKönig Fußball regiert in der Halle. Die schnellen Turniere faszinieren Aktive und viel Publikum. Auch andere Sportarten ziehen in diesen Wochen unters Dach. Aber die Schatzmeister der Vereine stöhnen unter der Last der Kosten. Die werden in diesem Jahr - nicht nur in Cottbus - stärker als bisher aus den Kommunen auf die Vereine umgelegt. Bedeutet das Wegfall von Trainingszeiten und gar den Ruin mancher beliebten Sportveranstaltung? Hinter den Bollerbanden in der Lausitz Arena und andernorts wird jetzt heftig darüber diskutiert.
Klar wird allen, dass Vereinssport immer seltener „für lau“ zu haben ist. Die Mitgliedsbeiträge in Sportvereinen decken die Kosten der Erhaltung der Sportanlagen, die Betriebskosten und die Ausgaben für Fahrten, Schiedsrichter und eben Hallen längst nicht. Von Entschädigung für die Arbeit der Trainer und Betreuer gar nicht zu reden. Sportarten, die gänzlich auf Hallen angewiesen sind, haben es besonders schwer.
So lange die Kommunen über Mittel verfügten, gab es Zuschüsse. Aber die Lage verschlechtert sich. Begrenzt bleiben auch die Möglichkeiten der Sponsoren, die nur helfen können, wenn ihre Wirtschaftstätigkeit zu Gewinnen führt. Da sich aber öffentliche Investitionen reduzieren, engt sich dieser Spielraum ein.
Die Lösung hat, wie so oft im Leben, mit Intelligenz zu tun. Es gilt, die wirtschaftlichen Netzwerke enger zu flechten. Aufträge müssen in der Region bleiben. Jeder einzelne soll Leistungen nicht mit „geilem Geiz“, sondern fair am Ort beziehen.
Leben und leben lassen ist ein Grundsatz, der auch Hallen öffnet. Und über Beiträge in Vereinen, die keinen ausschließen, muss geredet werden.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 07. Januar 2012 - in dieser Woche:

  M. Klinkmüller: Kostbares kostet auch

Mathias KlinkmüllerSchlechtere Umfragezahlen gibt es derzeit wohl nur für unseren Bundespräsidenten. Nur sechs Prozent der Betriebe im Spree-Neiße-Kreis bewerten die Sicherheitslage mit „gut“. Eine Verschlechterung ihrer Sicherheitslage bemängeln sogar 44 Prozent der Betriebe bei einer aktuellen Umfrage der Cottbuser Handwerkskammer. Da stellt sich eine Frage. Wo ist die Polizei? Nicht da! Zu dieser Einschätzung kommen 65 Prozent der befragten Betriebe im Spree-Neiße-Kreis. Nur ein mickriges Prozent der Befragten schätzt die Polizeipräsenz als hoch ein. Ein Prozent! Da erreicht die FDP mit zwei Prozent (aktueller Umfragewert) sogar ein doppelt so hohes Ergebnis. Aber das Thema taugt nicht zum Witze machen. Die Diebstähle in der Grenzregion führen bereits einige betroffene Betriebe an den Rand der Existenz. Daher ist es gut, wenn nun mit drei Hundertschaften der Bereitschaftspolizei versucht wird, aus dem einen Prozent Polizeipräsenzgefühl so etwas wie 100 Prozent Abschreckungspotenzial gegen die Diebe zu machen. Ob diese sich von dem dreimonatigen Grenzgang der Beamten beirren lassen, ist fraglich. Wie viele Raser fahren in einen Blitzer, den zuvor ein Radiosender angekündigt hat? Wohl nur die Vergesslichsten oder Dreistesten. Daher wird nach den drei Monaten wohl auch ein Rückgang der Diebstähle präsentiert werden können. Was bleiben wird, ist zumindest ein politisches Zeichen. Eines, das anzeigt, dass die Landesregierung die Menschen in der Grenzregion nicht alleine lassen will. Sicherheit ist kostbar und Sicherheit kostet. Wer an den Beamten vor Ort spart, überlässt den Dieben das Feld. Das kann sich auf Dauer niemand leisten.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 31. Dezember 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Des Jahres letzte Stunde

Jürgen HeinrichUnser Nachbar ist ein Schornsteinfeger. Ja, der Beruf heißt noch immer so. Ganz selten, wenn der Zug zu einem Kamin zu kehren ist, steht sein Geselle tatsächlich noch schwarz auf Dächern.
In dieser Woche begegnete mir unser Nachbar in eigentümlich schwarzer Kleidung. Schornsteinfeger-Kleidung. Sie kam mir anders vor, als jene, die ich in Erinnerung hatte. Sowieso saß kein Zylinder auf dem Kopf. Aber bitteschön. Sie war stumpf, schwarz, aus grobem Gewebe und natürlich makellos sauber, die Arbeitskleidung. Während ich dem schwarzen Mann mit der linken Hand über die Schulter strich, er dies selbstverständlich ertrug und ich Worte der Freude formulierte, blickten mich zwei Praktikanten aus der anderen Straßenseite etwas sonderbar an. Der Kollege vom Schornsteinfeger erklärte das Ritual: Es bringe Glück, den Kaminkehrer anzufassen, zumal jetzt vor des Jahres letzter Stunde, meinte er.
Aha. Die Praktikanten wandten sich ab und strebten ihrer Kantine zu. Glück. Was soll von schwarzen Jack­en für Glück ausgehen? Sie hatten letztens Fünf-Euro-Scheine gesammelt und gehofft, mit der Nummer eines richtigen Scheines eine Million zu verdienen. Das wäre Glück gewesen. Es hätte fast geklappt. Drei Stellen daneben und der falsche Serien-Buchstabe. X statt U vor den elf Ziffern. Schade.
Das ist bedauerlich. Nein, nicht der Millionenflop mit den Fünf-Euro-Scheinen. Der Umstand, dass kaum noch jemand das strahlende Lachen eines Schornsteinfegers kennt, der seinen Nachbarn Glück verheißt.
Aber wir kennen auch keine krümelnden Briketts mehr und Presssteine schon gar nicht. Zum Glück.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 24. Dezember 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Ehre, wem Ehre gebührt

Jürgen HeinrichIm Schein der Kerzen fassen die Menschen Mut. Vielleicht, so hoffen sie, ist alles doch gar nicht so schlimm.
Immer weniger Leute, auch hier in der Lausitz, gehen in die Kirchen. Aber heute am Abend sind sie alle da. Es kommen viele, und es sind weit mehr wirklich Ratsuchende darunter, als wir uns eingestehen möchten.
Dem wortreichen Geschwätz von di Lorenzo und Co. stellt sich heute die sparsame Wortgewalt des Lukas entgegen. Er erzählt die Geschichte dieser Geburt: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging...“. Und dann liegt das Kind in Windeln so ärmlich im Stroh, und es wird ihm gesungen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.“
Welch eine Geschichte! Welch ein Kontrast zu dem, was heute mit Reichtum protzt, mit fremdem Geld gar sich schmückt und dabei noch Ehre einfordert. Oder ist ein Bundespräsident nicht jemand, dem wir, zumindest zeitweilig, irdische Ehre schulden sollten? Ihm und manch anderen, die unsere schöne, mühsam genug gebaute Demokratie zu tragen und zu gestalten versprachen?
Wer wäre in der Lage, deren Geschichte so zu erzählen, dass sie schlüssig endet mit Lob und Ehre und der Gewissheit, dass jene uns den Frieden stiften.
Ja, Lukas, dieser Meister des zupackenden Wortes, der hatte es leicht. Er konnte sich in der Geste des Historikers zurücklehnen und Geschehenes aus dem Abstand von 80 Jahren betrachten.
Unsere Schreiber von heute - sie ste­cken mittendrin. Leider nicht nur im zeitlichen Verlauf, sondern wohl auch sonst. Vielleicht gehen sie Rat suchen heute im Schein der Kerzen.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 17. Dezember 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Liberale Krise

Jürgen HeinrichAuch hier in der Lausitz hat das bundesliberale Desaster die Reizgrenze erreicht. Prof. Dr. Martin Neumann, Bundestagsabgeordneter mit FDP-Mandat, gab ein ratloses Statement an die Presse, als der Rücktritt von Generalsekretär Lindner bekannt wurde. Was sollte er auch schreiben? Wenn es überhaupt noch eine liberale Stimme gab, auf die das ferne flache Land gewillt war zu hören, dann die des 32-jährigen sympathischen Mannes an Röslers Seite. Welche Chancen der Parteichef nun nach gerade noch glimpflich ausgegangener Mitgliederbefragung hat, vermag hier wie in Berlin niemand zuverlässig zu sagen. Man weiß ja nicht einmal, ob der ganze liberale Wählerverein noch lange auf der politischen Landkarte verweilt.
Zu einer Stimmensammelpartei hatte Westerwelle das einst geachtete „Zünglein an der Waage“ verkommen lassen. Er wollte an die Macht, hat sie nun - und kann nicht damit umgehen. Niemand kann es in dieser FDP, die zwar noch funktionierende Kader, aber keinerlei programmatische Köpfe hat. Bitter fürs ganze deutsche Vaterland, denn die Rede ist von einer Partei, die in Regierungsverantwortung steht.
Was ist Liberalismus? Interessiert das überhaupt jemanden im irritierten Führungszirkel? Und fragt die Basis danach?
In Cottbus und Spree-Neiße gibt es einen vereinten Kreisverband. Immerhin haben Guben (noch) und Forst Bürgermeister mit FDP-Parteibuch. Das wussten Sie nicht?
Kein Wunder. So ist Liberalismus an der Basis. Jeder macht, was er will. Bisweilen finden da Einzelkämpfer ganz sinnvoll Freiraum. Aber liegen darin Sinn und Zweck einer Partei? Es kriselt weit in die Fläche...

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  Ausgabe Forst von Sonnabend, den 17. Dezember 2011 - in dieser Woche:

  Mathias Klinkmüller: Lohnende Blüten-Suche

Mathias KlinkmüllerPositive Nachrichten sind in Zeitungen selten. Meldungen wie der Abriss von Wohnblöcken wegen Leerstands oder steigende Garten­pachten und Bibliotheksgebühren dominieren oftmals die Titelseiten. Sicher: in der Rosenstadt ist nicht alles rosig. Doch eines ist auch sicher: Wo viel Dornen sind, müssen auch irgendwo Blüten sein. Eine Blüte ist die LION GmbH im Gewerbegebiet. Der Gründer und Geschäftsführer, der ein Forster ist, hat nicht die leicht zu findenden Dornen gesucht, um dann zu sagen: „Hier gibt es keine Zukunft“. Ein Gewerbegebiet, dass ein paar Meter entfernt von der Autobahn und direkt an Gleisen liegt, war für den Unternehmer eine Blüte der Stadt, die er goss. Jetzt steht er vor seinem Unternehmen, das blühend läuft. Eine gute Nachricht und vielleicht auch eine die anspornt, nicht den Weg in die Ferne zu suchen, sondern nach dem Ausschau zu halten, was die Region einem bieten könnte.
Dass die Stadt nun darauf setzt, ein Logistikstandort zu werden, ist dem Erfolg der LION GmbH und der Overseas GmbH zu verdanken. Ohne sie wäre das Gleis, das einst nach Weißwasser führte, demontiert worden. Und dabei verdeutlicht dieses Gleis, was Unternehmergeist bewirken kann: das aus einem Abstellgleis mit der richtigen Idee ein Wirtschafts- und Jobmotor der Region werden kann.
Vielleicht gibt es in der Stadt noch viele solcher Zukunftsgleise, die nicht zwangsläufig aus Stahl sein müssen. Sie zu suchen, kann sich lohnen. Derzeit wird auch nach Tourismuskonzepten gesucht. Wer Ideen hat: einfach wagen. Denn auch wir würden gern eines wagen: mehr positive Nachrichten zu schreiben.

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  Ausgabe Spremberg von Sonnabend, den 10. Dezember 2011 - in dieser Woche:

  Mathias Klinkmüller: Geteilte Zeit tickt doppelt

Mathias KlinkmüllerDie Moral von der Geschicht: Der eine will der andere nicht! So lautete das Fazit eines Sketches bei der Auszeichnungsveranstaltung der Spremberger Freiwilligen. Ilse wollte in dem Sketch ihren Mann dazu bewegen, sich vom Sessel zu erheben, um Freiwilligenarbeit zu leisten. Am Ende war es Ilse, die den Kröten über die Straße half, während ihr Hermann im Sessel sitzen blieb. Die Kröte, das einer will und der andere nicht, ist eine, die geschluckt werden muss. Freiwilligenarbeit sollte nie auf einem Ich - muss - das - tun - Engagement fußen. Wer nicht will, der soll nicht sollen. Wohl kaum jemand der Hilfe benötigt, möchte neben sich einen Menschen wissen, der in der Freiwilligenarbeit nur eine Verpflichtung sieht. An seiner Seite will doch jeder einen Menschen haben, der ein Freund sein kann, der einen zum Lachen bringen kann, der gerne zuhört - kurz: einen der sich engagiert weil er will, einen der seine Zeit für so wertvoll hält, dass er sie mit anderen Menschen teilen möchte. Zeit ist die Währung, die an Wert nie verlieren wird. Sie ist begrenzt und kostbar. Nur wer Freiwilligenarbeit nicht als Opfer von Zeit, sondern als gut genutzte Zeit versteht, wird über Jahre hinweg sich liebevoll um andere kümmern können. Dieses Verständnis von Zeit zu ehren - so viel Zeit muss sein! Und wer sich etwas Zeit nimmt, um sich ein paar Sekunden über den Nutzen seiner Zeit Gedanken zu machen, wird vielleicht auch auf den Gedanken kommen, dass vom Sofa nicht zwangsläufig Abschied genommen werden muss. Nämlich dann, wenn man im Altersheim oder wo auch immer sich ein neues Sofa sucht, um dort einem Menschen die Einsamkeit zu nehmen.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 10. Dezember 2011 - in dieser Woche:

    Jürgen Heinrich: Plebiszit von oben

Mathias KlinkmüllerIn Cottbus hat sich ein Verein „Pro Lausitzer Braunkohle“ gegründet. An die Öffentlichkeit trat er mit Köpfen, die ohnehin täglich die Zeitungsspalten schmücken: OB Szymanski, Landrat Altekrüger, Sprembergs Bürgermeister Schulze, IHK-Hauptgeschäftsführer Krüger, Handwerker-Präsident Dreißig. Der Vorsitzende, Amtsgerichtsdirektor Rupieper, hält sich im Hintergrund. Sie alle treten in diesem Verein sozusagen neben sich. Nicht als Amtspersonen, sondern privat sind sie im Verein. Sie wollen der Braunkohle gegen alle Umweltkämpfer eine Befürworter-Stimme geben. Ein Plebiszit von oben organisieren.
Ob das funktioniert? Sie, die Verantwortung tragen, die mit dem Vertrauen von Wählern satt ausgestattet sind, um die Wirtschaft und damit auch den Braunkohlenzug im Rollen zu halten, suchen Öffentlichkeit. Verwechseln die da nicht etwas? Wollen die Herren gegen sich selbst rebellieren? Sie mit ihren Parteien und Verbänden und Kammern haben doch das Ruder in der Hand. Warum steuern sie denn nicht?
Plebiszite - Stuttgart hat das, trotz Niederlage, mit viel öffentlicher Aufmerksamkeit vorgeführt - sind Stimmerhebungen des Volkes nach altem römischen Stil. Die Basis meldet sich zu Wort und findet kraft ihrer Vielzahl Gehör. Wenn ein Verein „Pro Lausitzer Braunkohle“ solche Beachtung wünscht, geht das kaum von oben her. In den Sesseln der Satten herrscht Behäbigkeit, nicht die ungestüme Leidenschaft der Straße. Wenn es anders wäre, hätten die Pro Braunköhler bei der Barbarafeier nicht emsig dem Wein und Canapés zugesprochen, sondern sich an den Eingang gestellt, und gleich hier tausend Aufnahmeanträge verteilt.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 03. Dezember 2011 - in dieser Woche:

    Jürgen Heinrich: Kein Kleingeld

Mathias KlinkmüllerKlotzen statt kleckern. Das klingt so entschlossen, fast draufgängerisch. Jedenfalls nicht feige und weich. Mit fremdem Geld lässt sich das auch gut zum Lebensstil entwickeln, und das Gefühl fürs lästige Kleingeld geht verloren.
Zum Beispiel in Cottbus. Wer hier 300000 oder knapp eine Million Euro anlegen will, hat wenig Chancen, wahrgenommen zu werden. Das TIP-Gelände etwa braucht Investoren, die hektarweise erschlossenes Land kaufen und Beschäftigte kompanieweise einstellen, um bei Kategorien zu bleiben, die auf dem Militärgelände noch in den Kiefernwipfeln nachhallen.
Dass es solche Investoren aus England oder anderswo nach Cottbus verschlüge, scheint wenig wahrscheinlich. Wenn die zehn Kilometer über die Berliner Stadtgrenzen fahren,
finden sie Flächen zu gleichen oder besseren Konditionen, ohne sich in viel zu engen Kreisverkehren zu verheddern und dreifach geblitzt endlich die Autobahn zu erreichen.
Cottbus tritt, trotz nachteiliger geografischer Lage, großmännisch auf. Schulden in dreistelliger Millionenhöhe, trotzdem Investitionen in auch fast dreistelliger Millionenzahl - wer soll da zurechtkommen? Ein Wirtschaftsdezernat gibt es lange nicht mehr, nicht einmal einen reinen Wirtschaftausschuss in der gewählten Volksvertretung. Und in der Schule wurde Rechnen zum Nebenfach.
Wie soll in dieser Stadt das Gefühl fürs (eigene wie auch fürs fremde) Kleingeld wieder erweckt werden? In zwei Jahren reduzieren sich die Investitionen auf ein Viertel des heutigen Standes. Vielleicht kauft das Rathaus vom Rest noch einen kleine roten Teppich - für die eigenen, braven (Kleingeld-)Steuerzahler.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 26. November 2011 - in dieser Woche:

    Jürgen Heinrich: Lichtstrahler fürs dunkle Museum

Mathias KlinkmüllerIn den neuen, breiten Gehweg der Bahnhofstraße und Ecke Breitscheidstraße werden gerade Leuchten eingelassen, die das Gebäude des Stadtmuseums in künftigen Nächten hell erstrahlen lassen. Drinnen aber bleibt es dunkel. Stockdunkel.
Seit einem Jahr ist das, was Stadtmuseum hieß, aber seit Jahren schon keins mehr war, geschlossen. Den Zahlen nach, die in Papieren der Stadtverordneten kursieren, soll sich das auch nicht ändern: rund 290 000 Euro Kürzung 2012, weitere Streichungen mit Personalabbau 2013 und 2014. Rot-Rot trägt die Geschichte der Stadt fröhlich pfeifend zu Grabe.
In der Tat: Sorgenfalten lassen sich wegen dieser Angelegenheit nirgends wahrnehmen. Dabei sollten die Stirnen tief zerfurcht sein. Denn das Phänomen, das ein großes, traditionsreiches Stadtmuseum schließt, ohne dass ein Aufschrei durchs Volk hallt, muss einen gesunden Demokraten in heiliger Furcht erschauern lassen. Schreckliches dürfte geschehen sein, wo Augen so tot sind und Herzen schweigen.
Gewiss, das Interesse am Museum ist durch Missmanagement scheibchenweise eingeschläfert worden. Statt Geschichte gab es neue Kunst in den Räumen; der Heimatverein, seit über 100 Jahren gleichsam Vater und Mutter der Sammlungen, löst sich in individuelle Hobbyfreunde auf, die auch nicht jünger werden.
Aber was ist mit den wirklich Verantwortlichen? Statt politischen Willen zu entwickeln, verbarrikadieren sich Parteien und Fraktionen hinter Zahlenschaum. Immerhin hat ein Schelm gut 3000 Euro aufgetrieben, um grelle Lampen am Museumssockel zu instal-lieren. Falls dann noch Geld für Strom da ist, geht am Ende doch jemandem ein Licht auf.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 19. November 2011 - in dieser Woche:

  Jens Haberland: Komfort für die Tram

Mathias KlinkmüllerEine Debatte um die Cottbuser Straßenbahn-Zukunft ist wieder einmal entfacht. Die demnächst nötigen Großinvestitionen in neue Triebwagen lassen die FDP-Abgeordneten das Verkehrsmittel nun doch wieder in Frage stellen. Es hagelt heftige Kritik aus den anderen Lagern.
Aber: 50 Millionen Euro werden gebraucht für die geliebte Tram. Geld, das der angespannte Haushalt der Stadt gewiss nicht hergibt. Und durch Landeskassen weht sowieso der kalte Wind. Auch von Steuer-Wundern von Vattenfall ist bei desolater Energie-Politik in Land und Bund nicht mehr zu träumen.
Es muss erlaubt bleiben, laut nachzudenken in diesen Zeiten, in denen die Stadt den Gürtel enger und enger schnallt. Doch populär ist das nicht. Die Tram gilt für die Cottbuser als deutlich mehr, als ein günstiges Fortbewegungsmittel, das vorweihnachtlich auch mal quietschend historisch durch die Stadt rumpelt. Sie ist inzwischen neben Energie das fast letzte Identifikationsobjekt.
Mit großen Erwartungen auf das neue Fahrgefühl beobachten die im Stau stehenden Autofahrer die Gleisverlegearbeiten in der Bahnhofstraße, sehnen sich nach der Lösung am Bahnhof ohne gefährliche Sprints über rotamplige Kreuzungen. Millionen investiert die Stadt derzeit in das Gleisnetz, Ausbaupläne liegen in der Schublade. Zu diesem Zeitpunkt über einen Rückzug der Elektrischen nachzudenken, ist schon gewagt. Oder doch nicht?
Wer die FDP-Bedenken abschmettert, müsste eigentlich wissen, wo die nächsten 50 Millionen für neue Triebwagen liegen. Oder folgen die Optimisten der Cottbus-typischen Neuzeit-Devise: Augen zu und durch! Mit oder ohne Gleis.

Sie erreichen den Autor unter j.haberland@cga-verlag.de

  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 12. November 2011 - in dieser Woche:

  Mathias Klinkmüller: Keine Kohle ohne Kohle

Mathias KlinkmüllerWer Kohle in der Stadtkasse braucht, kann nicht gegen Kohle aus dem Bergbau sein. Das ist zwischen den Zeilen aus der Stellungnahme der Stadt Spremberg zu lesen, in der sich die Stadtverordneten für den Braunkohlebergbau aussprechen. Dass die Stadt ohne diese Gewerbesteuereinnahmen nicht mehr in die Daseinsfürsorge investieren kann, ist ein Offenbarungseid, aber diesen so offen auszusprechen, ist ehrlich. Gleiches Problem - andere Stadt: Auch im Cottbuser Haushalt klafft ein Loch durch fehlende Gewerbesteuereinnahmen. Ob die Stadt noch Kredite für Investitionen bekommt, ist fraglich. Daher ist es für die Politiker der Region keine Frage, ob man für oder gegen den Braunkohletagebau mit seinen Folgen für Landschaft und Leute ist. Die braune und die papierne Kohle wird gebraucht. Arbeitsplätze ebenso. Was aber auch gebraucht wird, sind offene Ohren. ­Diese müssen die Stimmen von Proschim und Grabko bis Kerkwitz und Atterwasch hören. Das Finden einer „einvernehmlichen Lösung“, nennt das der Spremberger Bürgermeister. Doch diese Lösungssuche scheint der nach einem Perpetuum mobile zu ähneln: gewollt und doch unauffindbar. Leere Kassen stehen auf der einen und die Furcht vor Enteignungen sowie dem Heimatverlust auf der anderen Seite. Und wo bleibt das grüne Gewissen? Im Nachbarland Polen, das Atomkraftwerke bauen will, heißt es, dass die Menschen andere Sorgen haben. Ein grünes Gewissen müsse man sich leisten können.
Offensichtlich kann auch die Lausitz keine Rücksicht auf grüne Argumente nehmen. Die Hand abzuschlagen, die einen nährt, will in den Rathäusern jedenfalls niemand.

Sie erreichen den Autor unter m.klinkmueller@cga-verlag.de

  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 5. November 2011 - in dieser Woche:

  Jens Haberland: Für Schulen entscheiden

Mathias KlinkmüllerDie Cottbuser Schullandschaft wächst. Nachdem Ende August das Märkische Sozial- und Bildungswerk an historischer Stelle in der Straße der Jugend einen wunderbaren Altbau mit Grundschüler-Leben füllte, soll nun auch die leer stehende Carl-Blechen-Grundschule eine pädagogische Alternative bieten - diesmal für die Abiturienten der Stadt. Viel Geld investieren die Träger, Millionenbeträge, obwohl die Planungen schwammig bleiben müssen. Die Landesregierung predigt zwar die Bedeutung der Bildung, schadet diesen Initiatoren aber mit schleichenden Entscheidungen. Rahmenbedingungen müssen gerade für solche langfristig angelegten Projekte berechenbar sein. Natürlich sind die Kassen überlastet, jeder versteht Kürzungspläne. Doch wie sollen Lehrerstellen gesichert, Schulausstattungen angeschafft und bauliche Maßnahmen finanziert werden, wenn der Kurs fehlt? Wie den Atomkraftwerksbetreibern auf Bundesebene wird auch in unserem Land den Schulträgern eine Zitterpartie zugemutet, ein unerträgliches Hickhack.
Für die Schüler und Eltern ist eine breite Vielfalt der Schullandschaft ein Gewinn, für Cottbus ist ein evangelisches Gymnasium eine Bereicherung, ein weicher Standortvorteil, auf den auch Investoren und Unternehmer als besorgte Mütter und Väter achten, bevor sie hier ihre Zelte aufschlagen. Wie weit ein guter Ruf gerade in der Gymnasiumlandschaft reicht, zeigen die Bewerberzahlen für das Elite-Gymnasium Max Steenbeck und die Erfolge bei Wettbewerben. Auch bei sinkenden Schülerzahlen braucht es nicht um leere Plätze fürchten. Es wird Zeit für eine Entscheidung - eine für die Zukunft unserer Schulen.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 29. Oktober 2011 - in dieser Woche:

  Frank Heinrich: Polizei sucht die Nähe

Mathias KlinkmüllerDie neue Brandenburger Polizeireform nimmt in der Lausitz Konturen an. Am Donnerstag eröffnete Innenminister Dietmar Woidke (SPD) das neue gemeinsame Dienstgebäude der Polizeidirektion Südbrandenburg ­sowie der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße. Damit ist Cottbus einer von vier neu geschaffenen Direktionsstandorten im Land.
Mit neuem Dienstsitz in der Lausitzmetropole rückt die Polizei wieder stärker zum Ort des Geschehens. Regionale Dinge, die zuvor in Frankfurt oder Potsdam entschieden wurden, sollen wieder vor Ort übernommen werden. Gebündelte homogene Aufgaben im Präsidium in Potsdam wiederum führen zu Synergien.
Allerdings sehen einige Lausitzer durch die Reform die innere Sicherheit bedroht. Vor allem eine angestrebte Reduzierung der Polizei um 2 000 Stellen, Standortschließungen und eingeschränkte Öffnungszeiten stimmen bedenklich. Zwar scheint es, als hätten die Proteste der Spremberger, Forster und Gubener gefruchtet, ob die Standorte jedoch langfristig gesichert sind, bleibt offen. Degradiert als Revierstandorte, werden die ehemaligen Wachen ab Jahresende aus Cottbus geführt und mittelfristig nur noch stundenweise offen sein. Darunter könnte jedoch die lokale Kompetenz der Polizei leiden mit neuen Sicherheitslücken als Folge.
Aktiven Schutz sollen verstärkt Streifenwagen und Revierpolizisten leisten; an ihnen werde nicht gespart, so der Innenminister. Spar-Plätze sollen vor allem Verwaltung und gehobener Dienst sein.
Letztlich entscheidet das Sicherheitsempfinden der Bürger über den Reformerfolg; Statistiken sind nur schmückendes Beiwerk.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 22. Oktober 2011 - in dieser Woche:

  Mathias Klinkmüller: Eine Frage der Moral

Mathias KlinkmüllerSchalter in den Banken schließen, Geschäfte schließen und manchmal schließen auch ganze Gesellschaften. Grund zur Freude sind Schließungen nie. Doch was jetzt in Cottbus schließen soll, rüttelt an der kulturellen Identität der Menschen. Zwei Friedhöfe sollen ihren Frieden nicht finden und geschlossen werden. Der Grund: 20 Friedhöfe gibt es in Cottbus. In keiner anderen brandenburgischen Stadt gibt es mehr. Aus dieser Erkenntnis entstand in Cottbus der Arbeitskreis Friedhöfe, der Aktenordner herausholte um Einsparpotenziale auszuloten. Das Ergebnis: Auf zwei Friedhöfen werden zu wenig Menschen beerdigt. Neun Tote jährlich in Madlow und 15 in Schmellwitz reichen nicht aus, um Trauerhallen zu sanieren, um einen Friedhof wirtschaftlich zu betreiben. Was für einen Finanzfachmann logisch klingen mag, verstehen viele Angehörige nicht. „Das ist doch keine finanzielle sondern eine moralische Frage“, bringt es eine Schmellwitzerin auf den Punkt. Und genau hier sollte die Logik des Geldes enden - an den Türen der Friedhöfe. Die Bestattung eines Menschen gehört zur Kultur und sollte, wie die Menschenwürde selbst, unantastbar auch nach dem Tode bleiben. Niemand will einen Verstorbenen einfach irgendwie und irgendwo unter die Erde bekommen. Die Nähe der Ruhestätte zu der Wohnung des Angehörigen ist ebenso wichtig wie der Wunsch, dass der Tote dort seine Ruhe findet, wo schon seine Eltern und Großeltern ihre Ruhe gefunden haben. Das ist etwas, das nur in der Seele des Menschen, aber in keinem Aktenordner zu finden ist. Zur Pflege der Friedhöfe ist bürgerschaftliches Engagement gefragt. Hier sind beide Stadtteile quicklebendig.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 15. Oktober 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Handwerk im Rausch

Jürgen HeinrichKeine bisherige Befindlichkeits-Umfrage im Lausitzer Handwerk fiel so positiv aus, wie die aktuelle. Besonders das Baugewerbe in all seinen Fachrichtungen frohlockt: die Auftragsbücher sind bis weit in den Februar gefüllt; jetzt müsse nur noch der Winter mild verlaufen, dann würden die Geschäfte richtig brummen.
Bitteschön. Das sei den fleißigen Handwerkern auch gegönnt, denn vor allem sie sind es in unserer strukturschwachen Region, die Arbeitsplätze schaffen und halten, die unsere Söhne und Töchter in spannenden Berufen ausbilden und die nicht zuletzt auch in erstaunlicher Dichte hinter dem munteren Vereinsleben stehen. Man schaue sich nur die Werbebanden auf den Sportplätzen und die Trikots der Nachwuchssportler an. Unterhalb von Fernsehquoten werden Sport, Kultur und vielfach soziales Engagement vom Handwerk und von kleinen und mittelständischen Unternehmen getragen.
Allerdings gehört in den Jubel auch ein gesundes Maß an Selbstkritik. Die Servicelust des Handwerks hat aus Sicht der Kunden merklich nachgelassen. Es gibt oft lange Wartezeiten, nicht immer wird Wort gehalten und im Qualitätsmanagement gibt es große Unterschiede von Haus zu Haus. Was der Kunde sich wünscht, ist Vertrauen in den Begriff Handwerkerehre - von der Friseurleistung bis zum Motor-Check, von der Schornsteinfeger-Rechnung bis zur Mohnstollen-Zutat. Wenn der Laden läuft, ist die beste Zeit, in innere Sicherheit und Image nach außen zu investieren, sagt eine Unternehmensregel. Für das Handwerk heißt das jetzt mehr denn je, die Innungen stärken und den Ruf der Meister festigen. Es kommen auch wieder schwierigere Zeiten.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 8. Oktober 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Nicht alles war schlecht

Jürgen HeinrichRedewendungen haben ihre Zeit und ihre Eigendynamik. Diese kommt zunehmend vor, wenn Menschen von früher reden und drucksen, wie das eine oder andere „zu DDR-Zeiten“ ablief. Nicht alles war schlecht, heißt es dann. Manchmal entschuldigend, mitunter ein bisschen bockig und immer häufiger auch gut meinend, gar aus Mündern westlicher Redner.
Nicht alles war schlecht. Das steht als Tatsache und braucht kein Drumherum. Viele unserer Leser haben sich in dieser Woche an den 7. Oktober erinnert. Der war für die älteren unter uns den größten Teil ihres Lebens lang ein Feiertag, und viele waren stolz auf das, was sie zusammen in diesem Land geschaffen hatten. Das durften sie auch sein und können sich dazu bekennen. Auch wenn das Land DDR heute in den Regalen der Geschichte steht und das Unrecht, das in ihm geschah, manchmal noch bitter nachwirkt.
Es war nicht alles schlecht. Das finden heute auch Politikwissenschaftler und gesellschaftskritische Zeitgeister. Denn der Untergang der DDR und des Ostblocks hat Fehlstellen hinterlassen. Damals hat die Demokratie sich hart zusammengenommen, denn es hätte doch immerhin sein können, dass im anderen Gesellschaftsmodell ein Wettbewerber aufsteht. Heute fehlt solch ein Korrektiv und die Mächte treiben ihr ungehemmtes Spiel. Die Gewinne werden privatisiert, die Verluste sozialisiert. Die dramatischen Schuldenbeträge, die uns um die Ohren fliegen - versucht die noch jemand zu rechtfertigen?
Nein, es gibt nur dieses System und es bleibt die Frage am Ende der Woche des früheren und des heutigen Feiertags, wie wir es hinkriegen, dass nicht alles schlecht(er) wird.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 1. Oktober 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Die smarten Millionen-Sammler

Jürgen HeinrichWir wachsen wieder dem November und damit den „Blauen Stunden“ entgegen, den Filmstunden. Wenn Kinoleute in der letzten Stadtverordnetenversammlung gesessen hätten, wären sie sicher auf Stoff für ein flottes Drehbuch gestoßen. So in der Stilrichtung Olsenbande. Wer den „Egon“ abgibt, muss nicht näher ausgeführt werden.
Immerhin sind die Cottbuser Kämmerer nie um einen Plan verlegen, und wenn es um die Millionen geht, da braucht es nicht einmal Sprengsätze, um größere Beträge in Bewegung zu bringen, als Olsen und seine Bande in all ihren 14 Filmen zusammengenommen.
Diesmal fehlten so neun oder zehn Millionen. Mit 35 Millionen Euro Gewerbesteuern hatten die Geldplaner gerechnet. Mindestens 9,5 werden aber fehlen, weil Vattenfalls Gewinne durch erzwungenen Atom-ausstieg fast ins Bodenlose stürzen.
Da hatte nun „Egon“ seinen Plan: Keine Angst verbreiten, niemand darf merken, was hier wirklich läuft. In zähen Debatten in Ausschüssen und Fraktionen war ja längst das letzte Krümelchen aufgesaugt worden, um Sparbereitschaft nach Potsdam zu funken und den laufenden Haushalt frei zu bekommen.
Aber nun „Egon“: In der Verwaltung glückte es durch einen (legalen, versteht sich!) buchhalterischen Trick, rund zehn Millionen „aufzusammeln“. Smartes Lächeln von den Stühlen Wissender, erleichtertes und unverfängliches Umherblicken der Regierenden. Dann machen wir das mal. Abstimmung. Einstimmig.
Wo - um Himmels willen - kriegen wir denn nun für städtische Aufgaben Geld her? Ist da noch was zu „kehren“? Hoffentlich hat Olsen im nächsten Notfall wieder einen Plan!

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 24. September 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Sind wir alle Papst?

Jürgen HeinrichJene Schlagzeile damals hat sich eingeprägt. Ratzingers Wahl erfuhr die deutsche Leserwelt mit den Worten: Wir sind Papst.
Das war auch für Menschen ohne Bezug zur christlichen Religion ein besonderes Ereignis: Ein Deutscher an der Spitze einer Weltkirche. Und wir alle hier im deutschen Osten hatten noch frisch abrufbar im Gefühl, dass der Papst davor unser Leben gravierend geändert hat. Wir hatten es gerade geschafft, eine preiswerte Gruppenreise zum Petersdom und zu manch anderem zuvor unerreichbaren Heiligtum zu buchen, da waren wir plötzlich Papst.
Sind wir das nun wirklich? Ist die Popkultur, die sich im Olympiastadion zuträgt, unser Anteil am Papsttum? Entsprachen die Nachrichten, die vor der Ankunft des Pontifex Maximus in Deutschland grassierten, unsem Fühlen in der weltprägenden Angelegenheit?
Benedikt XVI. teilt mit, was keiner besser weiß: Es gibt keine schnellen Veränderungen. Auch nicht zum erkannten Guten hin. Es bleibt mühsam genug, konservativ zu sein, Errungenes zu bewahren, vielleicht gar zu entwickeln.
Der deutsche Papst im Bundestag. Ist das nicht schon viel? Macht und Macht hören einander zu. Päpste sind nicht für die Politik berufen und prägen sie trotzdem. Ohne den letzten, den polnischen, wäre die Decke aus Beton über Europa nicht aufgebrochen worden.
Nun kommt Geschichte vor unsere Haustür. Fast zwei Jahrtausende, angefüllt mit Fehlern, enthält das Wort Papst. Kreuzzüge, Ablass, Segen auf moderne Kriege. Aber auch große Frieden. Und immer neu hoffender Glaube. Wenn wir bewahren können, sind wir Papst.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 17. September 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: In Spremberg am Pranger

Jürgen HeinrichEs gibt Zeiten, da kann sich der Mensch in Spremberg richtig unwohl fühlen, und die „Perle“ schimmert nur noch in düsterem Glanz. Räuberhauptmann Lauermanns ungehobeltes Mittelalter wird zur Tagesmanier, und auf dem Markt steht wie einstmals der Pranger. Wenigstens virtuell.
Erinnerungen an das Abschlachten des einstigen Stadtwerkechefs (der jetzt selbst im Stadtparlament sitzt)werden wach, wenn sich in den Kaffeehäusern rund um den Markt die Köpfe über die Schlagzeilen der lokalen Journallie neigen. Die Lamm! Sieh’ mal an! Aber die macht das doch schon so lange und war immer ganz gut...?
Hinter völlig normale Feststellungen geraten Fragezeichen. Eine Mitarbeiterin im Rathaus wird öffentlich gemaßregelt. Möglich, dass sich solche publizistischen Entgleisungen heutzutage schwer vermeiden lassen. Aber für den Wertekanon in einer Kleinstadt bleibt immer noch der Bürgermeister verantwortlich. Ihm kann und sollte jeder unverblümt die Meinung sagen dürfen, denn er ist von der Straße gewählt und bleibt ihr Rechenschaft schuldig. Aber eine Angestellte im Rathaus, auch wenn sie als Amtsleiterin durch die Abgeordneten zu bestätigen war, sollte einen Arbeitgeber haben, der sich schützend vor sie stellt.
Denn soviel steht fest: Ob im Rathaus korrekt gerechnet wurde oder nicht, hat am Ende sowieso der Bürgermeister zu verantworten. Mit Presseerklärungen über fatale Personalentscheidungen wird die Haushaltkrise nicht zu lösen sein. Die hat bekanntlich ganz andere Ursachen, und es wäre gut, die Mannschaft bei unruhiger See gesund und gut motiviert an Deck zu haben.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 10. September 2011 - in dieser Woche:

  Frank Heinrich: Isegrim spaltet die Lausitzer

Jürgen HeinrichLausitzer Nutztiere stehen immer häufiger auf dem Speiseplan von Meister Isegrim. Galt der Wolf in unserer Region seit 150 Jahren als ausgestorben, vergeht mittlerweile kaum eine Woche ohne gerissene Schafe. Da Wölfe uns Menschen eher skeptisch gegenüberstehen, bleiben die toten Nutztiere vermutlich (vor-erst) der gerade noch erträgliche Wolfszoll. Insgesamt lässt die Beute jedenfalls auf eine stark gewachsene Population schließen. Der Wolf ist wieder heimisch in der Lausitz.
Die anhaltend emotionale Diskussion zwischen Wolfs-Befürwortern und -Gegnern zeigt immer wieder: Auch Landwirte und Tierhalter müssen sich erst auf den neuen Mitbewohner und tierischen Jäger einstellen. Angepflockte Tiere oder von Wasser und einfachen Elektrozäunen begrenzte Weideflächen wird es künftig seltener geben. Tierische Sicherheit bieten nur noch der heimische Stall und Zäune, die über anderthalb Meter hoch sind.
Was jedoch, wenn alle Nutztiere durch solche geforderten Zäune geschützt oder wegen unwirtschaftlicher Haltung abgeschafft wurden? Wird der Graue Geselle dann freiwillig Hungers sterben oder sich doch an Rotkäppchen erinnern?
Eines steht bei Befürwortern und Gegnern außer Frage: die Art sollte geschützt werden. Trotzdem und gerade auch deshalb gehört er ins Jagdrecht - beides schließt sich nicht aus. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis verhaltensauffällige Wölfe bejagt werden und Jäger ordnend in die Population eingreifen müssen.
Übertriebene Wolfsliebe und Verniedlichungen des Raubtieres sind für dessen Schutz hinderlich. Wölfe sind keine Plüschtiere. Wilde Räuber sind sie auch nicht.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 3. September 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Wenn’s nun kühler wird

Jürgen HeinrichDa ist er in voller Schönheit - der goldene September. Aber wer frühmorgens schon Sinn für Landschaft hat, sieht die Lausitzer Seen dampfen. Die Luft kühlt empfindlich ab des nachts. Es herbstelt halt sehr.
Kühle Aussichten haben in der Politik die Energiedebatte wieder erhitzt. Wer soll eigentlich in einem strammen Winter, vielleicht bei stillem, trübem Frostwetter, Wärme und Strom liefern, wenn das die Atommeiler nicht mehr dürfen?
„Kaltreserve“ nennen das die Fachleute. Wind, Sonne und Bio liefern längst noch nicht ausreichend Energie, um Atom- und Kohlekritikern gleichzeitig Recht zu geben. Jedenfalls nicht zu bezahlbaren Preisen. Müssen wir also Angst haben vor einem richtig kalten Winter? Kommen die Stromsperren wieder, die heutige Rentner noch aus ihren Kindertagen kennen?
Unmöglich ist nichts. Jedenfalls nicht vor dem konfusen politischen Hintergrund, der auch im Land Brandenburg eher nach April als nach September aussieht. Platzeck hat kürzlich der CCS-Technologie eine Absage erteilt. Er wolle nichts in die Erde verpressen, was nicht anderswo auch da hinein gedrückt würde. Dass diese Hochtechnologie gerade in seinem Land entwickelt wird, schien ihm da nicht mehr wichtig zu sein. Aber inzwischen hat sich der Landesvater mit seinem Linken Wirtschaftsminister schon wieder ausdrücklich für die Braunkohle ausgesprochen. Sie sei die einzige Alternative zu Atomenergie.
Was nun? Keiner weiß, was über den Tag hinaus gilt. Nur dass es kühler wird, das ist sicher. Kühler zwischen Stromwirtschaft und Politik, kühler für uns alle hier bei schon jetzt hohen Steuerausfällen.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 27. August 2011 - in dieser Woche:

  Jens Haberland: Kampf um Medaille und Nachwuchs

Jürgen HeinrichAm Freitag kommen die weltbesten Feuerwehr-Sportler aus 16 Nationen nach Cottbus, um sich im Hakenleitersteigen vor der Stadthalle, in der 4x100 Meter Stafette, im 100 Meter Hindernislauf und im Löschangriff im Sportzentrum zu messen. Unser Team Lausitz bildet den Kern der Deutschen Nationalmannschaft, die als Gastgeber mit einer zweiten Mannschaft außer Wertung starten darf. Sie anzufeuern sollte uns eine Ehre und Verpflichtung sein. Es sind Freizeitsportler, die sich nicht verstecken zu brauchen neben den Berufssportlern vornehmlich aus Osteuropa. Nur Zehntelsekunden werden sie hinter den Weltbesten zurück liegen.
Diese ehrgeizigen Sportler sind alle auch Feuerwehrkameraden, haben selbst bei Autounfällen, Waldbränden oder vergifteten Wohnungen Menschen gerettet. Sport und Rettungseinsätze gehen Hand in Hand, und so ist auch die Feuerwehrsport-WM ein Einblick in die Leistungsfähigkeit unserer Kameraden.
Hoffentlich hilft diese beeindru­ckende Sportshow, die zurecht als Familienfest gestaltet und zum Start am Freitag ins Stadtzentrum geholt wurde, mehr Kinder und Jugendliche für die so wichtige Rettungsbereitschaft zu begeistern. Merzdorf geht schon einen Schritt weiter und bringt den „Gartenzwergen“ Grundlagen spielerisch bei. Zurecht ist Branddirektor Bernd Brodowski erstaunt über die prompten Antworten der Fünfjährigen auf die Frage nach der Notrufnummer. 112 schallt es im Chor.
Die Sport-Kameraden kämpfen ab Freitag. Nicht nur um den Sieg auf den Bahnen, sondern um Nachwuchs, damit es nicht zum Pflicht-Feuerwehrdienst kommen muss.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 20. August 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Zur Demo am Montag

Jürgen HeinrichAm Montag wird es eine Demonstration ganz ungewöhnlicher Art in Cottbus geben. Nicht um soziale Unsicherheit benachteiligter Arbeitnehmer oder gefährdete Jobs geht es da, erst recht nicht um freiheitliche Grundrechte, Reisefreiheit oder den zornigen Wunsch, Funktionäre in die Produktion zu schicken. Das Recht ihren Willen in öffentlicher Versammlung zu demonstrieren, nehmen sich diesmal wohl vorwiegend begüterte Cottbuser, deren Pflicht es natürlich ist, ihren Besitzstand gegen Unbill zu schützen. Und vielleicht gesellen sich weitere Bürger hinzu, die in der schon Monate währenden Diskussion um die „Altanschließer-Beiträge“ zu der Erkenntnis gekommen sind, dass hier in den Geldkreislauf recht stümperhaft und zu fast jedermanns Nachteil eingegriffen wird. Politisch entschieden wurde, den Eigentümern in die Taschen zu fassen, um...- Ja, um was zu tun? Genau das ist schwammig, unsicher, teils verwegen. Aber: Millionen Euro, die Arbeit sichern könnten, sind erst einmal weg. Auf irgendwelchen Konten (zu wessen Nutzen?) deponiert.
Eine wirklich ungewöhnliche Demonstration unter Rathausfenstern.
Allerdings bleibt es, unabhängig von der Botschaft und dem Ergebnis der Willensbekundung, instinktlos, die Veranstaltung „Montagsdemo“ zu nennen. Das ist und bleibt für die, die an der historischen Wende des deutschen Geschicks beteiligt waren, ein belegter Begriff. Und so sollte es bleiben.
Jene Montagsdemos haben bewirkt, dass im Rechtsstaat frei gestritten werden kann. Jedenfalls solange das Geld reicht. Im Zweifel ist Nachdruck auch per Demo möglich: am Montag, am Dienstag - immer.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 13. August 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Vorsicht, Dauer-Baustelle

Jürgen HeinrichDas öffentliche Bauen gerät im Dickicht von Landes-, Kreis-, Verbands- und Kommunalzuständigkeiten zum Dauerchaos. Was Straßenanlieger längst zu erstaunlicher Leidensfähigkeit gezwungen hat - man schaue nur auf das skandalöse Schleppen der Baustelle in Sielow - trägt sich nun auch an Wasserwegen zu. Gravierend leidet der überschwemmte Spreewald unter landeshoheitlicher Planlosigkeit. Der Wasserstand und starke Strömung haben den Kahnbetrieb vielfach zum Erliegen gebracht. Die Tourismusbranche, die von Mai bis September boomen sollte, muss Einbrüche hinnehmen. Grund ist nicht etwa reichlicher Regen, sondern die verantwortungslos geführte Schönwetter-Baustelle am Spremberger Stausee, die sich dreist über Jahre hinzieht. Zuständige Experten brüsten sich gar als Hochwasser-Verhinderer. Es berührt sie nicht in ihrer öffentlich besoldeten Sicherheit, dass Unternehmen des Feriengeschäfts am Dauerbauplatz Stausee längst das Handtuch geworfen haben und im Burger Raum die Verluste täglich wachsen.
Logisch wäre es, überschüssiges Wasser durch den Nordumfluter um Burg herum zu leiten. Doch zu gleicher Zeit (!) wie in Bräsinchen werden zwei Wehre bei Neu Zauche gebaut. Das heißt, über Befindlichkeiten der Zivilisation dazwischen wurde gar nicht erst nachgedacht.
Offenbar haben Spreewaldhoteliers, Kahnvermieter und Handwerker keine Lobby. Handwerkskammer, IHK, und Unternehmerverbände müssten längst Sturm laufen bei Politik und Verwaltung. Denn die schädigen durch planloses Bauen nicht nur einzelne kleine Geschäfte, sondern das Image der ganzen Region. Und zwar heftig - zu Lande und zu Wasser.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 6. August 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Weiße Zunft ohne Wettbewerb

Jürgen HeinrichIn der Gesundheit können Gebete manchmal helfen; nach Menschenermessen erreicht wird sie aber nur mit Geld. Viel Geld, weil sich in der Wissenschaft die Erkenntnisse jagen. Die medizinischen Wunder werden Alltag. Glück spendender teurer Alltag. Kleine Krankenhäuser ohne spektakuläre Technik und hoch spezialisierte Fachärzte bleiben auf der Strecke. Erwischt es jetzt in dieser Kausalität Forst?
Nein, nicht zwingend. Wenn es zu einem - wie auch immer gestalteten - Anschluss des Forster Krankenhauses an das CTK kommen sollte, liegt das allein an Entscheidungen des Landes. Dort wird im Krankenhausplan festgelegt, wer welche Leistungen bringen darf, wer nicht. Die peinliche Gängelei des Krankenhauses Spremberg, die korrigiert werden musste, hat der Öffentlichkeit den Mechanismus vorgeführt.
Klar ist, dass wegen der hohen Kosten der Ausstattungen die Häuser möglichst eng zusammenarbeiten müssen. Darüber hinaus ist intelligente Disposition gefragt. Forst wie Spremberg können als Grundversorger nur funktionieren, wenn sie auch lukrative Fachgebiete besetzen dürfen. Hier eine präzise Spezialisierung voranzutreiben und eben Patienten in bestimmten Disziplinen auch nach Forst oder Spremberg zu verlegen, dürfte möglich sein. Ebenso, wie es für einen mittvierziger Cottbuser Oberarzt interessant sein könnte, bei passenden Rahmenbedingungen als Chefarzt nach Forst zu gehen, statt ein Leben lang hier Zweiter zu bleiben.
Was den Patienten bei Fortbestand dreier selbständiger Häuser zugute käme, wäre ein Rest von Wettbewerb. Wer mal drin lag, weiß: Der schadet der Weißen Zunft gewiss nicht.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 30. Juli 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: In Schulden verstrickt

Jürgen HeinrichDie Welt ist verrückt: Da rackern sich Leute ab, zahlen jede kleine Rechnung pünktlich und große erst recht, um die drei Prozent Skonto zu ziehen, haben es in echt schwäbischem Stolz zum Häuschen oder gar zur Selbstständigkeit gebracht, und nun stehen sie unversehens vor einer schroffen Schuldenklippe.
150 000 Euro muss ein Cottbuser Unternehmer als Altanschließer-Beitrag berappen! „Die hatte ich nie und nirgends auf dem Schirm“, sagt er. Und er muss zugleich hinnehmen, dass Kunden reihenweise Aufträge zurückziehen. Einmütiger Grund: Altanschließer-Beiträge in fünfstelliger Höhe blockieren ihr Geschäft.
Ein schlimmes Beispiel, wie dilletantische Landes- und Kommunalpolitik auf die Kuh drischt, die sie doch melken möchte und muss. Überdimensionierte Wasser- und Abwasseranlagen, in die 20 Jahre lang froh und ohne jede Bürgerbeteiligung investiert wurde, müssen jetzt nachträglich bezahlt werden. Die Politik hat das in ein Gesetz gefasst, das nicht einmal ausschließt, dass zu diesem Beitrag irgendwann noch ein Nachschlag gefordert werden kann.
Der Staat wird immer kassieren; das ist sein Privileg. Der freie Bürger darf sich, wenn er genügend Geld hat, dagegen wehren - bei sehr geringer Aussicht auf Erfolg. Er könnte aber auch rechtzeitig darauf achten, wem er die Staatsgeschäfte anvertraut. Die sogenannte Politikverdrossenheit bescherte uns Wahlen bei Minimalbeteiligung. Am Ende sitzen dann natürlich nicht die Kompetentesten an den Hebeln. Die teure Altanschließer-Zeche könnte jetzt manchem die Augen öffnen.Spätestens dann, wenn in ihrer Folge die Mieten steigen und sich - wen würde’s wundern? - trotzdem die Wasserkosten erhöhen.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 23. Juli 2011 - in dieser Woche:

  Jens Haberland: Kein Datenklau mit ELENA

Jürgen HeinrichNach anderthalb Jahren haben nun auch die Datenfreunde im Wirtschafts- und Arbeitsministerium der Bundesregierung eingesehen, dass ihr Datenrausch zu weit ging. ELENA wird abgeblasen. Unsere Unternehmen, insbesondere die Buchhalter, werden jubeln. Nur die gesetzliche Formalität für das Aus fehlt noch. Hinter dem wohlklingenden Namen ELENA verbirgt sich ein Software-Monster, dass alle Arbeitnehmer zu gläsernen Datenlieferanten macht. Allein seit dem Start der Datenübermittlung am 1. Januar 2010 dürften in der ZSS, wie Buchhalter sagen, der Zentralen Speicherstelle, Terrabytes an zumeist überflüssigen Angaben eingetrudelt sein. Was geht unsere Bundesregierung an, aus welchem Grund ich einen Job gekündigt habe? Wer will wissen, welche Summen ich für meine Rente auf die hohe Kante lege?
Dilettantisch wie viele vorangegangenen Ideen unserer Regierung ist auch die ELENA-Einführung vorbereitet worden. Bis jetzt ist der Versuch der verschlüsselten Datenübertragung mit Signatur gescheitert. Das heißt im Umkehrschluss, dass die bereits gesammelten Daten für Ha­cker leichte Beute sein dürften.
Die anfangs vermittelte Grundidee, die digitale Welt für weniger Bürokratie zu nutzen, wurde schändlich missbraucht. Statt der seit 2006 funktionierenden direkten Datenübermittlung an die Krankenkassen zu folgen und den bisherigen Papierkrieg digital zu vereinfachen, wurden die Buchhalter - oft in Nachtarbeit für Unternehmer kleiner Betriebe - monatlich an den Computer gefesselt.
Hoffentlich haben unsere Datensammler in Berlin die Lektion gelernt und stülpen uns nun nicht HELENA oder LENA über.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 16. Juli 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Auf den Hund gekommen

Jürgen HeinrichCottbus ist eine hunde-, aber nicht immer menschenfreundliche Stadt. Das findet jedenfalls die Frau, die am 7. Juli, einem milden Donnerstagmorgen, um den Ströbitzer Badesee radelte. In der völlig menschenleeren Landschaft - hier ist selbst jetzt in den Ferien morgens am herrlich sauberen See keine Seele anzutreffen - trottet der Hund unangeleint hinter ihr her. Das tun Hund und Frauchen oft hier, und nur manchmal begegnen sich entspannt Spaziergänger mit anderen Hunden. Die Menschen schwatzen, die Tiere tollen, auf dem Wasser ziehen still Enten ihre Kreise.
An diesem Morgen entsteigen einem städtischen Dienstfahrzeug drei (!) Herren (Namen hier bekannt), stürzen dem groben Verstoß gegen „§ 5. (3) i.V. m. § 8, Anlage Nr. 13 Stadtordnung Cottbus vom 22.11.2007“ entgegen. Keine Ahnung, was die Abkürzungen bedeuten, aber Hunde gehören, das kommt heraus, in dieser Stadt auch in weitester Abgeschiedenheit an die Leine.
Nicht, dass die Herren das der Frau freundlich mitteilten und sie ermahnten - sie stellen Personalien fest, belehren förmlich, eröffnen ein Bußgeldverfahren (Aktenzeichen 505.32.100149.6), schreiben den Vorgang ausführlich nieder, verschicken mehrere Seiten Papier, drohen die Ahndung „tatmehrheitlicher Verstöße“ an, natürlich nicht ohne vorher Gelegenheit zu schriftlicher Stellungnahme zu geben...
Im Rathaus arbeiten ganz klar zu viele Leute. Wann wird Oberbürgermeister Szymanski diesem bürgerschädlichen Treiben endlich ein Ende setzen und seine Mannschaft effektiv auf Dienstleistungen einstellen? Spürt er nicht, dass die Stadt auf den Hund zu kommen droht?

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 9. Juli 2011 - in dieser Woche:

  Frank Heinrich: Rot-rotes CCS-Dilemma

Jürgen HeinrichMit dem Gesetz zur Kohlendioxid-Abscheidung und Speicherung (CCS-Technologie) schuf der Bundestag Donnerstag Voraussetzungen für eine Erprobung der CO2-freien Kohleverstromung. Der Baustart des Demonstrationskraftwerkes in Jänschwalde läge greifbar nahe. Mit einer zeitlichen Befristung, Volumenbegrenzungen bei CO2-Speichern und lokalem Vetorecht der Länder schafft das Gesetz für die Erprobungszeit einen Ausgleich zwischen CCS-Befürwortern und Gegnern.
Brandenburg hingegen steht vor einem rot-roten Dilemma. Bis zuletzt hatte die mitregierende Linke versucht, die Technologie zu verbieten. Was auf Bundesebene nicht gelang, könnte sie nun im Land versuchen. Das wäre das Aus des Jänschwalder Demo-Kraftwerkes und damit der Erforschung der CCS-Technologie in Deutschland. Auch der Fingerzeig auf die Bundesregierung oder andere Länder, die CCS-Lagerstätten verbieten werden, ist unangebracht. Es ist ein durchsichtiger Versuch, den eigenen Rückzug aus der Erprobung der Technologie argumentativ abzusichern. Niemand weiß heute, wie zukunftsträchtig die CCS-Technologie ist. Die Risiken scheinen jedoch kalkulierbar und überschaubar. Geringere Wirkungsgrade bei der Kohleverstromung sowie mögliche Kohlendioxid-Entweichung und geologische Veränderungen stehen der Chance gegenüber, die Umwelt vom CO2-Ausstoß zu entlasten. Damit bliebe Braunkohle bezahlbarer und sicherer Energielieferant und es wären tausende Arbeitsplätze sicher. Ein CCS-Verbot hingegen bedeutet keinen zwingenden Stopp künftiger Tagebaue. Vielmehr steht der Technologie- und Forschungsstandort auf dem Spiel.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 2. Juli 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Frieden schaffen ohne Waffen

Jürgen HeinrichIn der vom Säbelrasseln und Waffenklirren erschütterten deutschen Geschichte war der 1. Juli 2011, also der gestrige Freitag, ein historischer Tag. Kaum zu glauben, dass er in seiner sonnigen Kühle so leise dahin glitt. Gab es doch Wichtiges - Gutes und Peinliches - zum Thema zu sagen. Aber der Landtag und die Medien waren ausreichend damit beschäftigt, die handstreichartige Übernahme der Ostmedien durch Westverlage gebührend zu feiern. Galt es doch, die Brut aus dem „Roten Kloster“ zu vertreiben und durch den Geist der Yellow Press zu ersetzen. Das war das Gegenteil vom „Frieden schaffen ohne Waffen“. Es hat die Gesellschaft zerbrochen, die Mauer durch Gräben ersetzt.
Jene Vision von Frieden ohne Waffen war eine der Säulen der friedlichen Revolution. Den Wehrpflichtigen des Ostens ist das Bild vom Klassenfeind eingeschärft, dem Eingezogenen der Bundeswehr der Briefwechsel mit seinem Cottbuser Freund verboten worden. Schluss mit allem seit gestern vor 20 Jahren. Da ist in Prag der Warschauer Pakt zu Grabe getragen worden. Schluss mit Zwang zum Militär ganz und gar seit gestern: Ab 1. Juli 2011 gibt es in Deutschland keine Wehrpflicht mehr.
Wer Frieden schaffen will ohne Waffen, ist erleichtert. Doch wir wissen: Deutschland steht im Krieg, jeden Tag kann es Gefallene geben.
Auch ohne Pflicht unterhält Deutschland ein teures Heer. Die Frage sei erlaubt: Wo hat es seine Standorte? Cottbus und Spremberg waren immer Garnisonsstädte. Garnison heißt Wirtschaft, Konjunktur. Ist die Bundeswehr in diesem Sinne ausgewogen im Bund verteilt? Auch wir brauchen diese Heeresimmobilien und die gut bezahlten Arbeitsplätze hier. Fordert das eigentlich jemand ein?

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 25. Juni 2011 - in dieser Woche:

  Jens Haberland: Faszinierend bedrohliche Nähe

Jürgen HeinrichAn diesem Wochenende wird am Gut Geisendorf bei Neupetershain das Sommerfest gefeiert. Kurz zuvor war der Chef der Vattenfall Europe AG, Tuomo Hatakka, auf StipPvisite an diesem besonderen Ort, wo der zerstörerische Tagebau und menschliche Baukunst voller Kultur und Leben so nah aneinander geraten, wie an keinem anderen Platz. Bedrohlich und faszinierend nahe zugleich! Nur eine extrem stabile Mauer verhindert ein Abrutschen des Gutes in die staubige Tiefe der Kohlegrube.
Genau an diesem Ort erneuerte der Energie-Manager aus Finnland das Festhalten des Konzerns an der Kohlenutzung für mindestens zwei weitere Generationen. Es bleibt der Solar- und Windstrom-Generation gar nichts anderes übrig, als auf diese stabile Energieproduktion zum Ausgleich der extremen Schwankungen zu setzen. Auf Böen und Flauten, Wolken oder helle Sonne ist schlecht Verlass. Betreiber der Stromnetze müssen inzwischen so stark wie nie zuvor regulierend eingreifen und auch immer öfter Photovoltaik- und Windanlagen abschalten, um die Netze nicht bersten zu lassen. Der Strom fließt immer mehr in die entgegengesetzte, die belastende Richtung. Es ist eine der größten technischen und logistischen Herausforderungen der nächsten 15 Jahre, die notwendigen Investitionen in Stromnetze zu stemmen. Alle Energieunternehmen, egal welcher Größe, müssen das zusammen leisten, prophezeit Tuomo Hatakka.
Anstrengungen waren diese Woche in Klein Gaglow zu sehen, als ein 400-Tonnen-Kran eine Schaltanlage an ihren Platz hievte. Es ist der Anfang einer faszinierend bedrohlichen Nähe entlang der Kohlegrube in unbekanntes Land neuer Energien.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 18. Juni 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Die fünfte Fakultät?

Jürgen HeinrichVor allem für tausende beteiligte Studenten war diese reichhaltige Festwoche der Brandenburgischen Technischen Universität ein tolles Ereignis. Klar: Hier ankert zwischen den „Tankern“ TU Berlin und Dresden in finanziell noch flachem Fahrwasser eine kleine und feine Universität. So jedenfalls resümierte Hinrich Enderlein, der zuständiger Wissenschaftsminister in Brandenburg war, als alle zum Stapellauf bereit standen. Nein, Gründungsrektor Günter Spur gab es zunächst noch nicht. Die hiesigen Profs Schlüßler und Wagenbreth hatten das Konzept erarbeitet und so weit geführt, dass bereits am 15. Mai 1991 mit dem Brandenburgischen Hochschulgesetz die Technische Universität Cottbus beschlossen werden konnte. Dann erst kamen, zum Glück, Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. mult. Dr. Ing. E.h. Günter Spur und andere und setzten die Masten zur großen Fahrt.
Schlüßler und Wagenbreth fehlten während der Festveranstaltung in der ersten Reihe, so wie in denen weiter hinten die Studenten und Sympathisanten der Uni. Vielleicht hat beides kausal damit zu tun, dass dieser rein technischen Schule eben immer noch die fünfte Fakultät fehlt, die geisteswissenschaftliche. Die würde dann auch in Geschichte, Politik und Kultur tiefer schürfen und entdecken, was auch die östliche Welt im Innersten zusammenhält. Prof. Zimmerli, der sich noch zwei präsidiale Jahre zubilligt, hat gelobt, diese fünfte Fakultät zu schaffen, ehe er zurück in die Schweiz düst. Dann sollte er zum ersten echten Protokoll-Jubiläum, dem 25., in der ersten Reihe eines überfüllten Audimax sitzen dürfen, neben den Wegbereitern und den Gründern der Uni. Und hoch geehrt. Das sei ihm dann gegönnt.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 11. Juni 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Wirrwarr oder wahr?

Jürgen HeinrichPräsident Barack Obama, dessen Sympathievorschuss schon merklich schrumpft, hat unsere Kanzlerin hoch dekoriert und Frau Merkel in der Laudatio Bewunderung zugesäuselt. Ihr Erfolgsweg sei umso erstaunlicher, da sie doch in Ostdeutschland aufgewachsen sei, wo die Menschen nicht einmal die Möglichkeit hatten, Fremdsprachen zu lernen.
Man muss solchen Unsinn nicht vertiefen und könnte es bei dem Bedauern schlechter Zuarbeit belassen. Aber mit der zeitlichen Distanz zum verblichenen Land unserer Jugend nehmen die Verwirrungen zu.
Gunther von Hagens („Dr. Tod“) wettert zum Beispiel in einem Papier an seiner Gubener Körperwelten-Schau über (in der Tat) „spießige Sehzensur“. Dass die neue Bildungsminis-terin Besuche der Ausstellung im Unterricht verbiete, sei ein „Nachklingen ehemals diktatorisch regierter DDR-Mentalität“. Ein völlig wirrer Befund. Die Ministerin kommt nicht aus der diktatorischen DDR, und falls der Anatom damals eine solche Ausstellung angeboten hätte, wären ihm rote Teppiche aufgerollt worden. Denn die DDR war arm, aber nicht verklemmt. Das begreifen unterdessen sogar Schulpolitiker.
Erfrischend dagegen der aktuelle studentische Umgang mit Relikten, die tatsächlich zur schwächsten DDR-Leistung zählen. Mauerteile stehen als Denkmal in Cottbus. Nicht, um mit dem Schrecken zu kokettieren, sondern um wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Geschichte zu dokumentieren. Das hat Pfiff und birgt die Chance, Gesprächsstoff zu stiften. Über Sinn und Unsinn von Mauern, über ihre Beschaffenheiten und über ihre Ästhetik. Warum nicht? Wahr oder Wirrwarr - da gibt’s irgendwo Grenzen. Ohne Mauern.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 4. Juni 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Die Bilder laufen wieder

Jürgen HeinrichDamals, 1911, als Cottbus seinem schönen Theater (Baujahr 1908) auch noch ein Kino im Jugendstil hinzufügte, lernten die Bilder gerade erst laufen. Seit der Welt-Kino-Premiere im Berliner Wintergarten waren gerade einmal 16 Jahre vergangen.
Kino wurde in Cottbus und auch anderenorts schon vor 1910 vor allem in umgerüsteten Gasthäusern gespielt. Aber ein richtiges Filmtheater mit Bühne, Parkett und Rang! Nein, das gab es vielleicht in New York, Paris oder später in Berlin. Niemals jedoch in der Provinz.
Es mögen Zufälle mitgespielt haben, dass dieses „Weltspiegel“-Theater überdauerte, selbst als nach 1990 die kleinen Häuser reihenweise den Großkinos mit mehreren Sälen und Popcorn-Pipelines geopfert wurden.
In Cottbus brach ein filmreifer Kinokrieg aus: Die Stadt etablierte ihr inzwischen erfolgreiches Osteuropa-Filmfestival und klagte zeitgleich gegen den Bau eines Kinos auf grüner Wiese. Inzwischen ist das eingemeindet, und alte Wunschträume nach einem Neubau mit 750 Plätzen in vier Sälen an der Franz-Mehring-Straße sind geplatzt.
Es kam besser: Unternehmerischer Mut erweckte ein Kleinod und gibt ihm wieder Visionen. Cottbus kann damit DIE Kinostadt der Lausitz werden, zumindest was den Spielort mitten in der Stadt betrifft. Unter der gewölbten Decke aus kupferbraunen Kassetten finden Illusionen Platz. Der Kinosaal lässt sich mit wenigen Handgriffen zum Tanz- oder Konferenzparkett verwandeln. Zum Glück gibt’s noch den Platz der Tappeure, der Klavierspieler, die einst Stummfilme beklimperten, und eine Bühne, die Talkrunden oder Konzerte zulässt. Cottbus darf sich freuen auf seinen alten neuen „Weltspiegel“...

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 28. Mai 2011 - in dieser Woche:

  Jens Haberland: Himmelfahrt für die Familie

Die Vorfreude auf Donnerstag ist schon jetzt an Stammtischen spürbar; überall werden Tourenpläne abgesprochen, Freunde angerufen. Wir feiern Christi Himmelfahrt! Sicher wieder mit reichlich Alkoholkonsum während und zwischen den zu erradelnden Stationen. Diese Stationen - die vielen gemütlichen Gasthäuser vor allem auf dem Lande - haben sich darauf eingestellt und laden mit vollen Fässern, Deftigem vom Grill, Plinsen und Livemusik. Ja, wir feiern Himmelfahrt zurecht auch ein wenig ausschweifend. Es ist kein Ergebnis von Wendezeiten, nein, schon im vierten Jahrhundert endeten die Bitttage mit mehr Wein als Weihwasser, mit Gesang und Wettkämpfen. So dankten früher die Menschen für den Eintritt Christi in die göttliche Herrlichkeit und feierten gleichzeitig das Ende der Bittprozession für eine gute Ernte. Heute denkt wohl nur eine Minderheit an Jesus’ Auferstehen oder beendet gar eine Bittprozession. Dafür wandelt sich der Festtag, der nicht unbegründet als Vatertag das Pendant zum Muttertag bildet, zum Familien-Ausflugstag. Eine wunderbare Entwicklung, die das Familienleben wieder mehr in den Vordergrund rückt. Es kann gar nicht genügend Tage im Jahr geben, an denen Eltern mit ihren Kindern ins Grüne fahren, auf saftigen Wiesen picknicken und gemeinsam alte und neue Spiele spielen. Das dürfte auch ganz im Sinne Jesu sein. Zu oft bleibt vielen Eltern zu wenig Zeit für ihre Sprösslinge. Da kommt doch Himmelfahrt genau richtig! Und dass dabei der Blick ins Glas gezügelt wird, ist ein ebenso erfreulicher Nebeneffekt. Also, rauf auf die Räder und hinein ins Grüne! Wie unsere Vorfahren, die in die Flur ritten, wenn es ­auch nur die Männer waren.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 21. Mai 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Offene Türen überall

Jürgen HeinrichDer Mai ist gekommen, die Türen gehen auf... Abgewandelt von Emanuel Geibels alter „Burschenlust“ lässt sich so nun schon traditionell frohlocken. Ob die Landesinitiative der zum Schnuppern geöffneten Unternehmen oder auch die vielen anderen lokalen Offerten - es fällt ganz besonders an diesem Wochende schwer, sich unter den vielen Angeboten für nur einige zu entscheiden.
Wer sich Gäste einlädt, verknüpft meist auch eine Absicht damit. Wenigstens die, dem Eingeladenen näher zu kommen, ihn möglicherweise zu seinen Freunden zu zählen oder über gemeinsam Interessierendes ins Gespräch zu kommen. Unhöflich wäre es, ihn zu locken, um ihm etwas aufzuschwatzen.
Genau so verhält es sich mit dem Tag der offenen Unternehmen und den offenen Schulen, Kulturstätten oder Vereinshäusern. Wir können davon ausgehen, dass uns niemand Rheumadecken andrehen oder einen Stromvertrag unterjubeln will.
Die Absicht liegt ganz nachvollziehbar darin, Verständnis und Interesse zu wecken für unternehmerisches Tun. Weil das dem gutnachbarschaftlichen Klima nützt und weil dabei erklärbar wird, was sonst mit vielen Texten, Faltblättern, Anzeigen und Spots eben nur andeutbar bleibt: So tickt unsere Firma, das leisten wir, das haben wir geleistet, darauf sind wir stolz. Und, ausgesprochen oder nicht, klingt dann immer mit: Wer zu uns passt, den nehmen wir gerne auf in unseren Bund.
Es muss ja nicht immer gleich burschenschaftlich enden wie bei Geibel, der sein Lied genau vor 170 Jahren verfasste und in Strophe vier singt: Und abends im Städtelein, Da kehr’ ich durstig ein... Aber warum eigentlich auch nicht?

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 14. Mai 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich:
Saunaklatsch mit Hinz und Kunz(e)

Jürgen HeinrichSaunen eignen sich nicht nur zum Schwitzen, sondern manchmal auch zum Schwatzen. Hinz und Kunz treffen sich und legen mit den Klamotten manchen Dünkel ab.
Aktuelle Wetter-Abkühlung könnte dieser Tage den Saunaklatsch wieder etwas erhitzen, speziell jenen, der sich um die Lagune rankt, für die sich ja Hinz und Kunz (also jedermann) interessiert und Kunze (genauer: Dr. Torsten Kunze) auch noch zuständig ist.
Der will, heißt es, den Job abgeben, was unter saunierenden Insidern als gutes Zeichen gilt. Denn Kunze ist weniger als Saunierer, umso mehr als Sanierer bekannt geworden. Nach der GWC hat er die Stadtwerke durch die Krisen geschleppt; beide Läden stehen heute blendend da.
Für die Lagune ist der Chefposten gerade ausgeschrieben. Der GWC-Geschäftsführer kann die Z-Stelle (alte Bezeichnung für Zweit- oder Nebenjob) nicht auf Dauer halten.
Nein, Verdi-Chef Ralf Franke hat sich nicht dafür beworben. Das ist eine überhitzte Fehldeutung im dritten Saunagang. Er setzt sich, heißt es, für rechtschaffene Bezahlung der Mitarbeiter ein. Die Gehälter-Höhen, die für die Lagune genannt werden, bringen manche Servicemaus der Region erregt ins Schwitzen.
Die neue Idee, die Lagune kopflos zu führen und durch das eingesparte Chef-Gehalt den betriebswirtschaftlichen Erfolg nebst fetten Mitarbeiterlöhnen zu sichern, ist mehr als schweißtreibend. Zum Glück scheint aber auch in Saunen nichts so heiß inhaliert zu werden wie es aufgegossen wird. Alles nur Schwitz-Geschwätz von Hinz und Kunz. Die Hallenbad-Lagune steht draußen an der Sielower Straße besser da als ihr Ruf. Gehen Sie einfach mal rein.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 7. Mai 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Mitternachts-Einkauf

Jürgen HeinrichNa dann: Machen wir uns einen schönen Samstag und schauen mal, was die Geschäfte so für den Urlaubskoffer bieten. Schuhe sind mal wieder fällig, eine leichte Jacke vielleicht und auf jeden Fall ein Picknickkoffer für die Pausen auf der langen Fahrt nach Süden.
Mitternachts-Shopping - das lässt sich in weniger fetzigem Deutsch auch als nächtliches Einkaufen umschreiben - macht richtig Sinn. Früher war das große Neueinkleiden um Pfingsten üblich. Da sind heutzutage die aktuellen Modelle der Saison längst im Schlussverkauf - also auf Ramsch reduziert. Und statt grad noch so samstags um die Mittagszeit im Herrenausstatter von Hose zu Hose zu springen, lässt sich der Einkauf zur Nacht hin durchaus gemütlich gestalten. Daheim fällt zunächst einmal das Abendbrot aus. Da findet sich in der Innenstadt ganz gewiss etwas Geeignetes. Vom Grill oder aus der Salatschüssel. Es kann, aber muss nicht der Altmarkt sein - die Stadt ist voller schöner Lokale mit lauschigen Plätzchen.
Ach ja: Es wird auch Kultur geboten. Und Geselligkeit nach geglückter persönlicher Neuausstattung sowieso. Was manchen wirklich stört, sind am Ende des Einkaufs die prallen Plastiktüten. Wer im Auto gekommen ist, bringt das Zeugs schnell zum Parkhaus. Und wer klug genug war, mit Cottbusverkehr anzureisen und sich auf zwei Viertelchen guten Chardonnay gefreut hat?
Ja, was tun Cottbuser Mitternachts-Shopper (heißt das Wort so?) eigentlich mit ihrem Gepäck, wo die Bahnhofsschließfächer doch so weit sind? Ich würde einfach die Verkäuferin im letzten Laden fragen: Kann ich das mal bis Montag unterstellen? Schönen Samstag also.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 30. April 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Als gestohlen zählt...

Jürgen Heinrich„Baum des Lebens“ wird er mancherorts genannt. Ich erinnere mich gern an den ersten Maibaum, den ich als Kind auf dem Markt meiner sächsischen Kleinstadt erklomm. Der Kranz da oben hing voller Bockwürste, und wer es hinauf schaffte, durfte sich eine pflücken. Damals waren Bockwürste üblicherweise nur auf Lebensmittelkarten zu haben und im HO-Preis fast nicht bezahlbar. Für uns Kinder, jedenfalls für die klettergewandten, war der Maibaum ein Ereignis des Glücks und Vergnügens. Nicht nur wegen der Würste; satt zu essen hatten wir schon alle. Aber der Stolz, die schaukelnde Trophäe erreicht zu haben, machte den
1. Mai zum Festtag.
Heute klettert niemand mehr den Stamm hinauf. Wer weiß, ob’s die Bengels noch könnten. Aber die Begeisterung rund um den Maibaum ist geblieben. Schön, dass in den Stadtteilen und Dörfern solche geselligen Anlässe eine starke Lobby haben. Meist von der Jugend organisiert, unterstützen Vereine und Unternehmen gern die Prozedur, und am Abend treffen sich alle zum Umtrunk, zum Palawern und mancherorts auch zum Tanz.
Aber was, wenn der Maibaum geklaut wurde? Weithin verbreitet und erst in jüngerer Zeit auch hier üblich ist die Geschicklichkeitsprobe, den vorbereiteten Maibaum zu entführen. Aber Achtung: Hierfür gibt es Regeln: Als ehrenwert gestohlen zählt nur ein Baum, der ohne Gewalt (gegen Baum wie Menschen) und unbemerkt über die Ortsgrenze gebracht wird. Wo das gelingt, muss er ausgelöst werden und wird dann mit Hallo und manchmal sogar mit Musik zurück getragen.
Der Spaß dabei ist ähnlich wie der in unseren einstigen Kletterzeiten.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 23. April 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Ist Cottbus schon Einkaufsstadt?

Jürgen HeinrichDie Frage, ob Cottbus wirklich schon die Einkaufsstadt ist, die sie ihrer Lage nach sein sollte, stellt sich immer dann, wenn an manchem grauen Wochentag der Frühjahrswind ein paar zerknäulte Servietten vom Fastfood am Turm Richtung Altmarkt bläst. Kein Mensch fängt sie auf. Weil gar keiner da ist.
Nein, Einkaufsstadt sieht anders aus. Bei trübem oder auch bei freundlicherem Wetter. Die Cottbuser Mitte hat noch längst nicht ihr wahres Potential entfaltet. Daran wird auch ein Einkaufsführer in einer Auflage von 20 000 Exemplaren nichts ändern. Denn: Wem will man die 20 000 Hefte geben? Und noch viel wichtiger: Wem nicht?
Die groß - und, bezogen auf Glanzpapier, auch teuer - klingende Zahl ist ein lauer Hauch im stürmischen Wettbewerb der Handelsplätze. Allein die real,-, Marktkauf- oder EDEKA-Märkte verteilen Woche für Woche in der Region je 100 000-fach ihre Blätter. Nicht ihre Adressen und Telefonnummern, sondern ihre lockenden Angebote. Fünf Millionen Prospekte pro Markt und Jahr!
Was sollen 20 000 Einkaufsführer bewirken außer gegenseitigem Schulterklopfen der Macher? Einkäufer lenken sie kaum in die Geschäfte.
Obgleich sie natürlich besser sind als gar keine Botschaft. Die Altstadt mit ihrem Verein verfertigte mutig 350 000 Flyer, von denen einmal gut 100 000 verteilt wurden. Für mehr Werbung reicht das Budget eines Vereins weniger Händler nicht. Den großen Häusern war gleich ungeheuerlich, dass die Kleinen überhaupt über die Stadtmauer lugten, und es grummelte aus Arbeitsgruppen böse bis ins Rathaus hinein. So bleibt halt nur der Wind in der Sprem und die Frage: Ist Cottbus schon Einkaufsstadt?

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 16. April 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Kein Risiko, nur Gemeinwohl

Jürgen HeinrichDas rote Ländchen Brandenburg bastelt wieder ein bisschen am Rückwärtsgang. Die Ökonomie des Sozialismus war doch nicht so schlecht. Gibt’s noch Lehrbücher davon?
Diese Woche lief die Debatte zu einem Gesetzesentwurf über die Stärkung der kommunalen Daseinsvorsorge an. Dafür könnte in den alten Schwarten manches Argument zu finden sein. Die Linken hausieren lautstark damit. Sie wollen viel Wirtschaft verstaatlichen, um „den Kommunen die Möglichkeit zu lassen, die Arbeits- und Lebensbedingungen zu gestalten.“ Kommt uns das bekannt vor? Wir waren alle gleich gebrechlich - das Ergebnis gleichmachender Daseinsfürsorge.
Starke Kommunen - das ist in Ordnung. Die kommunale Selbstverwaltung gehört zu den zurückgewonnenen Errungenschaften. Die aktuelle Kommunalverfassung schützt sehr richtig die Räume der Wirtschaft. Ist eine Leistung bei gleicher Qualität und gleichen Kosten privat machbar, bleibt die Kommune außen vor. Das zum Beispiel will das jetzt diskutierte Gesetz ändern. Und es will die Gemeinden agieren lassen ohne Genehmigungen von Kommunalaufsichten. Jegliche Art von Nebengeschäften sollen kommunale Unternehmen treiben dürfen. Das ist Kommunismus pur. Denn selbstverständlich soll kein kommunal Besoldeter dem privaten Risiko vergleichbar gestellt sein. Denn er handelt ja stets fürs Gemeinwohl. Der Gute. Geht’s schief, erholt er sich mit höchster Abfindung vom Stress. Das kennen wir von den Stadtwerken. Und kommunale Ü30 Partys, wie in Cottbus, sind Brandenburgs Zukunft. Anzeigenblätter machen die Gemeinden auch längst selbst. Ganz brave kleine Zentralorgane.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 9. April 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Auf Rosen gebettet

Jürgen HeinrichNoch berauscht uns nicht der Duft der Königin der Blumen, aber der Lenz streicht durch alle Gärten, auch den der Rosen in Forst. Und mit erwachender Natur setzt sich jetzt für die ganze Region das Thema Rose in völlig neuer Qualität in Szene.
Mehrere weitblickende Termine trugen sich dieser Tage schon zu, die den Ostdeutschen Rosengarten zum Lausitzer Popularitäts-Motor werden lassen. Der Garten an der Neiße, seit letztem Herbst im Parkverbund mit Muskau, Cottbus-Branitz und Brody/Pförten vernetzt, feiert in zwei Jahren sein 100-jähriges Jubiläum. Um daraus viel mehr als einen duftenden Festtagsstrauß zu binden, haben die Forster sehr tief Luft geholt und Deutschlands Gartenwelt ins Bewusstsein gerückt, dass die Wiedervereinigung auch zu einem einigen Rosenland zurückgeführt hat. 75 Jahre lang gab es keine deutsche Rosenschau mehr. Forst, die endlich wieder wirklich blühende Stadt der Rosen, wird im Jahr 2013 wieder eine ausrichten. Auf 17 Hektar Park und Ausstellungsfläche werden sich die Züchter mit ihren Schönheiten wie einst dem Vergleich stellen.
Längst kam dieses erwachte Forst in Fachkreisen in aller Munde, und selbst die Hamburger internationale Gartenschau igs 2013 legt Wert darauf, mit Forst auf Augenhöhe zu kommen. Geschäftsführer Heiner Baumgart und Forsts Bürgermeister Jürgen Goldschmidt haben am Rande der ITB im März eine entsprechende Vereinbarung geschlossen. An der Neiße sammelt sich unterdessen ein Sponsorenpool um die Sparkasse Spree-Neiße. Hier geht es, das ahnt die Lausitz längst, summa summarum um mehr als Blüten: Forst hat eine moderne Wirtschaftsförderung auf Rosen gebettet.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 2. April 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Brücken in Zeiten der Vernunft

Jürgen HeinrichDie Nachrichten aus Japan haben die Welt erschüttert und tun es weiterhin. Deutsche Wahlergebnisse machten letztes Wochenende deutlich: Wir können nicht weitermachen wie bisher. Wir könnten es technisch wohl, aber es entspricht nicht dem Willen der Menschen, aus deren Besorgnissen akute Ängste geworden sind.
Von Brücken ist nun häufiger die Rede. Brücken von unendlicher Spannweite, die aus Atomstrom ins regenerative Energiezeitalter führen. Weite, fast nicht überschaubare Brücken sind das. Vielleicht auch nur verbale Alibi-Bauwerke, die am Ende gar nicht tragfähig wären?
Wir hier in der Lausitz kennen das Ringen um unschädliche Verstromung der Braunkohle. Die Versuchskraftwerke in Schwarze Pumpe und Jänschwalde haben schon viel Forschungspotential verschlungen. Doch die Akzeptanz des Weges wird von Monat zu Monat geringer, weil der Protest der Menschen nicht nur die Schädigung der Atmosphäre meint, sondern auch das leichtfertige Aufbrauchen der fossilen Ressourcen. Die die Kohle durch den Schornstein jagen, scheinen im Gefecht der Argumente im Rückzug begriffen. Warum?
Unterdessen tickt eine Uhr der Hoffnung. Wer sich auf die Forster Stadtwerke-Seite googelt, findet dort im frühlingshaften Lindgrün einen Zähler, der die CO2-Einsparung anzeigt, der durch den Austausch von Erdgas mit Bio-Methan für die Rosengarten-Wärme entsteht. Nur ein kleiner Teil der Forster Energie, aber ein erträglicher. Die Rosenstadt will mit „intelligenten Stromzählern“ und anderen Aktivitäten bis 2030 klimaneutral sein. Ist das an der Neiße die Brücke in Zeiten der Vernunft?

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 26. März 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Die komische Alte

Jürgen HeinrichDas Cottbuser Stadtgrün, wie auch das in Spremberg, Forst und Guben, hat’s schwer. Wir schrieben über das hohe Alter der Bäume, die enormen Kosten ihrer Pflege, die schier utopischen Summen für Neupflanzungen. 1 000 Euro pro Baum! Und wir erwähnten, dass es viele Möglichkeiten für unsere Mitbürger gibt, dem Stadtgrün zu helfen.
Klarer Fall, sagen unsere Leser, machen wir. Die Ideen, Initiativen und Aktionen sind zahlreich - vom Förderverein „Fürst Pückler in Branitz“ e.V. über die fleißigen Experten aus Kleingartensparten, die über ihre Zäune hinaus wirken, bis zu einzelnen Helden prächtiger Vorgärten.
Einen langen Brief schrieb uns Grit Prigand aus Cottbus-Sandow. „Der Artikel über den Zustand der Cottbuser Bäume sprach mir aus dem Herzen“, schreibt sie und schildert, wie sie erst eine Kastanie und später eine Linde vor ihrem Haus in Obhut nahm, die jungen Stämmchen vor Rasenparkern schützte, Blütenzwiebeln steckte und sich über querlatschende Zeitungszusteller ärgerte, immer wieder durch die Kerzen der Kastanie, den Duft der Linde, den Schatten der Kronen und die Farbenfreude der Blumen, die sich retten konnten, belohnt wurde. Ihre Sonnenblumen schnitten nächtliche Räuber ab, aber der Efeu, der verletzten Stämmen Schatten gibt, blieb erhalten. „Ich dachte all die Jahre, ich würde Nachahmer finden“, schreibt die 75jährige. Aber sie werde belächelt und gelegentlich mit Ausdrücken bedacht. „Naja“, findet die Sandowerin, „es muss eben ein paar komische Alte geben.“
Da hat sie wohl recht, die Frau. Wenn es auch noch ein paar „komische Junge“ dazu gäbe, würden wir uns alle miteinander besser fühlen. Vielleicht fangen wir mal an damit...

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 19. März 2011 - in dieser Woche:

  Frank Heinrich: Energie-Politik am Scheideweg

Jürgen HeinrichStündlich überschlagen sich die Horrormeldungen aus Japan und sorgen auch bei den Lausitzern für Bestürzung. Nach dem Beben und Tsunami mit tausenden Toten, folgte ein atomares Desaster.
Ungläubig kommentieren deutsche Medien das besonnene Verhalten der Japaner; die Bundesregierung will hektisch Atomkraftwerke abschalten und die Opposition hat endlich ihr Wahlkampfthema gefunden.
Dabei würde allen etwas mehr Fassung und eine ernstgemeinte Diskussion über eine zukünftige Energiestrategie gut tun.
Neben Wahlkampfgetöse bringt eine Haltung in der Bevölkerung gegen Atomenergie, Kohle, Kohlendioxid-Verpressung (CO2), Windräder, Biogasanlagen und neue Stromleitungen für erneuerbare Energien niemanden weiter. Sie gefährdet den Industriestandort Deutschland und damit unseren Wohlstand.
Auch kann aktuell unser Energiehunger nicht durch erneuerbare Energien gestillt werden. Neben ihrem Ausbau könnte so die Lausitzer Kohle eine Renaissance erleben; mit rund 40 Prozent trägt Braunkohle zur Strom- und Wärme-Erzeugung bei.
Für die Kohlezukunft muss jedoch die vergleichsweise risikoarme CO2-Verpressung gesetzlich klar geregelt werden. Danach sieht es derzeit nicht aus. Die Bundesregierung will die Entscheidung den Ländern überlassen, womit die Zukunft Lausitzer Kohle zum Rot-Roten Spielball der Landespolitik würde und viele potentielle Lagerstätten in anderen Bundesländern ungenutzt blieben.
Notfalls muss sich jedoch die Landesregierung auf einen Alleingang einstellen und zumindest für einen Übergangszeitraum zum Vorreiter für die CCS-Technologie werden.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 12. März 2011 - in dieser Woche:

  Frank Heinrich: Operation politisch missglückt

Jürgen HeinrichIn Spremberg eskaliert ein Streit zwischen Krankenhaus und Kassen. Ein keineswegs nur dort beklagtes Dilemma. Einige Versicherer wollen hier solide Hüftgelenk-Operationen aus dem Jahr 2010 nicht vergüten. Damit droht der Klinik die finanzielle Schieflage. Mittwoch demonstrierten über 1 000 Spremberger ihre Sympathie mit dem Krankenhaus.
Während sich der Volkszorn gegen die Kassen richtet, fühlen die sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Das ist nicht ganz unbegründet. Setzen sie doch lediglich die Vorgaben der landesherrlichen Krankenhausplanung um.
Nachdem die Regierung also den Ärger verursacht hat, feuert sie nun die Streithähne noch wechselseitig an. Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) stellte sich in Spremberg gar auf die Seite der Demonstranten.
Gewiss: Die Idee einer Krankenhausplanung mit der angestrebten Erhaltung eines qualitativ hochwertigen medizinischen Angebotes in allen Regionen ist ehrenwert. Auch wird niemand in Abrede stellen, dass es Aufgabe einer Regierung ist, eine flächendeckende Grundversorgung, insbesondere eine medizinische Notfallversorgung, sicher zu stellen. Spätestens hier sollten die politischen Eingriffe in die (Gesundheits-)Wirtschaft jedoch enden. Auch kleinere Krankenhäuser messen sich in Augenheilkunde, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Gynäkologie oder Geburtshilfe und Orthopädie. Nur so bleiben sie kostendeckend und ihre Mediziner auf der Höhe des Fachs.
Darum muss es letztlich gehen: Hervorragende Ärzte, dürfen nicht durch Landesfehlplanung aus der Provinz getrieben werden. Das wird eine mißlungene politische Operation.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 3. März 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Geprägt vom 8. März

Jürgen HeinrichWir haben das Ampelmännchen und den grünen Pfeil, und wir haben auch den 8. März. Wir, die Ostdeutschen, haben natürlich auch noch viel mehr in die wachsende Einheit eingebracht. Aber jetzt zum Märzanfang ist es die Rolle der Frau, über die wieder mal geredet wird.
Männer oder Frauen - wir hier in der Lausitz sind gleichermaßen geprägt von diesem 8.-März-Gedanken. Gleichberechtigung ist das Schlagwort, und wir erinnern uns nicht nur an Blumen in Staniol und lange Schlagen an den Blumenläden, sondern auch an Frauenförderung, Frauensonderstudium, Chefinnen in den Produktionsabteilungen. Auch viele, viele Kinder gehören ins Erinnerungsbild und Kindereinrichtungen, die ab 6 Uhr offen und erst am späten Abend wieder zu waren. Die Mütter keulten vollbeschäftigt, kaum seltener als heute alleinerziehend und irgendwie immer auch unterwegs, den Einkauf, der damals „Besorgen“ hieß, zu meistern.
Nicht alles war gut in dieser Ost-Gleichberechtigung, und doch hat sie ein Zusammenleben geprägt, in dem das Bild vom „Heimchen am Herd“ nur aus dem Westfernsehen bekannt war. Immer wieder fabulieren an heutigen Männer-Wirtschaftsstammtischen West-Manager mit Erstaunen über die „tollen Ingeneurinnen“ und kompetenten Fachfrauen aus den Ostbetrieben. Die haben zudem alle auch Kinder großgezogen.
An klugen, gut ausgebildeten Frauen mangelt’s auch in den nachgereiften Jahrgängen nicht. Allerdings sind Kinder von Akademikerinnen oder Führungsfrauen eine Rarität. Da ist irgendetwas ganz gründlich schief gelaufen. Auch deshalb bleiben Frauenwochen so wichtig. Wenn’s sein muss, auch um den 8. März.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 26. Februar 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Die Doktor-Bagatelle

Jürgen HeinrichUm es vorweg zu nehmen: In seriösen Lokalredaktionen sind ein, zwei aus anderen Blättern abgeschriebene Artikelchen ausreichender Kündigungsgrund. Ohne wenn und aber. Das hat es - leider - auch bei uns schon gegeben. Die Diplom- und anderen Abschlüsse unserer Mitarbeiter sind hingegen solide Eigenleistungen. Nicht mit summa cum laude, also höchstem Lob, bedacht, aber doch gut bis sehr gut und inhaltlich durchweg nützlich für die jeweiligen Berufsrichtungen. Da wurde nicht für Titel gebüffelt und geforscht, sondern für den Erkenntnisgewinn.
Aus welchen Gründen und mit welchen Methoden manche Politiker heutzutage büffeln oder büffeln lassen, kam mit Karl Theodor zu Guttenbergs peinlichem Doktor-Plagiat in die Schlagzeilen. Große Verwunderung gab es nicht, denn Politikern unterstellt das gaffende Volk allzu gern Schaumschlägerei. Zu Recht, hat der Verteidigungsminister unterstrichen und sich dafür noch einer Bundestagsdebatte unterzogen, die noch lächerlicher war, als seine schülerhafte Verfehlung vor den Bayreuther Doktorvätern.
Der Deutsche Michel schöpft seinen Moralbegriff längst aus dem Comedy-Bildungsfernsehen und hat jede Scham verloren. Der blaublütige Star aller Talk-Fenster jongliert sich mit seiner Doktor-Bagatelle in Hitlisten des BILD-Publikums weit nach oben. Keine leise Ahnung quält ihn, dass derartig eitel-kriminelle Gier nach Reputation unter ehrwürdigen Akademikern einem Kapitalverbrechen gleichkommt. Und, wie gesagt, in Lokalredaktionen genügen weniger geklaute Worte für den Rausschmiss. Bundesministern droht solche Schmach nicht. Ihre Show geht schlüpfrig weiter. Beifall!!!

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 19. Februar 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Narren an die Macht

Jürgen HeinrichIn zwei Wochen regnet’s wieder Konfetti auf Cottbus, und die Schlager der Narren lassen die Fensterscheiben klirren. Nicht jeder bricht in Jubel aus, aber die meisten schon.
Immerhin: Es rollt schon der 20. Zug der Fröhlichen Leute durch die Stadt. Zwischen bescheidenen Anfängen in der Berliner Straße bis zur Oberkirche mit Tribüne auf dem Altmarkt und dem heutigen größten Umzug Ostdeutschlands mit Live-Übertragung im Fernsehen liegen Welten.
Nur Welten? - Nein, mehr noch. Es kommt eine Zeit unglaublicher Begeisterung und leidenschaftlichen ehrenamtlichen Engagements auf das Konto der Lausitzer Karnevalisten. Denn was da als große Show an einem Sonntagnachmittag vor Rosenmontag abläuft, ist nur die ausgelassene Festparade dessen, was inzwischen ein gutes Stück hiesiger Lebenskultur genannt werden darf.
Um die 50 Karnevalsvereine tummeln sich im Süden Brandenburgs und im sächsischen Grenzland. Sie alle organisieren sich außerhalb der Tollen Tage in einem inhaltsreichen Gemeinschaftleben, das lange Strecken des ernsthaften Mühens kennt. Welcher Fleiß, welcher Ehrgeiz gehören dazu, bis die Tanzmäuschen und die Tanzmarie, bis das krachblöde Männerballett und bis die Rede in mancher Bütt eingeübt sind! Und welcher Eifer (vom Geld ganz zu schweigen) muss walten, um Jahr für Jahr originellere Festwagen auf die Piste zu schicken!
Die Karnevalisten in ihren grellbunten Gewändern sind rechtschaffende Leute und manche treffen wir schlipsfromm an hoher Stelle wieder. Lassen wir sie getrost auch dort walten, wo Witz und viel Energie ebenso hilfreich sind wie in närrischen Hofstaaten: an der zivilen Macht.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, den 12. Februar 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Peinlich: Geschäft mit der Trauer

Jürgen HeinrichDa sind sie wieder, diese Tage, in denen Dresden und Cottbus sich nahe sind, nahe in Schmerz, Trauer und Erschütterung.
Vor 66 Jahren fiel Sachsens Glanz im Feuersturm, drei Tage später, am 15. Februar 1945, hatten die Bomber Cottbus zum Ziel. Zweitausend Menschen, vielleicht auch mehr, die meisten bis heute namenlos gebliebene Flüchtlinge auf dem Durchzug, kamen ums Leben. Und das war erst der Anfang vom Ende, das bis April 1945 im Donnerhall der Geschütze und in blutigen Straßenschlachten Forst, Spremberg, Guben und erneut auch Cottbus in Trümmer legte. Tausende Menschen, Deutsche, Russen, Kirgisen, Polen und Soldaten anderer Nationen, starben in sinnlosen Kämpfen und tränkten den Sand der Lausitz mit Blut. Zuletzt vor allem auf dem Weg nach Halbe, wohin die Panik Mann und Maus in allerletzter Kopflosigkeit hetzte.
Welch eine Tragödie! Wir stehen still, empfinden Mitgefühl und trauern.
Der 15. Februar, kommender Dienstag, ist ein Tag, der dem Gedenken gehört. Seit Jahren hat sich das Glockenläuten und das Totengedenken eingebürgert. Die sie überlebten, diese Schreckenstage, sind alt geworden. Für sie gehen die jüngeren hin zu den Kreuzen, Gedenksteinen und unvergessenen Trümmerplätzen und legen die Blumen nieder. Politische Geschäfte zu machen mit solchen Tagen gehört sich nicht.
Trampelnde Märsche passen nicht in die Szene, weder solche von den Neubraunen noch die von den schrillen Antifas. Wer immer seine Stimme gegen Krieg oder Terror erheben will, mag das tun. Die Opfer der verheerenden letzten Wochen des räuberischen deutschen Krieges aber eignen sich nicht zur Umschuldung.

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  Ausgabe Cottbus von Sonnabend, dem 5. Februar 2011 - in dieser Woche:

  Jürgen Heinrich: Berlin, Berlin, dein Geld, auf
 
 
                                das wir lauern...

Jürgen Heinrich„Berlin, Berlin, dein Herz kennt keine Mauern“ sangen John F. und die Gropiuslerchen auch den Cottbusern aus der Seele. Immer hat der Puls der Lausitz ein bisschen mit Berlin geschlagen. Spreewald-Ammen aus Schmellwitz und Saspow stillten einst großbürgerliche Kinder, halbstarke Nachkriegsjahrgänge fuhren nach Kreuzberg ins Kino, und sicher kam manch Berliner zum Wochenendausflug bis JotWeDe (janz weit draußen) nach Cottbus.
„Berlin, Berlin, dein Geld ist’s, worauf wir lauern“, trällert im Gedenken an solche fast S-Bahn-Nähe jetzt das Stadtmarketing. Kein schlechter Titel: Fünfeinhalb Millionen Berliner auf der Suche nach mittelstädtischer Cottbus-Idylle...
Nur: Dafür müsste sich die Stadt zu eben solchem Profil bekennen. Mit einem Welttheater und Erstliga-Fußball anzugeben, reicht keinesfalls; das haben die kultur- und sportverwöhnten Hauptstädter selber.
Bevor Werbegeld an BVB-Fenster geklebt wird, sollte klar sein, was das bewirken könnte. Mit hundert oder zweihunderttausend ist da sowieso nichts gemacht. Die versickern in der werbeverrückten Metropole wie Regentröpfchen im heißen märkischen Sommersand.
Was aber ließe Berliner zum Paletot greifen, um hinter den Spreewald nach Cottbus zu fahren, womöglich gar mit demnächst flotter Bahn?
Richtig: mittelstädtische Idylle, eine kuschelgute Einkaufs-Altstadt, Szene mit Hoftheatern, Kaffeehäusern, Kutschbetrieb, oller Straßenbahn, spreewaldoriginalem Gemüsemarkt - alles preiswerter und schöner als am Ku’damm und unterm Brandenburger Tor. Ja: Sparen wir all diese Vorzüge nicht gerade weg? - Berlin, Berlin, was sind wir zu bedauern...

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